Auf dem Mann­schafts­foto von Man­chester City zur Saison 2020/2021 steht Ilkay Gün­dogan in der Mitte, direkt neben Trainer Pep Guar­diola. Ein Bild mit Sym­bol­kraft. Als der spa­ni­sche Trainer 2016 anheu­erte, war der Mit­tel­feld­spieler seine erste Neu­ver­pflich­tung. Und Guar­diola war von Anfang an begeis­tert vom Natio­nal­spieler. Bloß: Alle anderen brauchten etwas länger, um seine Begeis­te­rung zu teilen.

Sie können nicht glauben, wie gut er ist. Er ist außer­ge­wöhn­lich, er ist einer der besten Ver­pflich­tungen in der Geschichte des Klubs“, sagte Guar­diola vor wenigen Monaten zu Jour­na­listen. Fast so, als hätten diese es noch immer nicht ver­standen. In den Jahren zuvor jeden­falls hatten sie die Schlag­zeilen vor­rangig den anderen Stars der City­zens gewidmet, den Offen­siv­künst­lern, den Män­nern, deren Tri­kots sich am besten ver­kauften. Gün­dogan selbst hatte sich damit, so schien es, arran­giert. Jemand sagte mir einst, dass ich viel­leicht nicht glänze, aber ich anderen erlaube, zu glänzen und so sehe ich mich“, sagte Gün­dogan im Gespräch mit den ver­eins­ei­genen Medien.

Doch in dieser Saison ist das anders. Aktuell ist Gün­dogan die trei­bende Kraft beim Tabel­len­führer der Pre­mier League. Und wird auch so wahr­ge­nommen. Wie kam es dazu?

Ich erlaube anderen, zu glänzen“

Ilkay Gündogan über Ilkay Gündogan

In den ersten Jahren nach seinem 30 Mil­lionen Euro schweren Wechsel von Borussia Dort­mund zu Man­chester City drohte Ilkay Gün­dogan nur eine Rand­notiz der erfolg­reichsten Ära der Klub­ge­schichte zu werden. In seiner Debüt-Saison 2016/2017 kam er auf­grund meh­rerer Knie­ver­let­zungen nur auf zehn Liga­ein­sätze. In der Fol­ge­saison ließ er seine Qua­lität immer wieder auf­blitzen. Auf dem Weg zum Meis­ter­titel spielte er den­noch nur eine unter­ge­ord­nete Rolle, stand ledig­lich 15 Mal in der Startelf.

2018 stand Gün­dogan dann plötz­lich in den Schlag­zeilen, aller­dings durch eine Aktion abseits des Platzes. Ein Foto mit Mesut Özil und dem tür­ki­schen Prä­si­denten Recep Tayyip Erdogan sorgte vor der Welt­meis­ter­schaft deutsch­land­weit für Empörung.„Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein poli­ti­sches State­ment abzu­geben“, beteu­erte er damals. Ein sel­tener Vor­stoß ins Ram­pen­licht und ein unge­müt­li­cher oben­drein.

Fernab der Kritik ver­lief auch die Hin­runde 2018/2019 nicht zufrie­den­stel­lend. Bei den City­zens pen­delte Gün­dogan zwi­schen Startelf, Bank und Behand­lungs­tisch, ehe er plötz­lich zur heim­li­chen Schlüs­sel­figur avan­cierte.

Im Schatten von Ster­ling, De Bruyne oder Kom­pany

Im Schluss­spurt des engsten Titel­ren­nens in der Geschichte der Pre­mier League ver­trat Gün­dogan den ver­letzten Defen­siv­stra­tegen Fer­nandinho. Er ver­lieh der Sech­ser­po­si­tion durch seine Dynamik mehr Leben und tat dies her­aus­ra­gend gut“, wie Guar­diola betonte. City gewann die letzten 14 Spiele in Serie und ver­tei­digte die Meis­ter­schaft mit einem Punkt Vor­sprung. Gün­dogan stand dabei 13 Mal in der Startelf. Ich hatte das Gefühl, dass ohne seine Qua­lität, seine Cle­ver­ness und seine Über­sicht der Titel nicht mög­lich gewesen wäre“, zitierte The Ath­letic den Trainer.

Doch so häufig Gün­dogan den Ball abfing, den rich­tigen Pass wählte oder die Vor­lage zur Vor­lage bei­steu­erte, die Stars waren andere: Der schei­dende Kapitän Vin­cent Kom­pany, eine schil­lernde Figur in der Ver­eins­ge­schichte, und vor allem natür­lich Kevin De Bruyne, Raheem Ster­ling oder Sergio Agüero. Sie lie­ferten die Vor­lagen, sie erzielten die Tore, sie waren die Gesichter des Erfolgs.

Gün­dogan hatte damit kein Pro­blem. Du kannst nicht ein­fach eine Mann­schaft mit elf Spie­lern auf­bauen, die den glei­chen Fuß­ball spielen, die glei­chen Cha­rak­tere und Spieler sind. Die erfolg­reichsten Teams der Geschichte waren so erfolg­reich, weil sie ver­schie­dene Spieler hatten, die in einer Har­monie spielten“, erklärte Gün­dogan auf den eigenen Kanälen. Er ist einer der selbst­lo­sesten Spieler, die ich je hatte“, fügte sein Trainer an.