Seite 2: Es droht noch viel Schlimmeres

Auch Trainer David Wagner wirkt zuneh­mend ratlos. Als Ursache für die aktu­elle Misere hat er vor allem die Psyche“ seiner Schütz­linge aus­ge­macht. Seine Spieler seien ver­krampft“. Es gehe nun darum die Jungs zu unter­stützen, dass sie wieder mit mehr Selbst­ver­trauen spielen.“ Als würden sich die Spieler wieder schlaf­wand­le­risch sicher in die geg­ne­ri­schen Sech­zehner kom­bi­nieren, wenn sie denn nur wieder an sich glaubten.

Auch Jochen Schnei­ders Hin­weise auf das Ver­let­zungs­pech, das das Team nach der Win­ter­pause heim­suchte, erwe­cken den Ein­druck, als sei die sport­liche Füh­rung vor allem um eine Ver­harm­lo­sung der aktu­ellen Situa­tion bemüht. Dabei gibt ihnen die Tabelle sogar recht: Noch immer sind es nur zwei Punkte Rück­stand auf Platz sechs, auch ernst­hafte Abstiegs­sorgen sind bei 37 Punkten nicht ange­bracht.

Solange ich auf Schalke bin, bleibt Schalke ein ein­ge­tra­gener Verein. Das ist eine feste Zusage“

Clemens Tönnies auf der Mitgliederversammlung 2015

Doch fernab der ergeb­nis­tech­ni­schen“ Pro­bleme drohen die Schalker auch ihr selbst­ge­stecktes Sai­son­ziel zu ver­passen. Explizit hatten sie keinen Tabel­len­platz als sol­ches aus­ge­geben, son­dern die Ver­bes­se­rung des eigenen Spiels. Doch davon sind sie mit ihren unin­spi­rierten Auf­tritten, mit ihren kläg­li­chen Offen­siv­be­mü­hungen, mit ihrem ehe­ma­ligen Malo­cher­helden Guido Burg­staller, der nur noch als trau­rige Gestalt auf der Bank sitzt, mit den seltsam lei­den­schafts­losen Auf­tritten seit der Win­ter­pause aktuell weit ent­fernt. 

Dabei wün­schen sich die Schalker Fans seit Jahren nichts sehn­li­cher als ein Team auf dem Platz, mit dem sie sich iden­ti­fi­zieren können. Und immer dann, wenn eine Mann­schaft im Begriff ist, die Herzen der Fans zu erobern, schafft sie es in Rekord­zeit, dieses Ansehen wieder ein­zu­reißen. So war es unter Dome­nico Tedesco, als auf die selige Vize­meis­ter­saison eine grau­en­hafte Spiel­zeit mit Abstiegs­sorgen folgte. Und so ist es auch aktuell unter David Wagner.

Kom­plet­tiert wird das wack­lige Bild, das die Schalker der­zeit nach außen abgeben, von den Füh­rungs­köpfen Cle­mens Tön­nies, Peter Peters und Alex­ander Jobst. Deut­lich wie noch nie zuvor hatte der Auf­sichts­rats­vor­sit­zende Tön­nies nach dem Revier­derby eine Aus­glie­de­rung der Pro­fi­ab­teil­lung ins Spiel gebracht. Dabei hatte er noch auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung 2015 ver­spro­chen: Solange ich auf Schalke bin, bleibt Schalke ein ein­ge­tra­gener Verein. Das ist eine feste Zusage.“

Ein Eier­tanz

Vor diesem Hin­ter­grund wirken auch die Beteue­rungen der Ver­ant­wort­li­chen, die aktu­ellen Dis­kus­sionen um eine Aus­glie­de­rung hätten nichts mit der Corona-Krise zu tun, wenig glaub­würdig. Stets bekräf­tigen sie, es gehe darum, wie Schalke 04 auch mittel- und lang­fristig kon­kur­renz­fähig bleiben könne. Die Füh­rungs­kräfte wissen, dass das Thema auf Schalke mit seinen tra­di­ti­ons­be­wussten Fans ein äußerst bri­santes ist. Des­halb sind sie äußerst bemüht zu betonen, dass es ja nur Über­le­gungen seien und Dis­kus­sionen, die man nun führen müsse.

Ein vor­sich­tiges Vor­fühlen, ein Eier­tanz. Das Thema hat das Poten­zial, den Verein tief zu spalten. Womög­lich werden sie sich des­halb bald wün­schen, Schalke hätte ledig­lich eine Ergeb­nis­krise.