Es sind noch 75 Minuten bis zum Anpfiff, als Fran­ziska Hoff­mann den U‑Bahn-Aus­gang an der Her­mann­straße hoch­kommt. Sie kommt mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Hoff­mann, 32 Jahre alt, ist die Auf­sichts­rats­vor­sit­zende des Fuß­ball-Ober­li­gisten Tennis Borussia. In dieser Woche hat sie den womög­lich größten Coup ihres Funk­tio­närs­le­bens gelandet. Sie hat das nicht allein geschafft, aber an dieser Stra­ßen­kreu­zung in Neu­kölln wird an erster Stelle sie mit diesem Coup iden­ti­fi­ziert. Hoff­mann wird geherzt und umarmt. Herz­li­chen Glück­wunsch zu der Aktion“, sagt jemand zu ihr. Ich bin so dankbar.“ Ohne Hoff­mann wär’n sie gar nicht hier.

Alle gegen Jens Red­lich

Gut 50 Fans von Tennis Borussia haben sich am Treff­punkt an der Her­mann­straße ein­ge­funden, um gemeinsam zum Werner-See­len­binder-Sport­park zu ziehen, zum Aus­wärts­spiel von TeBe bei Tas­mania. Es ist das erste Spiel der neuen Saison – und für viele Anhänger das erste nach einem halben Jahr im Exil. Statt ins Momm­sen­sta­dion zu gehen oder ihrer Mann­schaft zu Aus­wärts­spielen zu folgen, haben sie sich gemeinsam Begeg­nungen in der Kreis­liga ange­schaut, sind sie zum Was­ser­ball gefahren oder zum Tisch­tennis. Alles aus Pro­test gegen Jens Red­lich, den Haupt­sponsor und Vor­stands­vor­sit­zenden des Klubs, dem sie ein selbst­herr­li­ches Regi­ment vor­werfen.

An diesem Sonntag sind sie alle wieder da: die frü­heren Auf­sichts­räte Kevin Küh­nert und Chris­tian Schwarz­kopf, Carsten Bangel, die Stimme des Momm­sen­sta­dions, die seit Februar ver­stummt war, und viele andere, denen in Zeiten des Exils ein Stück Heimat gefehlt hat. An den Kassen haben sich so lange Schlangen gebildet, dass der Anstoß um eine Vier­tel­stunde ver­schoben wird. 1370 Zuschauer sind es am Ende, und rund die Hälfte dürfte wegen Tennis Borussia gekommen sein.

Auch Red­lich ist da

Jens Red­lich ist auch da. Eine Drei­vier­tel­stunde vor dem Anpfiff steht er an der Stirn­seite des Platzes unter einem Son­nen­schirm. Um ihn herum, an einem Bier­tisch, sitzen Andreas Voigt, der abge­setzte Geschäfts­führer, und Jörg Zim­mer­mann, das letzte ver­blie­bene Mit­glied aus dem alten Vor­stand. Red­lich trägt Polo­hemd, Shorts, Sneaker, eine weiße Son­nen­brille und das neon­grüne Vip­bänd­chen um den Arm. Als die Mann­schaft zum Warm­laufen aus der Kabine kommt, klatscht er die Spieler ab.