Aus­wärts­fahrten sind schön. Mit seinen Kum­pels sechs Stunden im Bus von Stutt­gart nach Dort­mund. Samstag früh um sieben Uhr. Das Zischen der ersten Dose Bier. Ein wun­der­schönes Geräusch. Höhe Darm­stadt zischt es bereits zum vierten Mal. Min­des­tens alle 100 Kilo­meter muss ange­halten werden, da die Bus­toi­lette längst nicht mehr betretbar ist. In Dort­mund ange­kommen, kann man die Anzahl der bereits geleerten Dosen nur noch erahnen.

Der Groß­teil schafft es irgendwie trotzdem ins Sta­dion, keiner weiß genau wie. Der andere Teil schafft es nicht, jeder weiß wie. 90 Minuten stehen, hüpfen, lachen, leiden und sich über den Schieds­richter ärgern. Alles gemeinsam, denn Aus­wärts­fahrten sind schön, vor allem gerade weil man alles zusammen erlebt und die Momente teilen kann. Eine Aus­wärts­fahrt lebt von der Gemein­schaft, von Men­schen die zusammen eine Reise auf sich nehmen, um Spaß zu haben und vor allem um den Verein zu unter­stützen, den sie alle lieben. Egal wann, egal wo.

Was ein echter Ultra nun mal macht

Die längste Strecke die Fans in der Bun­des­liga zurück­legen müssen, liegt bekann­ter­maßen zwi­schen Frei­burg und Berlin. Einmal quer durch Deutsch­land, knapp 800 Kilo­meter. Hin- und Rück­fahrt also 1600 Kilo­meter. Da kann man nur hoffen, das Spiel findet weder an einem Freitag‑, noch an einem Sonntag- oder Montag-Abend statt.

Fuß­ball­fans, die ihren Verein lieben und ihm überall hin folgen, die gibt es auf der ganzen Welt. Doch was machst du wenn du in einem der unge­wöhn­lichsten Länder der Welt lebst? Wenn dein Land ganze 4300 Kilo­meter lang und ledig­lich 200 Kilo­meter breit ist? Du machst das, was ein echter Ultra nun mal macht, du fährst aus­wärts. 

90 Minuten lang, alleine

So kam es, dass ein chi­le­ni­scher Fan des Zweit­li­gisten CD Puerto Montt, mit Hin- und Rück­fahrt, 3000 Kilo­meter und ca. 31 Stunden im Auto ver­bachte, um den 2:1 Aus­wärts­er­folg bei Coquimbo Unido feiern zu dürfen. Zuerst fuhr er davon 1.485 Kilo­meter auf der Ruta 5“ Rich­tung Norden und nach dem Spiel die selbe Strecke wieder in den Süden. Immer auf der einen Straße, gera­deaus, mit dem Gedanken, nicht ein Spiel des Lieb­lings­clubs ver­passen zu dürfen. Im Estadio Fran­cisco Sán­chez Rumo­roso“ hat er einen von 18.750 Plätzen.

Das Sta­dion ist nicht son­der­lich gefüllt, trotzdem steht er hinter dem Tor auf den schwarz-gelben Rängen, die Farben seines Clubs sind grün-weiß. Nur die rote Tar­tan­bahn trennt ihn und das Spiel­feld. Er trägt ein Trikot und einen Schal, eine kleine Fahne hat er dabei. Er hüpft, singt spa­ni­sche Fan­ge­sänge und peitscht sein Team nach vorne – 90 Minuten lang, alleine.

Gerührt von der bedin­gungs­losen Unter­stüt­zung dieses Fans, wid­mete die Mann­schaft ihm den Sieg. Er begeis­tert damit nicht nur seinen Her­zens­verein son­dern viele Fuß­ball­fans auf der Welt. Auch wenn er ganz alleine unter­wegs war, 90 Minuten gesungen, gehüpft und sich geär­gert hat, steht er hinter seiner Mann­schaft und sie hinter ihm – You’ll never walk alone.