Die Zeit rennt, bald geht es wieder los mit all den Aus­zeich­nungen und Ehrungen. Europas Fuß­baller des Jahres, Welt­fuß­baller des Jahres, Welt­tor­hüter des Jahres, Welt­schieds­richter des Jahres, Welt­gras­halm des Jahres. Kaum aus­zu­halten, diese Span­nung.

Ich mach das nicht mehr mit. Auf der Stelle, hier und jetzt, von meinem Schreib­tisch aus, ver­kün­dete ich meinen Welt­fuß­baller des Jahres. Die Wahl treffe ich, die Lau­datio halt ich auch. Nach­fragen oder Ver­bes­se­rungs­vor­schläge sind nicht erlaubt.

Also, der Gewinner ist, tada­aahhhh.. Adam Nemec!

Welt­ver­eins­wechsler des Jahres

Gute Wahl, denken Sie jetzt bestimmt: Nemec, Nemec… Der hat doch gerade erst die Slo­wakei mit seinem Tor gegen Luxem­burg zur EM nach Frank­reich geschossen. Hätte ich auch drauf kommen können.“

Da haben Sie natür­lich Recht, aber meine Beweg­gründe sind andere. Nemec hat sich die Aus­zeich­nung nicht nur für seine Treff­si­cher­heit, son­dern für seine Kar­rie­re­pla­nung ver­dient. Er ist sozu­sagen auch gleich der Welt­ver­eins­wechsler des Jahres.

Denn: Wel­cher im Vor­jahr bei einem mit­tel­mä­ßigen Zweit­li­gisten aus­ge­mus­terte, auf der Tri­büne hockende Fuß­baller kann schon von sich behaupten, 2015 plötz­lich die Umkleide mit den klang­vollsten Namen der Branche geteilt zu haben?

Plötz­lich saß er neben David Villa

Das kam so: Beim 1. FC Union fühlte sich Nemec scheinbar unter­for­dert mit all den Kopp­lins und Jopeks an seiner Seite. Trotzig ver­steckte er sein wahres Talent. Wie ein Hoch­be­gabter in der Grund­schule. End­lich frei­ge­stellt vom quä­lenden Unter­richt des Herrn Düwel schloss er sich im Januar dem neu­ge­grün­deten New York City FC an. Man­hattan statt Köpe­nick, Cen­tral Park statt Wuhl­heide. Plötz­lich saß Adam Nemec in einer Kabine mit Spa­niens Welt­meister David Villa, seinem neuen Sturm­partner.

Später kamen noch Frank Lam­pard und Andrea Pirlo hinzu. Natio­nal­spieler unter sich. End­lich nor­male Leute. Besser konnte es nicht werden. Nemec, der Wel­ten­bummler, erkannte das, zeigte wahre Größe und machte auf dem Höhe­punkt seiner Kar­riere kehrt. Adios David! Goodbye Frank! Arri­ve­derci Andrea! Seit ein paar Wochen spielt er nun für Willem II Til­burg. In Hol­land.