Rück­blick
Der Abgang des schönen Brunos war so gar nicht häss­lich. 8:1‑Kantersieg gegen den FC Augs­burg, dadurch ein sechster Platz, Euro­pa­pokal und somit trotz ent­schei­dender Dif­fe­renzen mit Manager Jörg Schmadtke im Guten gegangen. Nach dem sau­bersten Schnitt seit der Meis­ter­frisur von Kevin Groß­kreutz 2011 werden sich der VfL Wolfs­burg und Bruno Lab­badia gerne anein­ander erin­nern. Neu­trainer Oliver Glasner kann sich nun ins gemachte Nest aus ein­ge­spieltem Team und inter­na­tio­nalem Fuß­ball setzen.

Trans­fers
Man kennt sich. Außen­stürmer Joao Victor und Links­ver­tei­diger Paulo Otávio spielten unter Glasner eine gemein­same Saison beim Linzer ASK und auch Mit­tel­feld­motor Xaver Schlager von RB Salz­burg kommt aus Öster­reich, kennt den Fuß­ball des neuen Wolfs­burger Übungs­lei­ters also eben­falls. Zusätz­lich holte man in Kevin Mbabu aus Basel eine echte Ver­stär­kung auf Rechts­außen und mit Lukas Nmecha von Man­chester City eins der hei­ßesten Eisen im Feuer des deut­schen Nach­wuchs­fuß­balls. Diese mit bedacht gewählten Zugänge muss Glasner nur noch in ein schon gut funk­tio­nie­rendes Team inte­grieren. Schließ­lich konnten bisher alle Stamm­spieler gehalten werden. Die qua­li­tativ hoch­wer­tigen Neu­zu­gänge bedeuten des­halb, dass man auch quan­ti­tativ für eine Saison mit Dop­pel­be­las­tung gerüstet ist.

Boss-Level
Ein viel­ver­spre­chendes Team bekommt einen viel­ver­spre­chenden Trainer. Nachdem Oliver Glasner mit dem LASK 2017 als Zweit­li­ga­meister auf­stieg, brachte er die Linzer in der Fol­ge­saison gleich in die Europa-League-Qua­li­fi­ka­tion und stellte einen neuen LASK-Punk­te­schnitt­re­kord auf. In Wolfs­burg ver­sucht Glasner den Spie­lern seinen erfolg­rei­chen Fuß­ball, der auf blitz­schnelles Umschalten baut, durch stän­digen Dialog näher­zu­bringen. Im Trai­ning ist es wie in der Schule. Der Trainer fragt uns immer, ob wir wissen, warum wir etwas machen. Seine häu­figste Frage ist: Ver­steht ihr das?‘ Dann ist es wie früher, als wir Kinder waren: Keiner will etwas Fal­sches sagen, also schauen wir lieber auf den Boden und sagen nichts.“ So beschrieb Kapitän Joshua Gui­la­vogui die Übungen unter dem neuen Trainer gegen­über der Sport­bild“. Auch wenn es bisher beim Monolog bleibt, setzen die Schüler den Plan gut um. In den Test­spielen blieben die Wölfe unge­schlagen und zeigten, dass Glas­ners Fuß­ball nicht nur erfolg­reich, son­dern auch offensiv ist. Vor allem das 8:1 im letzten Test gegen Nizza machte Lust auf mehr.

Letzte Hoff­nung der stets nach dem Haar in der Suppe suchenden 11FREUNDE-Redak­tion: Viel­leicht ist Glasner wenigs­tens unsym­pa­thisch. Doch leider scheint der Öster­rei­cher ein guter Typ zu sein. Um ras­sis­tisch pöbelnde Zuschauer zurecht­zu­weisen, lässt er sich auch schonmal auf die Tri­büne schi­cken. Ekel­haft.

Umfeld
Die Chemie stimmte nicht. Schmadkte und Lab­badia konnten sich nicht rie­chen, machten das aber nicht zum Pro­blem. Weil man sich statt­dessen pro­fes­sio­nell ver­hielt und die Saison erfolg­reich zu Ende brachte, blieb es in der Auto­stadt eini­ger­maßen ruhig. Nun hat Schmadtke den Trainer, mit dem es wohl auch per­sön­lich passt. Die Neben­ge­räu­sche, die wir am Pro­fi­fuß­ball so lieben, sind in Wolfs­burg also fürs Erste auf stumm geschaltet. Alles sieht nach eitel Son­nen­schein aus. Lang­weilig.

Trikot
Wenigs­tens das Trikot ist häss­lich. Das an eine Spiel­kon­so­len­wer­bung erin­nernde Heim­trikot ist genau wie die him­mel­blaue Hölle von Aus­wärts­dress kein schöner Anblick. Über das ansonsten fast schon unan­ge­nehm gute Bild, das der VfL im Moment abgibt, tröstet das aller­dings nicht hinweg.

11FREUNDE-Pro­gnose
In Wolfs­burg wird im Moment viel zu viel richtig gemacht. Das 11FREUNDE-Orakel sagt: Viele tolle Umschalt­mo­mente und min­des­tens Cham­pions League. Genau des­halb kommt wahr­schein­lich nach der Hin­runde der Ein­bruch und schließ­lich ein guter alter Feu­er­wehr­mann à la Peter Neururer.