Seite 2: Xavi, Iniesta, Silva

Dass David Silva trotzdem nie die Schlag­zeilen bestimmt hat, mag zum einen daran liegen, dass er stets umgeben war von vor allem abseits des Platzes auf­fäl­li­geren Spie­lern. Bei Man­chester City gab es Mario Balo­telli, Yaya Toure oder Sergio Aguero. Der eine warf Dart­pfeile, der andere drohte öffent­lich damit, den Verein zu ver­lassen, weil der ihm keine Torte zum Geburtstag geschenkt hatte, letz­terer ist immerhin der Schwie­ger­sohn von Diego Mara­dona. Dann wäre da noch der viel­leicht mar­kan­teste Trainer der Welt, Pep Guar­diola. Und in Deutsch­land schauten und schauen wir zudem vor allem auf die deut­schen Spieler oder die mit Bun­des­li­ga­ver­gan­gen­heit, Leroy Sané, Ilkay Gün­dogan, Kevin de Bruyne. 

In der spa­ni­schen Natio­nal­mann­schaft dagegen war sein Pro­blem, wenn man es denn Pro­blem nennen möchte, dass er zwar meist spielte wie ein junger Gott, er aber nun mal umgeben war von etwas älteren Göt­tern, die einer­seits sehr ähn­liche Qua­li­täten besaßen und die sich ande­rer­seits bereits einen Namen gemacht hatten. Aber wer neben einem Xavi oder einem Andres Iniesta nicht nur nicht negativ auf­fällt, son­dern sogar immer wieder Spiele ent­scheidet wie Silva bei­spiels­weise das EM-Finale 2012, den sollte man auch in einem Atemzug mit genau diesen Spie­lern erwähnen.

Er hat bewiesen, dass du auch als Top-Spieler weder arro­gant noch ich­be­zogen sein musst“

Micah Richards über David Silva

Silva selber war sein eigenes Image nie wichtig. Seine Posts in den Sozialen Medien über­setzt er in der Regel nicht mal ins Eng­li­sche, selbst als Kapitän von Man­chester City gab er kaum Inter­views. In Deutsch­land hätte man ihm nach einer eher durch­schnitt­li­chen Saison wie der ver­gan­genen des­wegen wahr­schein­lich eine miese Ein­stel­lung vor­ge­worfen. Feh­lenden Willen. Duck­mäu­sertum. Sein ehe­ma­liger Team­kol­lege Micah Richards sagt im Gespräch mit Simon Hat­ten­stone: Er mag es nicht, im Mit­tel­punkt zu stehen. Ich glaube, er kann mit Kom­pli­menten nicht gut umgehen. Wenn ein Mit­spieler ihm sagte, dass er groß­artig gespielt hätte, zuckte er nur mit den Ach­seln, hob die Hände, senkte den Kopf, sagte Kein Pro­blem‘ und ging dann weg.“ Silva, das unter­scheidet ihn von manch anderem Spieler seines Kali­bers, ist bescheiden. Richards: Er hat bewiesen, dass du auch als Top-Spieler weder arro­gant noch ich­be­zogen sein musst. Du kannst ein­fach ein netter Kerl sein.“

Wo geht die Reise hin?

Ein netter Kerl. Ein zurück­hal­tender Typ. Ein Zau­berer. Im Juli hat er sein letztes Pre­mier-League-Spiel bestritten. Leise ist der abge­treten, ohne Zuschauer, unauf­fällig und ohne viel Tamtam. Im August ist er dann noch ein letztes Mal daran geschei­tert, mit Pep und all den anderen Stars die Cham­pions League zu gewinnen. Danach ging es für ihn nicht nach China oder in die Emi­rate, son­dern zurück nach Spa­nien, zu Real Sociedad San Sebas­tian. Wo er die Mann­schaft auf ein neues Niveau hob. Mit ihm gewann die enorm talen­tierte Truppe zwi­schen­zeit­lich sechs Spiele am Stück und eroberte Ende November die Tabel­len­füh­rung. Danach ver­letzte er sich, von den sechs Spielen, die seine Team­kol­legen ohne ihn aus­kommen mussten, gewannen sie nur ein ein­ziges. Fest steht: Silva ist sport­lich noch nicht fertig. Und viel­leicht fliegen ihm ja zum Ende der Kar­riere sogar doch noch welt­weit die Herzen zu. Jetzt, wo er nicht mehr für einen Verein spielt, der in den ver­gan­genen Jahren neben allen Erfolgen vor allem auch mit Ver­stößen gegen das Finan­cial Fair­Play und mit den Sports­wa­shing-Bemü­hungen der Besitzer aus Abu Dhabi in Erschei­nung getreten ist. Dem Fuß­baller David Silva wäre es zu gönnen. Auch wenn er wahr­schein­lich nicht wüsste, wie er mit all dem Lob umgehen soll.

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