Habt Ihr schon einen Ein­druck von Wolfs­burg?“, fragt Nicklas Bendtner beim Foto­shoo­ting, in Leder­slip­pern, Leder­hand­schuhen, Jackett mit Ein­steck­tuch, beiger Hose und Son­nen­brille im Nebel dieses nie­der­säch­si­schen Novem­ber­vor­mit­tags ste­hend, als wäre er beim Pfer­de­rennen in Ascot. Och“, so die etwas ver­druckste Ant­wort der wie so oft auf den letzen Drü­cker ange­reisten 11FREUNDE-Typen. Wir sind direkt mit dem Taxi vom Bahnhof hierher gekommen.“ Da lacht er: Na, dann habt ihr ja alles gesehen!“

Ein Satz, der die asym­me­tri­sche Kon­stel­la­tion zwi­schen Nicklas Bendtner und dem VfL Wolfs­burg andeutet: Ein Jet­setter in der Pro­vinz, ein Nar­ziss im Land der Funk­ti­ons­ja­cken­träger. Meine beste Zeit beginnt jetzt“, rief er noch, als er im Sommer 2014 hier auf­schlug. Sie hat noch nicht begonnen“, wird er später im Inter­view ziem­lich grimmig kon­sta­tieren. Sein Trainer Dieter Hecking glaubte wohl, ihn irgendwie inte­grieren zu können in seine Gemein­schaft der braven Cali­guris, stand ihm aber zuweilen so ratlos gegen­über wie ein Fami­li­en­vater einem däni­schen Aus­tausch­schüler, der nicht beim Abwasch helfen will.

Der Tiger kämpft bis zum Schluss!“

Da posiert er nun für den 11FREUNDE-Foto­grafen, der Mann, den sie Lord“ nennen, und lacht über alles um sich herum: den Nebel, den Mit­tel­land­kanal, die Stadt, die nicht Ascot ist. Könnte es sein, dass Nicklas Bendtner zu groß ist für Wolfs­burg? Oder ist Wolfs­burg zu klein für ihn?

Es hat lange gedauert, diesen Inter­view­termin zu bekommen. Bendtner spricht nur noch selten mit Jour­na­listen, weil er glaubt, sie hätten sein Image über­zeichnet und seien schuld daran, dass er jetzt dasteht wie ein Zlatan-Ibra­hi­movic-Imi­tator aus dem däni­schen Pri­vat­fern­sehen. Er über­nimmt seine Öffent­lich­keits­ar­beit lieber selbst, indem er etwa, nachdem er von Klaus Allofs wegen eines ver­säumten Auto­gramm­ter­mins gerüf­felt worden war, auf Insta­gram ver­lauten ließ: Der Tiger kämpft bis zum Schluss!“. Aus der Mann­schaft ver­bannen konnte die sport­liche Lei­tung ihn da schon nicht mehr: Er hatte seinen Stamm­platz ja längst auf der Bank.

Er ver­traue 11FREUNDE, sagt Nicklas Bendtner, des­halb kam nach langem Warten dann doch die Zusage für diesen Novem­ber­vor­mittag: eine Stunde Inter­view mit dem Tiger.