Ich habe in der ersten Halb­zeit einen völlig fal­schen Ansatz, eine völlig fal­sche Grund­ord­nung gewählt“, sagte Tuchel im Inter­view nach dem Spiel reu­mütig. In der Tat konnten die Mainzer mit ihrem 4−1−4−1 den Dort­mun­dern in Hälfte Eins nur wenig ent­ge­gen­setzen. Es hakte an vielen Stellen.

Zum einen funk­tio­niere Ihr Offen­siv­pres­sing nicht gut. Die nomi­nellen Außen­stürmer Choupo-Moting und Müller stießen oft in die Mitte, um zusammen mit Zidan die spiel­starken Innen­ver­tei­diger des BVBs unter Druck zu setzen. Diese über­spielten sie jedoch klug und nutzten den ent­ste­henden Raum auf den Flanken. Schmelzer (98 Ball­kon­takte, Sai­son­best­wert) und Pisz­czek (80) nutzten ihre Frei­heit und ließen den Ball laufen, Gün­dogan (88) ver­band die Flügel gut. Mainz lief daher in der ersten Halb­zeit meist nur hin­terher (68 Pro­zent / 32 Pro­zent Ball­be­sitz).

Auch das Defen­siv­netz der Mainzer war löchrig. Die drei zen­tralen Mit­tel­feld­spieler schlossen zwar klug die Räume in der Zen­trale gegen den umtrie­bigen Kagawa. Wenn dieser sich jedoch auf die Sech­ser­po­si­tion zurück­fallen ließ, konnte er ohne Gegen­wehr das Spiel machen. Auch die Innen­ver­tei­diger wurden beim Her­aus­rü­cken sträf­lich ver­nach­läs­sigt, zu sehen bei­spiels­weise beim 0:1‑Treffer, den Hum­mels aus dem Rück­raum vor­be­rei­tete (26.). Außerdem fehlte den Main­zern offensiv jeg­liche Durch­schlags­kraft. Der eher klein gewach­sene Zidan konnte hohe Bälle nicht behaupten, dem Flach­pass­spiel fehlte es stark an Prä­zi­sion – sta­tis­tisch kamen nur zwei von drei Pässen der Mainzer an. Magere zwei Tor­schüsse konnte Tuchels Team bis zur Pause ver­bu­chen.

Wechsel bringen Ver­bes­se­rung

Das Offen­siv­spiel der Rhein­land-Pfälzer ver­bes­serte sich erst in Hälfte zwei, als Choupo-Moting als zweiter Stürmer agierte. Mit einer wei­teren Anspiel­sta­tion in der Spitze konnte der FSV seine Konter besser fahren und wurde spiel­ge­nauer. Wirk­lich Druck erzeugten sie erst, als Tuchel in der 59. Minute risi­ko­reich ein­wech­selte. Mit Szalai kam ein wei­terer Stürmer, Zidan agierte nun als fal­scher Zehner“ hinter den beiden Spitzen. Zusammen mit den auf­ge­rückten Mit­tel­feld­spie­lern bauten sie viel Druck in der geg­ne­ri­sche Hälfte auf und gewannen zahl­reiche Zwei­kämpfe (bis zur 60. Minute knappe 50 Pro­zent, ab der 60. fast 65 Pro­zent). Mit Szalai als Ziel­spieler konnten sie zudem ver­mehrt auf hohe Bälle setzen. Eine dieser hohen Flanke lei­tete der Ungar zu Zidan weiter, der den Aus­gleichs­treffer erzielte (74.).

Aller­dings wurden die Mainzer durch die aggres­sive Spiel­weise defensiv anfäl­liger. Die Mit­tel­feld­spieler standen sehr hoch, so dass der BVB zu Kon­ter­mög­lich­keiten kam. Nach dem Füh­rungs­treffer ließ sich auch erkennen, dass es mental für viele Spieler schwierig ist, nach einem Aus­gleich von totaler Offen­sive auf eine defen­si­vere Spiel­weise umzu­stellen. Das Mainzer Glück währte nur wenige Minuten, ehe Kagawa den Aus­gleich negierte (77.). In dieser ent­schei­denden Situa­tion waren die Mainzer Spieler zu weit von ihren Gegen­spie­lern ent­fernt. Am Ende brachten Tuchels tak­ti­sche Wechsel nichts Zähl­bares – der BVB fand schnell auf die Sie­ger­straße zurück und bleibt auf dem Weg zur zweiten Meis­ter­schaft in Folge.