Seite 2: Nimmermüde Kämpfe

3. Stan­dards: Des einen Stärke, des anderen Schwäche

Die Stan­dards sind die große Stärke von Union Berlin – und zugleich die große Schwäche des BVB. Vier Tore hat Union in dieser Saison erzielt, zwei davon nach ruhenden Bällen, dar­unter auch das wich­tige 1:0 gegen den BVB. Der BVB wie­derum hat fünf Gegen­tore kas­siert, drei davon nach ruhenden Bällen. 

Union nutzte geschickt die lücken­hafte Raum­de­ckung der Dort­munder aus. Immer wieder besetzten die Dort­munder die Räume im eigenen Straf­raum ungleich­mäßig. Union pro­vo­zierte geschickt Frei­räume, indem Angreifer ihre Kol­legen frei­blockten. Die Ber­liner erar­bei­teten gleich eine Hand­voll Chancen nach ruhenden Bällen.

4. Dort­mund fehlt Tiefe und Straf­raum­prä­senz

Schon in der ersten Halb­zeit lie­ferte Union eine beherzte Abwehr­schlacht. Ver­schieben, her­aus­rü­cken, im Mit­tel­feld die Zwei­kämpfe annehmen, schnell kon­tern und Stan­dards her­aus­holen: So sah der Match­plan der Ber­liner aus. Es war kein tak­ti­sches Meis­ter­stück, aller­dings füllten die Spieler den Plan mit Lei­den­schaft und Kon­zen­tra­tion aus.

Aller­dings pro­fi­tierte Union auch von einem schwa­chen BVB. Die Dort­munder spielten sich im eigenen Aufbau fest, ohne schnell und kon­se­quent den Weg nach vorne zu suchen. Dem BVB fehlte nicht nur Tiefe im eigenen Spiel, son­dern auch Prä­senz im geg­ne­ri­schen Straf­raum. So lan­deten die Her­ein­gaben meist im Nichts. So gut Union auch ver­tei­digt hat: Borussia Dort­mund hat die Köpe­ni­cker an diesem Abend nicht so gefor­dert, wie man es von einem Meis­ter­schafts­kan­di­daten erwarten würde. Das ist für den BVB eine schlechte Nach­richt, denn so wie Union wird noch man­ches Team gegen den Favo­riten aus Dort­mund ver­tei­digen.

5. Union wird nicht müde

Der lahme Auf­tritt des BVB lässt sich viel­leicht auch mit dem Hin­ter­grund des 3:1‑Siegs gegen Köln erklären. Auch gegen Köln tat sich der BVB lange schwer mit einem 4 – 4‑2/4 – 3‑3-Hybrid. Erst als Lucien Favre in der finalen halben Stunde auf ein 4−3−3 umstellte, konnten seine Mann­schaft den 0:1‑Rückstand drehen.

Auch gegen Union ver­suchte es Favre mit dieser Umstel­lung. Doch diesmal ging die Idee nicht auf. Das lag maß­geb­lich an Unions kom­pakter Ver­tei­di­gung, die sich gegen Dort­munds offen­si­veres Kon­strukt kon­se­quenter im 4−4−2 in die eigene Hälfte zurück­zogen. 

Anders als Köln brach Union in den letzten Minuten kräf­te­mäßig nicht ein. Im Gegen­teil: Sie hielten das Tempo bis zum Schluss­pfiff hoch. Dort­munds Spieler hatten wohl damit gerechnet, dass sie das Spiel irgendwie drehen können – wie gegen Köln. Doch das eigene Publikum im Rücken trug Union zum ersten Bun­des­liga-Sieg. Das sind drei uner­war­tete, aber nicht minder wich­tige Punkte im Kampf um den Klas­sen­er­halt.