Josef Menke, für die Fans beider Lager gilt das Duell zwi­schen Olden­burg und Meppen als das wich­tigste Spiel der Saison. War das Auf­ein­an­der­treffen zwi­schen dem SV Meppen und VfB Olden­burg zu Ihrer Zeit von ähn­li­cher Bri­sanz?
Viel­leicht hat es sich in den ver­gan­genen Jahren noch etwas zuge­spitzt, aber Spiele gegen den VfB sind etwas ganz beson­deres. Zeit­weise konnte ich beide Ter­mine im Jahr als Heim­spiele ansehen, da ich von 1982 bis 1985 in Olden­burg Archi­tektur stu­dierte. Wie in jedem Derby waren die Erwar­tungs­hal­tungen an die Mann­schaft höher. Ich war zum Bei­spiel mit einigen Olden­bur­gern wie Michael Schulz oder Jürgen Prange befreundet. Wir hatten 1987 zusammen den Län­der­pokal für den Nie­der­säch­si­schen Fuß­ball­ver­band gewonnen.

1987 stiegen Sie mit dem SV Meppen in die Zweite Bun­des­liga auf und blieben dort elf Jahre. Der Kicker“ taufte Sie als Fei­er­abend­profis aus dem Ems­land“. Wie konnte Ihre Mann­schaft über­haupt auf­steigen?
Wir sind damals mit einer erwei­terten Ems­land­aus­wahl auf­ge­stiegen. Eine regio­nale Aus­wahl, die sich aus vielen jungen Spie­lern zusam­men­setzte. In den Jahren zuvor hat uns nie­mand Druck gemacht, sodass sich die Mann­schaft in Ruhe ent­wi­ckeln konnte. In unserer Auf­stiegs­saison war ich mit 27 Jahren sogar der zweit­äl­teste Spieler im Kader.

War dieser regio­nale Cha­rakter der Mann­schaft die Waffe des SV Meppen?
Ja, das war unsere beson­dere Eigen­schaft, weil es so etwas zu dieser Zeit schon gar nicht mehr gab. Aber natür­lich ver­stärkte sich auch der SV Meppen vor der ersten Zweit­li­ga­saison mit über­re­gio­nalen Spie­lern. Es kamen der fin­ni­sche Natio­nal­spieler Marko Myyry und der US-Ame­ri­kaner Paul Cali­guiri, der beim Ham­burger SV aus­ge­mus­tert worden war. Aber im Kern bestand diese Mann­schaft aus Ems­län­dern.

Wie wurden die Neu­zu­gänge von den ver­schwo­renen Ems­län­dern auf­ge­nommen?
Wir hatten nie Pro­bleme, denn die Neuen haben auf und neben dem Platz über­zeugt. Gerade Marko Myyry war ein echter Glücks­griff für den SVM und wurde schnell zum Publi­kums­lieb­ling. Er ist bis heute der Region treu geblieben. Wir konnten ihn also auch über­zeugen.

Von den Fans erhielten Sie noch zu Ihrer aktiven Zeit den Titel Mister Meppen“. Ein Rit­ter­schlag?
Natür­lich fühlte ich mich geschmei­chelt, aber irgendwie auch zu sehr in den Vor­der­grund gedrängt. Auch ich war nur ein kleiner Mosa­ik­stein einer her­vor­ra­gend funk­tio­nie­renden Mann­schaft.

Als Ihr Name auf der Feier anläss­lich des 100. Ver­eins­ju­bi­läums im ver­gan­genen Jahr auf­ge­rufen wurde, erhob sich der gesamte Saal für minu­ten­lange Ova­tionen. Der größte Moment Ihres Lebens?
Das war eine wun­der­schöne Feier, die uns noch einmal in die Zweit­liga-Zeit zurück­ver­setzte. Es war schön zu sehen, wie viele Spieler dem Verein auch nach ihrer aktiven Kar­riere treu geblieben sind. Ich habe 18 Jahre, davon vier Sai­sons für die Ama­teure, für Meppen gespielt. Viel­leicht war das der Grund für den langen Applaus.

1994 haben Sie Ihre Kar­riere, auch auf­grund einiger Ver­let­zungen, beendet. Anschlie­ßend haben Sie ein­fach in der Ama­teur-Mann­schaft gespielt. Wieso?
Ich hatte ein­fach Spaß am Fuß­ball. Der SV Meppen hatte es in den Vor­jahren ver­säumt, die Ama­teur-Mann­schaft an den Pro­fi­fuß­ball her­an­zu­führen. Das war eine Auf­gabe, mit der ich mich bis 1998 iden­ti­fi­zieren konnte.

Trotzdem wurden Sie noch einige Male reak­ti­viert.
(lacht) Sie spielen auf die Geschichte in Hom­burg an! Trainer Horst Ehr­mann­traut hatte im April 1995 einen per­so­nellen Eng­pass zu beklagen, wes­halb ich noch einen letzten Ein­satz erhalten sollte. Jedoch als Libero, also eine Posi­tion, die ich zuvor nie gespielt hatte. Im Hotel checkte ich im Namen eines Nach­wuchs­spie­lers ein, damit der Gegner meinen Ein­satz mög­lichst spät erfuhr. Ich hieß Thein. Wir spielten 0:0, Hom­burg war bis zum Anpfiff ahnungslos und ich hatte meinen Dienst erfüllt.

Wel­ches Ihrer Spiele bleibt Ihnen in beson­derer Erin­ne­rung?
Ich glaube, das Jahr­hun­dert­spiel gegen den FC Bar­ce­lona wird kein Anwe­sender je ver­gessen.

Der FC Bar­ce­lona war in Meppen?
Unser Manager Gerd van Zoest hatte ein Test­spiel gegen den FC Bar­ce­lona im Sommer 1982 ver­ein­bart. Deren Trainer Udo Lattek kannte und schätzte den SV Meppen. Wir freuten uns auf Allan Simonsen, Bernd Schuster und Co., doch dann kün­digte sich Diego Mara­dona an. Den hatten die Kata­lanen im Sommer gekauft und nun sollte er sein Europa-Debüt in Meppen geben.

Im Sport­ge­schäft des dama­ligen Außen­ver­tei­di­gers Peter Höfer soll noch heute das Foto eines stau­nenden Josef Menke hängen, der Mara­dona bewun­dert weil er den Ball mit der Hacke jon­gliert.
Ein schönes Sou­venir an ein unver­gess­li­ches Spiel. 18.000 Zuschauer waren im Ems­land­sta­dion, das nur über eine Tri­büne ver­fügte. Die meisten Schau­lus­tigen saßen auf Schüt­zen­fest­bänken, manch Mutiger ist in die Baum­wipfel geklet­tert. Und alle wollten Mara­dona und die beste Ver­eins­mann­schaft der Welt sehen.

Konnten Sie nach dem Spiel sein Trikot ergat­tern?
Das Trikot mit der Nummer Elf liegt in meinem Schrank. Es ist etwas ver­gilbt. Alle wollten das Trikot von Mara­dona, daran war also nicht zu denken. Ich stand neben dem spa­ni­schen Natio­nal­stürmer Fran­cisco Carr­asco und tauschte mit ihm. Das hatte sich so ergeben und unser Zeug­wart Bodo Venske war glück­lich.

Ihr Zeug­wart?
Bodo hatte sich bereits gedacht, dass wir unsere Tri­kots tau­schen wollten. Des­halb legte er vor dem Anpfiff die ver­wa­schenen Leib­chen aus der Vor­saison heraus. Wenn die Spa­nier schon unsere Tri­kots mit­nahmen, sollten sie zumin­dest nicht den neuen Satz erhalten, der für das anste­hende Spiel­jahr gedacht war. Bodo war sparsam und wir liefen in ver­wa­schenen rosa­far­benen Jer­seys auf.

Sprach die Spar­sam­keit des Zeug­warts für den gesamten Verein?
Ver­mut­lich für das ems­län­di­sche Natu­rell. Das große Geld gab es beim SV Meppen nie, doch die Ver­eins­füh­rung führte einen soliden Haus­halt. Ver­träge hätte es in Meppen nie gebraucht, ich konnte mich auch auf den Hand­schlag ver­lassen. Als der SVM 1998 abstieg, musste sich der Vor­stand kri­ti­sieren lassen, weil man in man­chen Augen zu wenig Geld aus­ge­geben hatte und nicht genü­gend Risiko ein­ge­gangen war. Doch keiner hat bedacht, dass der SV Meppen elf Jahre ein Aus­nah­me­zu­stand war. Keiner hat vorher damit gerechnet, dass wir so lange in der Zweiten Liga bleiben würden.

Der SV Meppen wurde zwi­schen 1987 und 1998 zum Symbol der zweiten Liga. Toni Schu­ma­cher wei­gerte sich gar ins Ems­land zu reisen. Kränkte sie das?
Anfangs haben wir uns die Sprüche wie Gum­mi­stie­fel­fuß­baller“ oder Nie wieder Meppen“ schon sehr zu Herzen genommen. Aber anschlie­ßend haben wir uns den Respekt erkämpft.

Josef Menke, seit Ihrer aktiven Zeit hat sich beim SV Meppen viel ver­än­dert: Zahl­reiche Abstiege bis in die Ober­liga, der Auf­stieg in die Regio­nal­liga 2011 sowie der Aufbau eines modernen
Jugend­leis­tungs­zen­trums. Wie bewerten Sie die Ver­än­de­rungen?
Die För­de­rung der Jugend kann ich nur gut­heißen. Ich würde mir aller­dings wün­schen, dass die jungen Spieler auch ihre Chancen in den Her­ren­mann­schaften erhalten. Per­so­nell wurde in diesem Jahr noch einmal umstruk­tu­riert. Anschei­nend mit Erfolg. Max Kremer und Martin Wagner haben bei mir einen posi­tiven Ein­druck hin­ter­lassen. Trotzdem könnte man viel­leicht häu­figer auf die eigenen Leute setzen.

Eine Ems­land­aus­wahl, wie in alten Tagen, ist also wieder mög­lich?
Ich würde es nicht Ems­land­aus­wahl nennen, aber die Region hat das Poten­tial eine gute Rolle in der Regio­nal­liga zu spielen. Und die Fans sehnen sich eben doch nach den alten Zeiten in der Zweiten Liga.