Über die Süd­tri­büne in Dort­mund ist schon viel geredet worden. Es waren nicht immer nur posi­tive Geschichten. Denn die Süd­tri­büne ist das Wohn­zimmer von 25.000 Men­schen. Juristen, Neo­nazis, Hausfrauen/​Hausmänner, Schüler, Last­wa­gen­fahrer, Beamte, Kas­sierer, Arbeits­lose, Top­ver­diener. Sie alle ver­schmelzen zu einer wabernden Masse. Kaum greifbar. Sie alle füllen bei jedem Heim­spiel die kahlen Beton­stufen mit Herz­blut. Die Süd­tri­büne kann sehr laut sein, sehr wild, sehr beängs­ti­gend. Doch heute zeigte die Gelbe Wand ihr wahres Gesicht – denn sie schwieg.

Das Unfass­bare wurde Rea­lität

Wäh­rend des Spiels gegen Mainz 05 wurde die Nach­richt bekannt, dass zwei Fans im Sta­dion reani­miert werden mussten. Einer von ihnen ver­starb wäh­rend der Partie, die zweite Person wurde ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert. In den sozialen Netz­werken ver­brei­tete sich die schreck­liche Mel­dung wie ein Lauf­feuer. Die Fan­platt­form schwatz​gelb​.de schrieb um 18:40 Uhr: Liebe BVB-Fans. Aus Respekt vor dem wäh­rend des Spiels ver­stor­benen Borussen ver­zichtet das West­fa­len­sta­dion auf Sup­port. Danke!“

Wenige Momente später schwieg die Süd tat­säch­lich, dann stellte auch der Rest des Sta­dions den Sup­port ein. Auch der Anhang der Mainzer. Es war eine beängs­ti­gende Stille, die über dem Spiel lag. Sie wirkte sur­real, vor allem in einem Sta­dion, das auf der ganzen Welt wegen seines Roarrr zum Wall­fahrtsort für Fuß­ball­fans geworden ist.

Doch diese ein­fache Geste zeigte uns allen mal wieder, dass Fuß­ball vieles ist, aber ver­dammt noch mal nicht alles.

Ein Zei­chen für die Mensch­lich­keit

Selten hat ein kom­plettes Fuß­ball­sta­dion so empa­thisch auf ein per­sön­li­ches Schicksal reagiert. Und gerade in diesen kalten Tagen, in denen Mensch­lich­keit hier­zu­lande offenbar nicht mehr für jeden zur Grund­lage des Zusam­men­le­bens gehört, ist es umso groß­ar­tiger, dass ein ganzes Sta­dion ein sol­ches Zei­chen setzt. Voll­ständig. Ohne Aus­nahme. 81.000 Men­schen. 

Und als dann alle Fans in den letzten Minuten der Partie auch noch gemeinsam You’ll never walk alone“ into­nierten, konnte man sich nur noch still ver­neigen.


(Video hier)

Egal, ob man Dort­munder, Schalker, Mün­chener oder ein­fach nur Mensch ist. Danke, liebe Dort­munder!

NACH­TRAG: Um 20:00 Uhr ver­mel­deten ver­schie­dene Medien, dass der Zustand des zweiten Betrof­fenen mitt­ler­weile von den Ärzten als stabil ein­ge­schätz wird. Wir wün­schen gute Bes­se­rung. Unser Bei­leid gilt den Ange­hö­rigen und Freunden des Ver­stor­benen.