Diese ver­dammten Ergeb­nisse. 0:3 zuhause gegen den FC Augs­burg. 0:4 im Revier­derby beim BVB. Dazu zwei def­tige 0:5‑Klatschen gegen Bayern und Leipzig vor der Corona-Pause. Seit dem Sieg zum Rück­run­den­auf­takt über Borussia Mön­chen­glad­bach hat der FC Schalke 04 kein Bun­des­li­ga­spiel mehr gewonnen, in neun Spielen nur vier Punkte geholt und zwei Tore geschossen.

Nein, die Ergeb­nisse stimmen der­zeit wirk­lich nicht. Das sehen sie ein auf Schalke. Das Fatale ist: Es scheint die ein­zige Erkenntnis zu sein, zu der die Schalker aktuell in der Lage sind.

Das Schalker Lieb­lings­wort

So stand Daniel Cali­giuri nach der Heim­pleite gegen den FC Augs­burg vor dem Tele­skop-Mikrofon von DAZN und bemühte mal wieder das Schalker Lieb­lins­gwort in dieser bis­lang so ver­korksten Rück­runde. Wir wissen, dass es gerade auch ergeb­nis­tech­nisch bei uns nicht so gut läuft“, sagte der 31-Jäh­rige. Schon zuvor hatten die Schalker Prot­ago­nisten wie­der­holt wahl­weise von einer Ergeb­nis­krise“ oder gar nur von einer Ergeb­nis­delle“ gespro­chen, wenn sie auf den ste­tigen Abwärts­trend seit der Win­ter­pause ange­spro­chen wurden.

Diese Wort­wahl impli­ziert, dass alles eigent­lich gar nicht so schlimm sei. Dass eigent­lich vieles richtig laufe, bis eben auf, nun ja, die Ergeb­nisse. So befand auch Daniel Cali­giuri nach der deut­li­chen Nie­der­lage gegen den FCA, dass seine Mann­schaft nicht klar unter­legen gewesen sei. Dass der Spiel­ver­lauf mit dem frühen Stan­dard-Gegentor unglück­lich gewesen sei. Dass die Leis­tung sogar besser gewesen sei als die gegen Dort­mund.

Schon in der Hin­runde gab es Pro­bleme

Auch Sport­vor­stand Jochen Schneider sprang auf den rhe­to­ri­schen Ergebnis-Zug auf. Bereits in der Halb­zeit­pause des Augs­burg-Spiels sagte er bei DAZN zur aktu­elle Misere: In der Hin­runde hatten wir sicher­lich auch an der ein oder anderen Stelle das not­wen­dige Match­glück, das uns getragen hat. Das hat ein biss­chen gefehlt.“ Damit gab er zumin­dest zu, dass Schalke schon in der Hin­runde längst nicht so über­zeugte, wie es die starke Punk­teaus­beute ver­muten ließe. Häufig war es starken Ein­zel­leis­tungen von Amine Harit oder Suat Serdar zu ver­danken, dass die Schalker den Platz als Sieger ver­ließen.

Doch auch schon damals hatte die Mann­schaft Schwie­rig­keiten, ernst­hafte Tor­ge­fahr aus eigenem Ball­be­sitz zu kre­ieren. Das zeigt auch der Blick auf die Expected-Goals-Sta­tistik: Zur Win­ter­pause hatten die Schalker ganze acht Tore mehr erzielt, als es nach der Qua­lität ihrer Tor­chancen zu erwarten gewesen wäre. Eine höhere Dis­kre­panz gab es nur bei Borussia Dort­mund.

Gegen Augs­burg wurden die Harm- und Plan­lo­sig­keit des Schalker Offen­siv­spiels beson­ders deut­lich: Trotz 74 Pro­zent Ball­be­sitz sprang in 90 Minuten gerade eine nen­nens­werte Toch­ance heraus. Hinzu kamen indi­vi­du­elle Fehler, mit denen die Schalker ihre Gegner der­zeit zu eigenen Tref­fern regel­recht ein­laden.

Auch Trainer David Wagner wirkt zuneh­mend ratlos. Als Ursache für die aktu­elle Misere hat er vor allem die Psyche“ seiner Schütz­linge aus­ge­macht. Seine Spieler seien ver­krampft“. Es gehe nun darum die Jungs zu unter­stützen, dass sie wieder mit mehr Selbst­ver­trauen spielen.“ Als würden sich die Spieler wieder schlaf­wand­le­risch sicher in die geg­ne­ri­schen Sech­zehner kom­bi­nieren, wenn sie denn nur wieder an sich glaubten.

Auch Jochen Schnei­ders Hin­weise auf das Ver­let­zungs­pech, das das Team nach der Win­ter­pause heim­suchte, erwe­cken den Ein­druck, als sei die sport­liche Füh­rung vor allem um eine Ver­harm­lo­sung der aktu­ellen Situa­tion bemüht. Dabei gibt ihnen die Tabelle sogar recht: Noch immer sind es nur zwei Punkte Rück­stand auf Platz sechs, auch ernst­hafte Abstiegs­sorgen sind bei 37 Punkten nicht ange­bracht.

Solange ich auf Schalke bin, bleibt Schalke ein ein­ge­tra­gener Verein. Das ist eine feste Zusage“

Clemens Tönnies auf der Mitgliederversammlung 2015

Doch fernab der ergeb­nis­tech­ni­schen“ Pro­bleme drohen die Schalker auch ihr selbst­ge­stecktes Sai­son­ziel zu ver­passen. Explizit hatten sie keinen Tabel­len­platz als sol­ches aus­ge­geben, son­dern die Ver­bes­se­rung des eigenen Spiels. Doch davon sind sie mit ihren unin­spi­rierten Auf­tritten, mit ihren kläg­li­chen Offen­siv­be­mü­hungen, mit ihrem ehe­ma­ligen Malo­cher­helden Guido Burg­staller, der nur noch als trau­rige Gestalt auf der Bank sitzt, mit den seltsam lei­den­schafts­losen Auf­tritten seit der Win­ter­pause aktuell weit ent­fernt. 

Dabei wün­schen sich die Schalker Fans seit Jahren nichts sehn­li­cher als ein Team auf dem Platz, mit dem sie sich iden­ti­fi­zieren können. Und immer dann, wenn eine Mann­schaft im Begriff ist, die Herzen der Fans zu erobern, schafft sie es in Rekord­zeit, dieses Ansehen wieder ein­zu­reißen. So war es unter Dome­nico Tedesco, als auf die selige Vize­meis­ter­saison eine grau­en­hafte Spiel­zeit mit Abstiegs­sorgen folgte. Und so ist es auch aktuell unter David Wagner.

Kom­plet­tiert wird das wack­lige Bild, das die Schalker der­zeit nach außen abgeben, von den Füh­rungs­köpfen Cle­mens Tön­nies, Peter Peters und Alex­ander Jobst. Deut­lich wie noch nie zuvor hatte der Auf­sichts­rats­vor­sit­zende Tön­nies nach dem Revier­derby eine Aus­glie­de­rung der Pro­fi­ab­teil­lung ins Spiel gebracht. Dabei hatte er noch auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung 2015 ver­spro­chen: Solange ich auf Schalke bin, bleibt Schalke ein ein­ge­tra­gener Verein. Das ist eine feste Zusage.“

Ein Eier­tanz

Vor diesem Hin­ter­grund wirken auch die Beteue­rungen der Ver­ant­wort­li­chen, die aktu­ellen Dis­kus­sionen um eine Aus­glie­de­rung hätten nichts mit der Corona-Krise zu tun, wenig glaub­würdig. Stets bekräf­tigen sie, es gehe darum, wie Schalke 04 auch mittel- und lang­fristig kon­kur­renz­fähig bleiben könne. Die Füh­rungs­kräfte wissen, dass das Thema auf Schalke mit seinen tra­di­ti­ons­be­wussten Fans ein äußerst bri­santes ist. Des­halb sind sie äußerst bemüht zu betonen, dass es ja nur Über­le­gungen seien und Dis­kus­sionen, die man nun führen müsse.

Ein vor­sich­tiges Vor­fühlen, ein Eier­tanz. Das Thema hat das Poten­zial, den Verein tief zu spalten. Womög­lich werden sie sich des­halb bald wün­schen, Schalke hätte ledig­lich eine Ergeb­nis­krise.