Seite 2: „Es war nur eine Frage der Zeit, wann wir zurückgehen"

Im Sommer kehren Sie nach Göteborg zurück. Weil Sie Heimweh bekommen haben?
Heimweh ist nicht das rich­tige Wort. Meiner Frau und mir war immer klar, dass wir eines Tages nach Schweden zurück­ziehen. Es ist halt unsere Heimat – unsere Fami­lien wohnen dort, Groß­el­tern, Cou­sins und Freunde. Wir haben also nicht direkt Heimweh gehabt, es war nur eine Frage der Zeit, wann wir zurück­gehen. Nun ist der Moment gekommen, sowohl für mich als auch für meine Familie.

Beim IFK Göteborg werden Sie viel­leicht mit Marek Hamšík zusam­men­spielen.
(Lacht) Ich war wahr­schein­lich genau so über­rascht wie alle anderen, als die Nach­richt kam. Aber da in Schweden auf­grund der kli­ma­ti­schen Bedin­gungen von Früh­ling bis Herbst gespielt wird, ist auch das Trans­fer­fenster dort länger offen. Und so war Schweden für Hamsik am Ende eine von nur noch zwei Optionen, einen neuen Verein zu finden. So oder so ist es sehr cool für den schwe­di­schen Fuß­ball, dass ein derart starker Spieler für den IFK Göte­borg auf­laufen wird.

Auch Marcus Berg (früher unter anderem beim HSV, d. Red.) wech­selt im Sommer nach Göteborg zurück…
Mackan und ich sind sehr, sehr gute Freunde. Am Anfang unserer Kar­riere wurden wir gleich­zeitig in Göte­borgs A‑Mannschaft beför­dert. Das ist fast 20 Jahre her, wir sind aber seitdem gute Freunde geblieben. Es ist erfreu­lich, dass wir jetzt noch einmal zusam­men­spielen dürfen und dass so der Kreis quasi geschlossen wird.

Bli­cken wir mal zurück auf die ver­gan­genen zehn Jahre: Was war Ihr bester Moment im Glad­bach-Trikot?
Wow, davon gibt es viele! Mein Debüt natür­lich, mein erstes Heim­spiel, als ich vor den Fans im Borussia-Park ran durfte, sind Höhe­punkte. Ich würde auch das Spiel, bei dem wir uns das erste Mal für die Cham­pions League qua­li­fi­ziert haben, erwähnen. Das war aus­wärts in Bremen, wir gewannen mit 2:0 und haben uns dadurch Platz Drei gesi­chert, das war ein sehr großer Moment (2014÷15, d. Red.). Dann natür­lich auch das erste Cham­pions-League-Heim­spiel im Borussia-Park, gegen Man­chester City: die Stim­mung, ein unbe­schreib­li­ches Tor von Lars Stindl zum 1:0 (Glad­bach verlor noch mit 1:2, d. Red), das werde ich nie ver­gessen. Es gibt noch mehr Momente, aber das sind die für mich bedeu­tendsten.

Wie geht man eigent­lich mit dem Druck um, wenn man Cham­pions League spielt?
(Über­legt) Es war und ist bei jedem Heim­spiel eine tolle Stim­mung im Borussia-Park, aber die Cham­pions-League-Abende sind ohne Zweifel was beson­deres. Man ist voller Adre­nalin, man hat ja Jahre auf das Ziel hin gear­beitet, es geht alles fast auto­ma­tisch, man stei­gert sich völlig rein, man wird von der Stim­mung getragen. Des­halb ist es nicht schwer, den Fokus zu behalten, würde ich sagen. Die Gefahr ist eher, dass es in die andere Rich­tung kippen kann, dass man zu moti­viert, zu heiß auf das Spiel ist. Aber wie gesagt: Man hat viel durch­ge­standen, inso­fern ist es eigent­lich nur schön.

Dann hat er sich den Ball geschnappt und ihn inner­halb von 15 Sekunden dreimal in den Winkel gehäm­mert“

Wendt

Wer war Ihr bester Mit­spieler in Glad­bach?
Ich hatte die Ehre, mit so vielen guten Spie­lern zu spielen, da ist es unmög­lich, nur einen zu wählen.

Dann pro­bieren wir es anders: Wer hat Ihnen die meisten Pro­bleme im Trai­ning bereitet?
Oh, wow, auch fast unmög­lich! So viele Mit­spieler, so viele unter­schied­liche Stärken! Einige sind oder waren gut im Eins-gegen-Eins, dann gab es Jungs wie Juan Arango: Im Trai­ning stand er manchmal nur da, hat ein biss­chen gelä­chelt und es ganz ent­spannt genommen. Und dann hat er plötz­lich gedacht: Jetzt reicht’s mir! Jetzt gewinnen wir!“ Dann hat er sich den Ball geschnappt und ihn inner­halb von 15 Sekunden dreimal in den Winkel gehäm­mert. Jeder, der Arango mal spielen gesehen hat, weiß ja, wie ver­dammt gut er mit seinem linken Fuß schießen konnte. Naja, danach war die Ein­heit in der Regel auch vorbei.

Und wer war Ihr bester Gegen­spieler?
Auch das ist schwer zu sagen. In der Saison, in der Bayern Mün­chen das Tripel gewonnen hat und Arjen Robben und Franck Ribéry auf den Flü­geln gespielt und und immer mal wieder die Seiten gewech­selt haben, da war es als Außen­ver­tei­diger wirk­lich hart.

Sie sind fast nie ver­letzt gewesen. Warum?
Gute Frage, keine Ahnung! Etwas Glück, würde ich sagen. Zudem ver­suche ich alles, was ich tue, so genau wie mög­lich durch­zu­führen: Mit Ent­span­nungs­übungen und dem Schlafen, mit dem Trai­ning und dem Essen. Nichts bleibt dem Zufall über­lassen, ich bleibe bei allem pro­fes­sio­nell.

Sind Sie Veganer oder Vege­ta­rianer?
Nein, das bin ich nicht.