Eines vorweg: Die 11FREUNDE-Redak­tion ist nicht dafür bekannt, den Video­be­weis zu ver­tei­digen. Und sie wird das auch diesmal nicht tun. Höchs­tens indi­rekt. Und zwar, wenn es darum geht, einen der momentan schärfsten Kri­tiker des VAR zu bitten, sich auch mal an den eigenen Riech­kolben zu fassen.

Okay, der Stutt­garter Mario Gomez erlebt gerade keine ein­fache Zeit. Das Alter nagt an ihm, und zwar so unbarm­herzig, dass der einst­mals beste deut­sche Stürmer beim aktu­ellen Tabel­len­dritten der zweiten Liga nur noch als Teil­zeit­kraft im Ein­satz ist. Weite Teile des Früh­herbstes hat er auf der Ersatz­bank ver­bracht, doch auch seit er wieder öfter aufs Feld darf, gestaltet sich sein Kickerleben nicht freud­voller.

Klein­geis­tige Pedan­terie

Sechsmal hat Gomez in den letzten drei Spielen getroffen, nach­haltig war sein Jubel nur einmal. Schuld war, na klar, der doofe Video­be­weis, der in fünf von sechs Fällen post festum zum Ergebnis kam, dass der glück­lose Angreifer im Abseits stand – jedes Mal nur ein kleines biss­chen, aber immerhin. Was Gomez derart auf die Palme brachte, dass er zu einer soge­nannten Wut­rede zuun­gunsten des VAR ansetzte, in der eine Reihe von Wör­tern vor­kamen (Bull­shit, bescheuert, auf die Eier gehen), die im US-ame­ri­ka­ni­schen Fern­sehen bestimmt gebleept würden.

Jetzt ver­hält es sich tat­säch­lich so, dass von sämt­li­chen Zumu­tungen in Zusam­men­hang mit dem Video­be­weis die Umset­zung der Abseits­regel und diese komi­sche kali­brierte Linie das viel­leicht Übelste sind, weil: eine Korin­thenk­a­ckerei der aller­schlimmsten Sorte, die der Dynamik und Dra­ma­turgie eines Fuß­ball­spiels nicht ansatz­weise gerecht wird. Warum der schöne Grund­satz Im Zweifel für den Angreifer“ zugunsten einer klein­geis­tigen Pedan­terie geop­fert wurde, bleibt eines der großen Geheim­nisse dieser trost­losen VAR-Welt.

Immer in der glei­chen Falle

Allein: Mario Gomez weiß ja, wie der Hase läuft. Müsste es zumin­dest wissen, seit ihm jüngst in Sand­hausen gleich drei Tore wegen nach­träg­li­cher Abseits­ent­schei­dungen abhanden kamen. Da wäre es dann womög­lich ratsam, vor­sichts­halber einen Schritt weiter hinten auf seine Chance zu lauern, statt Woche für Woche in die gleiche Falle zu tappen – und sich nachher auf­zu­regen, dass die Welt nun mal so ist, wie sie ist.

Nun war dieser Neuner der klas­si­schen, fast antiken Art noch nie einer der Schnellsten im Lande – ohne des­halb gleich mit Mehmet Scholl und seinem Scherz­wort vom wund­ge­le­genen Gomez um die Ecke kommen –, so dass sich der Ver­dacht ein­schleicht, dass da even­tuell einer seine Welt­kar­riere auf fünf eigent­lich ver­bo­tenen Zen­ti­me­tern auf­ge­baut hat. Anders for­mu­liert: Wie viele von Gomez’ unzäh­ligen Kar­rie­re­toren würden heute wohl noch Bestand haben, wenn der Kölner Keller nach­träg­lich den Beck­messer gäbe?

So gesehen sollte sich der betagte Stürmer also besser über das freuen, was war, als sich über das zu grämen, was ist. Und sich, was die schnöde Gegen­wart betrifft, an ein weises Wort von Win­ston Chur­chill halten, das auf seiner eigenen Home­page zu lesen ist: Never, never, never give up!“