Seite 2: 1. Spieltag: Düdelingen – AC Mailand

1. Spieltag
F91 Düdelingen – AC Mai­land, 20. Sep­tember 2018

Das Abschluss­trai­ning findet am Morgen des Spiel­tags in Düdelingen statt. Aus der Umklei­de­ka­bine dröhnt Musik: Beate, die Harte. Beate, Gra­nate!“ Mit bil­ligem Mal­lorca-Schlager gegen die teuren Maß­an­züge der Ita­liener. Am Platz sitzt ein älterer Herr, ein Trai­ningskie­bitz, der sich über die Kar­ten­ver­gabe ärgert. Inner­halb von 30 Minuten sei das Spiel aus­ver­kauft gewesen, per E‑Mail hätte man bestellen müssen. Aber das sei nichts für ihn. Er klatscht mit den Spie­lern ab, Moien!“, und auf einmal steht Topp­möller neben ihm und drückt ihm ein Ticket in die Hand. Viel Spaß!“, sagt er, der Mann lächelt. Sieben Stunden noch bis zum Anpfiff, Topp­möller und seine Spieler fahren zurück nach Luxem­burg-Stadt ins Hotel. Und dort beschließen sie, per Mail um Ruhe zu bitten.

In der Alt­stadt brennt es der­weil lich­terloh. Die Milan-Ultras der Curva Sud ziehen wie Könige durch die Straßen der Haupt­stadt, die Pyro­fa­ckeln als Zepter. Sie singen von Stolz und Ehre und vom Sieg. Vor den geputzten Fas­saden der Finanz­häuser und edlen Cafés stehen die stau­nenden Pas­santen. Wer sind die Fremden? Kommen Sie in fried­li­cher Absicht? Einige Mutige machen Fotos, andere winken schüch­tern. So etwas haben sie noch nie gesehen. Ein Lokal­jour­na­list des Tage­blatt“ schreibt am nächsten Tag: Viel­leicht sollte Düdelingen für die kom­menden Heim­spiele zwei oder drei Musik­ge­sell­schaften enga­gieren, damit die Stim­mung aus­ge­gli­chener ist.“

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Light my Feier! Die Milan-Ultras ziehen durch die geputzten Straßen von Luxem­burg.

Lukas Ratius

Am frühen Abend erreicht der Düdelinger Mann­schaftsbus das Sta­dion. Auf dem Weg ist es drinnen still, alle schweigen. Die Auf­re­gung steigt. Kein Wunder, das Sta­dion ist voll, sogar der Groß­herzog Henri ist gekommen. Klaus Topp­möller, Vater von Dino und ehe­ma­liger Bun­des­li­ga­trainer, macht sich auf der Tri­büne Notizen. Die Düdelinger halten im Spiel erstaun­lich gut mit, lange steht es 0:0. In der 35. Minute liegt sogar die Über­ra­schung in der Luft, Dominik Stolz läuft alleine aufs Tor zu, er kann sich, wie man im Fuß­ball so sagt, unsterb­lich machen. Aber er jagt den Ball über die Latte. Nach knapp einer Stunde fällt das Siegtor für Milan. Gon­zalo Higuains Schuss wird abge­fälscht, unhaltbar.

Um kurz vor elf ver­lassen die Düdelinger zu dem Song Applaus, Applaus“ von den Sport­freunden Stiller den Platz. Nur Joe Fri­sing, der Keeper, muss noch etwas klären. Der BWL-Stu­dent aus Saar­brü­cken, Markt­wert 50.000 Euro, ist nicht nur wegen seiner Paraden einer der belieb­testen Spieler bei F91. Er wirkt wie einer, mit dem man eben noch auf einer WG-Party ein paar Kurze getrunken hat. Auf seinem Face­book-Profil steht: Beer is not the answer, beer is the ques­tion. Yes is the answer.“ Fri­sing also geht zu Higuain, Markt­wert 50 Mil­lionen Euro, über 250 Tore für Neapel, Real Madrid und Juventus Turin und erklärt ihm auf Eng­lisch: Dein Schuss wäre nicht drin gewesen, wenn er nicht abge­fälscht worden wäre.“ Der Argen­ti­nier schaut ihn ver­dutzt an, aber er nickt: Stimmt!“