Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Seit dem 23. März ist​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ auf dem Markt, mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Wie fühlt sich es sich an, Teil des Telekom T zu sein? Ein Selbst­ver­such.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Beim Tor­jubel der Bayern bin ich offenbar ins TV-Bild gerutscht. Kurz­nach­richt eines Freundes: Lass die Schul­tern nicht so hängen.“ Ich ant­worte: Das macht der Poncho!“ Er ant­wortet: Jein.“

5. November 2016, 16.38 Uhr:
Seit Sommer 2005 spielen die Bayern im Raum­schiff Allianz Arena. Seit 2005 sitzen bei jedem ihrer Heim­spiele Men­schen in weißen Über­zie­hern in Block 125, um das sym­bol­hafte T“ ihres Haupt­spon­sors Telekom zu bilden. Seit 2005 denke ich mir bei jedem Spiel, da ich diese fleisch­ge­wor­dene Mar­ke­ting­kam­pagne sehe: Pff. Nichts weiter. Bis zum 5. November des ver­gan­genen Jahres. Bayern spielt gegen Hof­fen­heim, ich ver­folge das Spiel in der Kon­fe­renz, als mir meine innere Abtei­lung Attacke Fragen in die Wahr­neh­mung stellt: Was sind das eigent­lich für Leute, die sich da als mensch­li­ches Telekom‑T, als Werbe-Vehikel in ein Fuß­ball­sta­dion setzen? Die sto­isch die Lächer­lich­keit ertragen, vor aller Augen in einem Aufzug dazu­sitzen, der sich viel­leicht für den Tag nach dem größten anzu­neh­menden Unfall eignen würde, aber sicher nicht dafür, ent­spannt der schönsten Neben­sache der Welt zu folgen? Wer macht so etwas frei­willig? Und vor allem: Warum?

Wahr­schein­lich gibt es die Karten umsonst, denke ich mir. Irgendein Gewinn­spiel, mit dem die Telekom Kunden ködert. Oder ein Bonus-Pro­gramm viel­leicht. Sie möchten ihr Enter­tain-Paket nicht ver­län­gern, sind unzu­frieden mit ihrem Han­dy­ver­trag? Hier, zum Aus­gleich eine Karte für ein Heim­spiel der Bayern, dem besten Team der Bun­des­liga, ach was, der Welt. Gut, Sie müssten ein weißes Cape tragen wäh­rend des Spiels. Aber hey, das sind die Bayern! Die Bayern! Die spielen zu sehen, nur wenige Meter vom eigenen Sitz ent­fernt, dafür würden andere ganz andere Dinge geben. Nicht nur ihre Würde.

7. November 2016, 10.03 Uhr:
Am dar­auf­fol­genden Montag rufe ich bei der Telekom an, frage, ob ich für eine Repor­tage Teil sein könne dieser Dada-Dau­er­wer­bung. Kein Pro­blem, so die über­ra­schende Ant­wort, zum Top­spiel gegen Rasen­ball Leipzig sei noch ein Plätz­chen frei. Und ach ja, die 58 Men­schen, die sich Bayern-Heim­spiel für Bayern-Heim­spiel zum T“ ein­finden, sind alle­samt Aus­zu­bil­dende des Kon­zerns. Die Spiel für Spiel von einem der Stand­orte ange­karrt werden, an denen der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­riese seine zukünf­tigen Ange­stellten zu Arbeit­neh­mer­gold schmiedet. Dann fällt mir noch eine Frage ein, die mensch­lichste aller Fragen: Was ist eigent­lich, wenn eines der Puz­zle­teil­chen vom unbän­digen Ruf des Königs­ti­gers heim­ge­sucht wird? Also bitte, natür­lich dürfe man jeder­zeit auf Toi­lette gehen. Wenn es denn unbe­dingt sein muss.

21. Dezember, 17.46 Uhr:
Abfahrt vom Münchner Haupt­bahnhof in Rich­tung Arena. Den weißen Über­zieher und eine weiße Mütze habe ich bereits vor meiner Anreise aus Berlin erhalten. Zeit für eine Anprobe. Die Mütze bereitet zum Glück wenig Pro­bleme. In den weißen, von seiner Textur einer Regen­jacke glei­chen Poncho komme ich erst nach einigen Ver­ren­kungen, die Unwis­sende glatt für U‑Bahn-Yoga halten könnten. Strau­chelnder Pudel würde ich die Figur nennen, denke ich mir, da an der nächsten Hal­te­stelle zwei meiner Sitz­nach­barn aus­steigen. Und obgleich an den kom­menden Sta­tionen mehr und mehr Men­schen zusteigen, bleiben die Plätze neben mir frei. Ob es an meiner Ver­klei­dung liegt? Die Blicke der Mit­rei­senden geben keine Ant­wort. Nie­mand hält meinen suchenden Augen auch nur für Sekunden stand.