Wann hat das eigent­lich auf­ge­hört, dass uns richtig unwohl wird, wenn ein Fuß­baller für mehr als 20 Mil­lionen Euro den Verein wech­selt? Dass wir uns im Büro an den Kopf greifen, wenn Real Madrid oder New­castle United mehr Geld für einen Spieler aus­geben, als wir uns vor­stellen können? Dass wir danach ange­ekelt mit unseren Kum­pels beim Fei­er­abend­bier diesen geis­tes­kranken Wahn­sinn bespre­chen und uns auch dabei fragen, warum wir eine Sportart feiern, in der es grö­ßen­wahn­sin­niger zugeht als beim Gold­rausch am Klon­dike River?

257,4 Mil­lionen Euro in einer Som­mer­pause

Jüngst hat Bayern Mün­chen 30 Mil­lionen Euro für Dou­glas Costa aus­ge­geben. Die TSG Hof­fen­heim ver­kaufte Roberto Fir­mino für 41 Mil­lionen Euro an den FC Liver­pool. Das sind zwar immer noch Pea­nuts im Ver­gleich zu jenem abstrusen Sommer 2009, als Real Madrid 257,4 Mil­lionen Euro für Cris­tiano Ronaldo, Kaká, Xabi Alonso und Karim Ben­zema ausgab, aber immer noch eine so große Erd­nuss, dass ein aus­ge­wach­sener Ele­fant daran ersti­cken würde. Wie soll man als durch­schnitt­lich bezahlter Arbeit­nehmer aus dem Mit­tel­stand eine Summe von 30 Mil­lionen Euro fassen können? Und vor allem: wie soll man es sich dann erklären, warum der FC Bayern so viel Geld für einen Bra­si­lianer bezahlt, den wir bis vor wenigen Wochen nur flüchtig kannten?

Die Ant­wort auf beide Fragen lautet: gar nicht. Noch mehr: wir sollten wieder anfangen, uns dar­über auf­zu­regen. Den Fuß­ball, die Ver­eine und die Ver­ant­wort­li­chen zumin­dest wissen lassen, dass diese Summen absurd, lächer­lich und extrem dreist sind. Dass es ein­fach nicht sein kann, dass wir für ein neues Trikot unseres Lieb­lings­ver­eins 80 Euro zahlen müssen, in mit Wer­bung zuge­kleis­terten Sta­dien eine ähn­liche Summe für den Ein­tritt bezahlen, um dann auch noch 15 Euro für Bier- und Brat­wur­st­ähn­liche Dinge zu löhnen, für die man in jedem anstän­digen Kreis­liga-Ver­eins­heim ver­mö­belt werden würde. Dass das Miss­ver­hältnis zwi­schen dem, was eine kom­plette Fuß­ball-Saison den Fan inzwi­schen kostet und den Gehäl­tern der Akteure so gra­vie­rend ist, dass wir uns offenbar aus Unver­ständnis dafür ent­schieden haben, den Irr­sinn zu igno­rieren, zu ertragen oder gar zu akzep­tieren. Motto: So tickt der Markt eben.