Montag, 18. Mai 2009

Mög­li­cher­weise ein etwas unüb­li­cher Beginn für eine Reise zum Uefa-Cup-Finale in Istanbul. Mor­gens um 10 stehe ich im zehnten Stock des Fach­be­rei­ches 09 der Uni­ver­sität Mar­burg und refe­riere über die Ver­fas­sung Spartas. Haupt­se­minar Das klas­si­sche Grie­chen­land“, Gele­gen­heits­stu­dent Raack dachte ein­ein­halb Jahre er wäre schein­frei und machte schon groß ein Fass auf mit seiner Magis­ter­ar­beit („Wider­stand aus der Kurve – Zur Sozi­al­ge­schichte der Fuß­ball-Fan­kultur in der DDR-Ober­liga“) – Pus­te­ku­chen. Inten­sive Nach­fragen nach einer 20-minü­tigen Geschichts-Per­for­mance, die unter fernen liefen“ in der Geschichte des Fach­be­reichs abge­stem­pelt werden muss. Ich bin ratlos, erst langes und hef­tiges Räus­pern gibt mir die Gele­gen­heit ein paar Stan­dard­phrasen aus den Hirn­hälften zu stopfen. So muss sich Udo Lattek fühlen. Womit wir wieder beim Fuß­ball wären.



Um zwölf fährt der Zug nach Frank­furt ab, Kol­lege Benni grätscht noch gera­deso ins Abteil. Die erste Hürde ist genommen, wir müssen uns mit einem Bier belohnen. Im Ter­minal 1, Halle C, wartet das Duo aus Celle: die Kobra und Fips, der irgend­wann von mir seinen Spitz­namen – ange­lehnt an den gleich­na­migen Komiker Asmussen – bekommen hat. Wann, wo und warum? Ich weiß es nicht mehr. Check-in gelingt mit bewun­derns­werter Ele­ganz, im Flieger dann das alt­be­währte Muster: Fens­ter­platz neben den Trag­flä­chen, die Sicht ver­sperrt, wir widmen uns span­nen­deren Themen in der Bild-Zei­tung: Reiner Call­mund hat den Halb-Mara­thon geschafft, nicht ohne Hin­der­nisse: Im strö­menden Regen jubelten zahl­reiche Zuschauer Calli zu und ver­suchten ihn ver­geb­lich mit Sah­ne­torte, gegrillten Würst­chen oder Schoko-Rie­geln zu ver­führen.“ Fips sitzt im Mit­tel­gang, nach mehr­fa­chen OPs am Steiß­bein kann er nur noch auf einer Arsch-Backe sitzen und tut das mit könig­li­cher Würde. Mehr­fach rem­pelt ihn den­noch der noto­risch durch den Mit­tel­gang het­zende Ste­ward an, eine erste Schub­serei kann gerade noch durch das Mit­tag­essen ver­hin­dert werden. Klarer Fall von tür­ki­scher Härte?

 
Gelandet, auch wenn man zwi­schen­durch befürchten musste im Bos­porus not­zu­landen. Ganz schön windig in Istanbul/​Sabiha Gökcen. In der ersten Flug­hafen-Halle sitzt ein Trio vom tür­ki­schen Gesund­heits­mi­nis­te­rium, im Flieger hatten alle Pas­sa­giere einen schlecht kopierten Zettel aus­füllen müssen. Haben sie die Schweine-Grippe?“ ist fast so inves­ti­gativ, wie Sind sie ein Taliban-Ter­ro­rist?“. Die Kobra fängt einen Meter vor der kri­tisch drein­schau­enden Medi­ziner-Aus­wahl an zu Niesen und wird minu­ten­lang befragt und vor einer Infra-Rot-Kamera beleuchtet.

In der Aus­gangs­halle über­fällt uns ein freund­li­cher junger Türke mit Ange­boten zum Taxi-Trans­port in unser Hostel. Irri­tiert tau­schen wir erst unsere harte Wäh­rung gegen tür­ki­sche Lira ein. Unser neuer Freund und die Stra­tegen in der Wech­sel­stube lachen sich an, wir befürchten eine erste Ver­schwö­rung. Typisch deutsch. Benni wird vom tür­ki­schen Taxi-Kumpel fast in die Arme geschlossen. You´re a rapper? I love HipHop!“ Zur Bestä­ti­gung spielt er uns einige You­tube-Videos vor, Benni ist begeis­tert, ris­kiert aber fast einen Battle, als er mit Killa-Hakan und Kool Savas auf­wartet. Das wird uns in den kom­menden Tagen noch häu­figer pas­sieren. Ein großer, leicht über­ge­wich­tiger Deut­scher mit Voll­bart, Marken-Kappe und Shirts aus dem Ele­fan­ten­ge­hege bringt die tür­ki­schen Jungs offenbar in helle Auf­re­gung.

Wir sitzen im Taxi, der gute Mann am Steuer lächelt bescheiden – und rast dann los, als gäbe es keinen Morgen mehr. Hastig ver­suche ich mein Tes­ta­ment auf­zu­schreiben, doch es gelingt nicht. Zu sehr zit­tern die Hände vor Todes­angst. In Rekord­zeit jagt unser Fahrer über die asia­ti­sche Seite Istan­buls, zeigt uns bei Tempo 180 stolz das Bes­iktas-Sta­dion und lie­fert sich heiß­blü­tige Zwei­kämpfe mit einem 18-Jäh­rigen im knall­gelben Seat auf der rechten Spur. Das Hostel Big Apple“ errei­chen wir letzt­lich ohne blei­bende kör­per­liche Schäden. Benni ver­sucht die Stim­mung mit einem mauen Witz auf­zu­lo­ckern: Das Hostel in Bar­ce­lona hieß doch ›New York City‹ und hier jetzt ›Big Apple‹!“ Hahaha. Ver­stört finden wir unser Zimmer und lassen langsam das klop­fende Herz aus­pen­deln. Will­kommen in Istanbul!

Eine Stunde später betten wir unser Gesäß auf den Bänken vor der Blauen Moschee, eines der Wahr­zei­chen Istan­buls. Schnell fließt neben dem all­ge­gen­wär­tigen Chai-Tee auch Efes, das tür­ki­sche National-Bier. Zwei Jungs in knal­lengen glit­zernden Mus­kels­hirts klopfen uns auf die Schulter: Können wir uns zu Euch setzen? Ich habe mal wieder Bock deutsch zu spre­chen.“ Zusammen mit zwei wei­teren End­zwan­zi­gern setzen sich die Beiden zu uns, sie kommen aus Köln und haben erst­mals ihre Cou­sins in Istanbul besucht, die nicht einen Bro­cken deutsch ver­stehen, geschweige denn spre­chen. Wir stoßen an und erfahren kluge Tipps beim Kauf gefälschter Fuß­ball-Tri­kots. Später lernen wir Ali kennen. Der Deutsch-Türke aus Gronau ist mit seinen vier Schwes­tern zu Besuch gekommen und noch auf der Suche nach einer End­spiel­karte. Sein Glück: wir haben tat­säch­lich eine Karte zu viel, von einer Über­dosis Sym­pa­thie ange­fixt, gibt unser Rei­se­leiter Kobra das 58-Euro-Ticket für 60 Steine ab. Angeb­li­cher Schwarz­markt-Preis zu diesem Zeit­punkt: 250 Euro. Mit Ali erwischt es aber den Rich­tigen, zusammen mit seiner Schwes­tern­schaar lassen wir den Abend an der Galata-Brücke aus­klin­geln, rau­chen Sishas mit Blick auf den Bos­porus. Der erste Tag endet mit der Begrü­ßung unseres fünften Mit­rei­senden Petzi um vier Uhr in der Früh. Er hatte den Flug aus Basel genommen. Tak­tisch unklug.

Dienstag, 19. Mai 2009

Früh­stück auf der Dach­ter­rasse mit Blick über die Stadt! Wir fühlen uns wie Könige – im Hostel. Der Kater weicht schnell der Vor­freude auf den Tag, auch wenn der Mensch gewor­dene Städte-Guide Fips uns bedroh­lich viele Rei­se­ziele für den Tag auf­listet. Schnell hat er seinen Spitz­namen weg: Hostel-Hank ist geboren. Hank drängt zum Auf­bruch, um elf Uhr sind wir wieder on the road. Erster Anlauf­punkt: Hagia Sophia, das berühm­teste Denkmal der Stadt. Wer das rie­sige Got­tes­haus sehen will, muss 20 Lira (umge­rechnet: 10 Euro) zahlen. Ich kann nur an Sta­dien und Fuß­ball denken und bin des­wegen Fehl am Platze. Hin­terher nerve ich die Gruppe mit der Vor­stel­lung zu Tode, dass ich die Kohle lieber in Mais­kolben inves­tiert hätte, die in kleinen Wägel­chen gril­lend quasi an jeder Ecke des tou­ris­ti­schen Istan­buls stra­te­gisch clever pos­tiert sind. Es folgt der Besuch der Cis­terne Basi­lica, eine spät­an­tike Zis­terne, die einst als Drehort für den James-Bond-Klas­siker Lie­bes­grüße aus Moskau“ her­halten musste. Inter­es­sant, aber wo sind die Händler mit den bil­ligen Tri­kots? Weiter geht’s in der Blauen Moschee und der Galata-Turm, jetzt haben wir alles gesehen. Der Basar-Besuch wird weniger erfolg­reich als gedacht, einzig und allein ein altes Frank­reich-Trikot mit Henry fällt mir ins Auge, doch der Händler geht auf meinen fairen Vor­schlag („5 Lira statt 40“) nicht ein und unsere Wege trennen sich. Dafür speisen wir fürst­lich Köfte in einem der dafür bekann­testen Läden der Stadt. Lecker und vor allem: die befürch­tete Darm-Revo­lu­tion bleibt aus.

Die Stadt trägt der­weil grün-weiß. Nicht auf der Brust, aber scheinbar im Herzen. Werder Bremen!“, trom­petet jeder zweite Türke. Mesut!“, johlen wir zurück und steigen in diverse tak­ti­sche Grund­for­ma­tionen über die kor­rekte Auf­stel­lung ein. End­lich ist auch der feh­lende Ball gekauft, zwölf Lira für eine rot-gelbe Pille, deren Bedeu­tung wir schon nach wenigen Metern erfahren. Fahr­lässig haben wir uns einen Ball in den Farben Gala­ta­sa­rays andrehen lassen – nicht jeder Türke ist mit diesem Kauf ein­ver­standen und wirft uns grim­mige Blicke an den Kopf. Mit den fal­schen Farben ist in Istanbul nicht gut Kir­schen essen.

Abends zurück im Stadt­teil Sul­ta­nahmed, wo unser schmu­ckes Hostel seinen Platz hat. Petzi war so umsichtig, und hat sich ein knal­l­orange Sport­hose gekauft, eben­falls mit dem Logo Galas ver­sehen. Nicht, dass wir hier völlig in eine Schub­lade gedrängt werden. Vor der Blauen Moschee kann ich einen wei­teren Haken auf meiner Liste: Fuß­ball vor his­to­ri­schen Gebäuden oder Plätzen“ abhaken. Im Ver­gleich mit den bis­he­rigen Höhe­punkten Berlin (Bran­den­burger Tor), Bar­ce­lona (La Rambla) und Mai­land (Dom) schneidet Istanbul her­vor­ra­gend ab. Auch, weil die Rasen­qua­lität vor­züg­lich ist. Wir lie­fern also unser ganzes Reper­toire an tech­ni­schen Kabi­nett­stück­chen (die sich sehr schnell wie­der­holen) ab, als plötz­lich eine sechs­köp­fige Gruppe kleiner Jungs im Alter zwi­schen vier und sieben Jahren neben unserem per­sön­li­chen Sta­dion steht und uns mit großen Augen beob­achtet. Schnell werden wir dicke Kum­pels und müssen mit ansehen, wie sich ein Haufen kleiner ball­ver­rückter Rotz­nasen auf unseren Ball stürzt. Ein sen­sa­tio­nelles Grup­pen­foto bleibt uns schließ­lich als schöne Erin­ne­rung erhalten.

Später treffen wir Ali wieder, der wider Erwarten seine Karte noch nicht gegen große Scheine ein­ge­tauscht hat. Guter Mann. Auf der Fahrt zum Istan­buler Sze­ne­stadt­teil um den Taksim-Platz staunen wir über die Trink­fes­tig­keit unseres Fah­rers, der die ange­bo­tene 0,5‑Liter-Molle in zehn Minuten ver­nichtet, dabei erstaun­li­cher­weise aber mit gut 30 Km/​h durch die Stadt juckelt und uns schließ­lich mit einem nicht erwar­teten Preis böse ver­är­gert. Wir legen ihm die von uns als fair betrach­tete Summe auf den Bei­fah­rer­sitz und machen den Sit­tich. Der Rest der Nacht geht in selt­samen Wodka-Lemon-Mischungen unter, erst am nächsten Morgen merke ich, dass ich mir eine wun­der­schöne sil­berne Taschenuhr mit Pferde-Relief zuge­legt habe. Das per­fekte Mit­bringsel für meine Freundin! Ich klopfe mir im Halb­schlaf auf die Schulter.

Mitt­woch, 20. Mai 2009

Finaltag! Das Brummen im Schädel weicht dann doch als­bald einer gewissen Ner­vo­sität, begin­nend in der Magen­ge­gend. So auf­regt muss ich das letzte Mal gewesen sein, als Werder 1999 erst am vor­letzten Spieltag gegen Mön­chen­glad­bach den Klas­sen­er­halt sicherte. Das schöne Früh­stück wird rou­ti­ne­mäßig ver­passt, statt­dessen mache ich ein biss­chen Alarm bei der lahmen Rei­se­ge­sell­schaft. Um zwei Uhr bin ich vor dem Şükrü-Sara­coğlu-Sta­dion mit einem däni­schen Online-Fern­seh­sender ver­ab­redet. Die Kol­legen von 11FREUNDE haben tat­säch­lich auf mich ver­wiesen, als die Anfrage nach einem mög­li­chen Inter­view­partner kam. Wir schaffen die Über­fahrt mit der Fähre, finden sogar im schlecht beschil­derten Areal rund um das Sta­dion den End­spielort, doch um zwei Uhr ist von den Dänen nichts zu sehen. Sich die Zeit zu ver­treiben, gestaltet sich schwierig. Rund um das Sta­dion fließt ein Fluß“, der so ver­giftet scheint, dass kleine Gas­bläs­chen auf­blub­bern. Dem­entspre­chend werden die Ein­gangs­be­reiche mit einem feinen Duft ein­ge­ne­belt, der stark an ver­we­sende Lei­chen erin­nert, die man mit faulen Eiern ein­ge­schmiert hat. Für Erhei­te­rung sorgt das fabel­hafte Angebot einer nahe­ge­le­genen Kneipe, die sich offi­ziell zur Beer-Fan­zone“ erklärt hat und nun Belegte Brote“ für fünf Euro das Schnitt­chen anbietet. Ein famoser Preis, dem­entspre­chend über­füllt ist auch die Beer-Fan­zone“.

End­lich, die Dänen kommen. Eine Stunde zu spät, doch das ist schnell ver­gessen, als Camilla aus dem skan­di­na­vi­schen Duo uns mit ihren blauen Augen anlä­chelt. Behände pos­tiere ich mich vor der Kamera und mache einen auf Experten. Ele­gant, wie ich zwi­schen deutsch und eng­lisch hin und her wech­sele, als wäre ich ein Dol­met­scher auf Koks. Hof­fent­lich wird man später nicht sehen, wie meine Knie zit­tern.

Als auch das über­standen ist, schlen­dern wir ent­spannt zur offi­zi­ellen Fan­zone für den Bremer Anhang. Schnell wird klar: die Uefa hat sich mal wieder selbst über­troffen. Gleich neben dem Anle­ge­hafen ist ein mons­tröses Areal ein­ge­zäunt, in das nur Men­schen mit einem Final­ti­cket kommen. Kon­takt zur Bevöl­ke­rung? Von wegen und wenn, dann nur durch den Zaun. Ob die Preise für Bier (fünf Euro) oder Ham­burger (acht Euro) direkt von Michel Pla­tini fest­ge­legt wurden, können wir nur ahnen. Nach ein paar Ein­lagen mit dem Gala-Ball machen wir uns schnell wieder aus dem Staub und lenken unsere Bahnen in die vielen kleinen Gassen. Eine nette Kneipe, wir machen uns lang. Bier und Raki, eine unschlag­bare Mischung. Neben uns sitzen Donezk-Fans, die waren uns bis­lang noch gar nicht auf­ge­fallen. Eine Drei-Mann-Band erscheint und schreit tür­ki­sche Folk­lore, dass mir die Ohren bluten. Begeis­tert stimmen wir mit ein und ernte dank­bares Lachen, als für unseren Kellner Mus­tafa ein lob­prei­sendes Lied anstimme. Oh, wie schön ist Istanbul!

20 Uhr, jetzt aber hurtig. Vor dem Sta­dion ist die Stim­mung fan­tas­tisch, einige Fener-Fans haben sich unters deut­sche Volk gemischt und fackeln mit­ge­brachte Ben­galos ab. Und rings­herum keine Kom­men­ta­toren-Stimme, die mit ent­rüs­teter Kehle von Chaoten“ und gefähr­li­chen Feu­er­werks­kör­pern“ faselt. Ein letztes Efes, es drängt uns rein. Die Ein­lass­kon­trollen sind fast schon von erstaun­li­cher Läs­sig­keit. Doch kurz vor dem Sta­dion dann dieses: Ganz­körper-Dreh­kreuze, die nur alle paar Sekunden eine Person ins Sta­di­on­in­nere lassen. Schnell wird gedrückt, gequetscht, geme­ckert. Diese Aktion ist eine Frech­heit, ich bin kurz davor mir mit einem Enter­haken Ein­lass zu ver­schaffen.

End­lich drinnen, der Bremer Block scheint voll zu sein, doch an den Ecken blitzen freie Plätze auf, gleich auch auf Donezker Seite. Schade, zumal es sich um das letzte Uefa-Pokal-Finale der Geschichte han­delt. Das Spiel beginnt – Film­riss. Schön wäre es.

Irgend­wann gegen vier Uhr sind wir wieder auf euro­päi­scher Seite und entern noch ein geöff­netes Lokal. Frust­fressen. Die Grill­platte schmeckt fad. Dafür sind die Geschichten des Wirtes ungleich span­nender. Er ist Sai­son­ar­beiter, wohnt im Winter in Linz (als Ski­lehrer) und im Sommer in Istanbul (als Restau­rant-Besitzer). Ich gerate in eine Dis­kus­sion über die Stärken und Schwä­chen vom SV Ried und kann das ver­lo­rene End­spiel ver­gessen. Kol­lege Kobra hat der­weil Frust­fressen mit Frust­saufen ver­wech­selt und stürzt sich – schon sicht­lich ange­schlagen – den nächsten Raki her­unter. Als er die Treppe Rich­tung Toi­lette erklimmen will, reißt er im Fallen ein Bild von der Wand, doch der Ski­lehrer aus Istanbul bleibt gelassen.

Don­nerstag, 21. Mai 2009

Exakt 90 Minuten Schlaf, welch ein Timing. Kurz vor der Abfahrt entere ich das Internet und muss lesen, wie 11FREUNDE-Mann Kuhl­hoff meine prä­zisen Ana­lysen durch den Fleisch­wolf gedreht hat, mich gar als Werder-Ultra“ kenn­zeichnet. Aller­dings: von einem Schalker hatte ich nicht viel mehr erwartet. Für unsere letzten Lira fährt uns ein Taxi-Fahrer (wie viele es davon wohl in Istanbul gibt?) zum Flug­hafen. Jeder will seine Ruhe haben, doch ein kleines Grüpp­chen noto­risch voll­strammer Bremen-Fans johlt jäm­mer­liche Gesänge.

Kurz vor dem Check-in beschließe ich den Experten mein Ellen­bogen als zweites Früh­stück anzu­bieten, da über­tönt lautes Tur­binen-Gejaule die uner­träg­li­chen Stimmen. Besten Dank auch. Schlaf im Flug­zeug miss­lingt fürch­ter­lich, dafür aber Gepäck­über­gabe und der Anschlusszug. Die Stimme weg, das Finale ver­loren, um 500 Euro ärmer – es hat sich wieder einmal (ganz ohne Ironie) gelohnt.