Who’s that fucking Dieter Eilts?“ Nach dem ersten deut­schen Vor­run­den­spiel der EM 1996 in Man­chester kannten die bri­ti­schen Reporter nur eine Frage. Eilts hatte beim 2:0 gegen Tsche­chien im defen­siven Mit­tel­feld alles humorlos abge­räumt, was ihm über den Weg gelaufen war. Man macht zwar Witze über Ost­friesen, sie selber machen aber keine. Und erst recht keine Kom­pro­misse.

Spä­tes­tens nach dem Halb­fi­nal­sieg gegen Gast­geber Eng­land und einer über­ra­genden Defen­siv­leis­tung des Bremer Abräu­mers fragte sich keiner mehr, wer denn dieser Dieter Eilts sei. Nach dem Titel­ge­winn war Eisen­dieter“ in aller Munde, wurde in die Mann­schaft des Tur­niers gewählt und ließ sich vom Mann­schafts­koch beim fei­er­li­chen Ban­kett einen Ham­burger braten – als Anti­pasto. Die eng­li­sche Presse taufte ihn Lord Eilts“, Bun­des­prä­si­dent Roman Herzog ver­lieh ihm das sil­berne Lor­beer­blatt und über­haupt war Eilts ver­mut­lich auf dem Höhe­punkt seiner Kar­riere ange­kommen.

Machen statt quat­schen

Neben der Euro­pa­meis­ter­schaft gewann Eilts, der seine gesamte Pro­fi­kar­riere bei Werder Bremen ver­brachte, auch zwei Mal die Bun­des­liga, drei Mal den DFB-Pokal und 1992 auch noch den Euro­pa­pokal der Pokal­sieger. Über zehn Jahre lang war er der Fix­punkt im Werder-Mit­tel­feld, steckte Diego Mara­dona genau wie Youri Djor­kaeff in die Tasche und lehrte Torsten Frings die Kunst des stoi­schen Aus­put­zers.

Von seinem ersten Profi-Ver­trag 1987 bis zum letzten Bun­des­li­ga­spiel am 18. August 2001 stand Eilts für zuver­läs­sige, ehr­liche Mit­tel­feld­ar­beit, als Reprä­sen­tant seiner Heimat, wo man sich von mor­gens bis abends mit Moin“ begrüßt. Oder ein­fach gar nichts sagt und lieber macht. In 390 Bun­des­li­ga­spielen spielte er die Neben­rolle, war kein Super­star, aber ebenso wenig Sta­tist. Einer von der Sorte, die nicht im Ram­pen­licht stehen, aber ohne die das Dreh­buch ansatzlos in sich zusam­men­fällt. In Bremen ver­lieh man ihm dafür die Ehren­spiel­füh­rer­würde. Otto Reh­hagel machte ihn zum Ost­friesen-Alemao“, der SV Werder direkt nach dem Kar­rie­re­ende zum U19-Trainer. Und heute?

Eilts blieb nur für die eine Saison 2002/2003 Trainer in Bremen. Dann wech­selte er zum DFB, wo er eben­falls die U19 über­nahm. Nur ein Jahr später wurde sein ehe­ma­liger DFB- und Euro­pa­meister-Kol­lege Jürgen Klins­mann Natio­nal­trainer und Eilts auf dessen aus­drück­li­chen Wunsch zur U21 beför­dert. Die trai­nierte er bis November 2008. Dann musste er wegen Dif­fe­renzen in den Ansichten zu Spiel­phi­lo­so­phie und Arbeits­weise mit Jogi Löw und Mat­thias Sammer seinen Posten räumen.

Lange arbeitslos blieb Eilts aller­dings nicht: Einen Tag später unter­schrieb er als neuer Chef­trainer bei Hansa Ros­tock. An der Ostsee blieb der Ost­friese jedoch nur wenige Monate. Nach einer Aus­wärts­nie­der­lage auf St. Pauli wurde Eisen­dieter“ schon im März 2009 wieder ent­lassen. Im Januar 2011 über­nahm Eilts dann als Jugend­ko­or­di­nator in Olden­burg, bevor er 2012 zum SV Werder zurück­kehrte, wo ihm die Lei­tung der ver­eins­ei­genen Fuß­ball­schule über­tragen wurde.

Nach Ros­tock habe er gemerkt, was ich nicht mehr will, und das war der Profi-Bereich“, sagte Eilts damals. Ich habe keine Lust mehr auf den per­ma­nenten Druck, dem man unter­zogen wird.“ In der Fuß­ball­schule sollte dem­entspre­chend der Spaß und nicht der Leis­tungs­druck im Vor­der­grund stehen. Eilts Gegner auf dem Feld hatten in aller Regel wenig zu lachen. Die Kinder in den Werder-Fuß­ball­camps dafür umso mehr.

Haus­auf­gaben statt Inter­vall­trai­ning

Ich wusste schon wäh­rend meiner Kar­riere immer, dass ich im Nach­wuchs­be­reich arbeiten werde“, sagte Eilts 2012 im 11FREUNDE-Inter­view. Ich bin dann auch in die andere Schiene geraten. Aber es war nicht das, was ich wirk­lich wollte.“ Das war kurz nach seinem erneuten Enga­ge­ment in Bremen, dass im Sommer 2018 auf seinen eigenen Wunsch hin endete. Seitdem küm­mert sich Eilts neben einer Tätig­keit in der Redak­tion des Werder-New­s­por­tals Mein Werder um die etwas andere Nach­wuchs­ar­beit.

Im ver­gan­genen August star­tete er seinen neuen Job an der Freien Evan­ge­li­schen Bekennt­nis­schule in Bremen. Wo seine Frau als Leh­rerin arbeitet, hat Eilts in Teil­zeit bei der Nach­mit­tags­be­treuung ange­fangen, macht mit den Kin­dern Haus­auf­gaben, spielt Spiele, bas­telt und singt. Das In-der-Öffent­lich­keit-Stehen hat mir noch nie Spaß gemacht“, sagte er buten un binnen. Des­halb, so würden auch seine alten Kol­legen sagen, sei sein jet­ziger Job genau der rich­tige. 

Den Fuß­ball hat Eilts wei­test­ge­hend abge­hakt. Wahr­schein­lich auch, weil dort heut­zu­tage jedes kleinste Detail öffent­lich dis­ku­tiert wird und ehr­liche Arbeit weniger zählt als große Worte. Mit einem guten Gefühl fahre er jetzt nach Hause, wenn bei den Haus­auf­gaben alles geklappt habe und die Kinder Spaß hatten. Und obwohl sie alle noch nicht auf der Welt waren, als Eilts 1996 die Euro­pa­meis­ter­schaft gewann, fragt heute keiner mehr, wer denn dieser Dieter Eilts sei. Ihm dürfte es recht sein.