Seite 2: Sehnsuchstort Auswärtsfahrt

Zusammen mit den anderen Glad­ba­cher Anhän­gern feiern Pau­lußen und Peters am Spieltag ihre ganz eigene Party – fernab von, fast im All­tags­trott unter­ge­henden, Spielen in Hof­fen­heim oder Augs­burg. Ein Kern älterer Anhänger hat sich, seitdem die Uefa das Spiel ter­mi­niert hat, um das Wohl der deut­schen Urlaubs­fans“ geküm­mert. Das Orga­ni­sa­ti­ons­team um Ralf Adam, den in der Fan­szene alle nur Ralle“ nennen, konnte dabei bereits auf einige Erfah­rungs­werte zurück­greifen.

Eigene Geträn­ke­karte, eigener DJ

Vor zwei Jahren spielten die Glad­ba­cher schon einmal auf Zypern, nun ent­schied man sich für die gleiche Bar, direkt am Mit­tel­meer­strand in Lar­naca, etwa 45 Kilo­meter süd­lich von Nikosia. Mit Bar­be­sitzer Dinos ver­han­delte Ralle“ eine eigene Speise- und Geträn­ke­karte, die Bar stellte dar­über hinaus einen DJ. Da wir vor zwei Jahren auch schon dort waren, ver­liefen die Pla­nungen total unkom­pli­ziert“, erklärt Adam und ergänzt: Letzt­lich hat da jeder was von. Die Bar macht außer­halb der Saison einen Riesen-Umsatz und wir haben einen per­fekten Tag.“

Doch Adam küm­merte sich nicht nur um das leib­liche Wohl der mit­ge­reisten Anhänger. Um zum Sta­dion zu kommen, ver­frach­tete er die Fans in Zusam­men­ar­beit mit dem Verein in zwölf Rei­se­busse. Eine impo­sante Kolonne, die sich da begleitet von der zyprio­ti­schen Polizei auf den Weg in Rich­tung GSP-Sta­dion in Nikosia machte – und ein logis­ti­sches Meis­ter­werk, 3000 Kilo­meter fernab der Heimat.

Im Sta­dion: Eine andere Welt

Sta­di­on­be­suche in der Bun­des­liga glei­chen sich ja mitt­ler­weile immer mehr an. Gibt es noch das cha­rak­te­ris­ti­sche Sta­dion? Ver­kommen die Spiel­stätten in Deutsch­land nicht zu einem Ein­heits­brei hoch­mo­derner Arenen? Spiele im Euro­pa­pokal sind da, das wird auch jeder Bayern‑, Dort­mund- oder Frank­furt-Anhänger bestä­tigen, anders. Im GSP-Sta­dion dürfte, wäre es ein deut­sches Sta­dion, ver­mut­lich gar nicht mehr gespielt werden.

Dre­ckige, weiße Sitz­schalen, zu großen Teilen schon kaputt, kaum Sicher­heits­maß­nahmen, schä­bige Infra­struktur. Was deut­schen Behörden den Schweiß auf die Stirn treiben würde, ist für Fuß­ball-Roman­tiker, die sonst Gäs­te­blöcke in Bremen oder Wolfs­burg bevöl­kern, ein Sehn­suchtsort. Auf Zypern ist das leicht her­un­ter­ge­kom­mene GSP-Sta­dion die modernste Spiel­stätte – und wird des­halb von fast allen Insel-Ver­einen bei inter­na­tio­nalen Spielen genutzt.

Für die ein­hei­mi­schen Fans ist das nicht ganz leicht. Jedes Spiel ist eine Art Aus­wärts­spiel. Rund um das Sta­dion herrscht keine wirk­liche Fuß­ball­at­mo­sphäre. Weil die Zyprioten trotz eines ver­meid­li­chen Heim­spiels selber anreisen müssen, schlugen die aktiven Fans im Spiel gegen die Glad­ba­cher Borussia bei­spiels­weise erst eine knappe halbe Stunde vor Anpfiff im Sta­dion auf. Und ver­schwanden nach dem Abpfiff bis auf wenige Aus­nahmen auch rasch.

Aller guten Dinge sind drei!“

Für die meisten Glad­ba­cher hin­gegen ging es mit Spiel­schluss sofort wieder zurück zu besagter Mit­tel­meer­strand-Bar. Sie fei­erten weiter. Eine gelun­gene Aus­wärts­tour, das 18. unge­schla­gene Spiel ihrer Mann­schaft infolge (Ver­eins­re­kord!) und irgendwie auch sich selbst. Fan­be­treuer Jas­pers: Diese Tour könnte his­to­risch sein. Sie ist ohnehin ein High­light und dann auch noch dieser Ver­eins­re­kord. Ver­mut­lich werden viele Fans ein Leben lang davon erzählen.“

Und wäh­rend sich noch knapp 500 fei­er­wü­tige und sie­ges­trun­kene Anhänger zur inof­fi­zi­ellen Ver­eins­hymne Die Seele brennt“ in den Armen liegen, taucht plötz­lich der bereits erwähnte Cock­tail-Lieb­haber vom Mittag auf. Der junge Mann hat mitt­ler­weile offen­sicht­lich noch tiefer ins Glas geschaut. Trotzdem bringt er es mit seiner Aus­sage wieder auf den Punkt: Wir waren jetzt zweimal auf Zypern. Aller guten Dinge sind drei. Ich fahre viel lieber hierhin als nach Hof­fen­heim.“