Fritz Keller, erin­nern Sie sich noch an Ihre erste Begeg­nung mit Car­melo Chico“ Poli­cic­chio?
Das war in den Anfängen wäh­rend des Auf­stiegs des Sport­club im Swamp“ …

…seiner Musik­kneipe unweit des Drei­sam­sta­dions in der Tal­straße…
…sein guter Musik­ge­schmack, fernab vom Main­stream und seine immer wäh­rende Freude an Kultur und am Fuß­ball, hat uns ver­bunden und ich hatte das Gefühl, dass er sich immer gefreut hat, wenn wir uns gesehen haben.

Er ver­an­stal­tete Kon­zerte, schrieb Kolumnen für die Sta­di­on­zei­tung, unter­hielt die Sze­ne­kneipe Swamp“ und dazu im Drei­sam­sta­dion einen Bier- und Würst­chen­stand. Erst vor wenigen Wochen eröff­nete er im neuen Sta­dion die Bar 15:30“. Wie wichtig war er für das Ver­eins­leben?
Das Swamp war immer eine sehr gute Loca­tion – zum Feiern und Trauern genauso. Ich war auch das ein oder andere Mal mit Spon­soren dort, um den Gästen die viel­fäl­tige Kultur, die beson­dere Rolle und Ver­ant­wor­tung des SC Frei­burg zu zeigen. Im 15:30“ habe ich ihn leider nicht mehr per­sön­lich getroffen, das ja erst vor paar Wochen mit der Sta­di­oner­öff­nung und bisher nur zu Spielen auf­ge­macht hat.

Chico“ schrieb: Mein Leben wäre ein anderes gewesen ohne den Fuß­ball, ohne den Sport-Club und all die Men­schen, Orte und Ereig­nisse, die mit dem Verein ver­bunden sind.“ In wel­cher Form haben Sie als Funk­tionär gemerkt, dass er so emp­findet?
In jedem Gespräch mit ihm, in dem wir den Aus­tausch gesucht haben, hat er sich eigent­lich immer nach­denk­lich, zum Teil kri­tisch bis sehr kri­tisch zu Ver­än­de­rungen geäu­ßert. Er hat sich dann aber auch manchmal über­zeugen lassen, etwa bei Umbauten wie die Gegen­ge­rade von einer Steh­platz­tri­büne zu einer halb Sitz- halb Steh­platz­tri­büne zur Sitz­platz­tri­büne bis hin zum neuen Sta­dion. Die Liebe und Zunei­gung zum Club merkte man genau dadurch: Was man liebt ver­än­dert man ungernaber sind Ver­än­de­rungen ab und zu not­wendig, das war auch immer wieder an seinen Worten und Texten abzu­lesen. Für mich war er dadurch auch immer eine mora­li­sche Instanz, auch für meine eigene Ori­en­tie­rung.

Alles wird gut! Erinnerungen an den Freiburger Wirt Carmelo „Chico“ Policicchio

Am Tresen von Car­melo Chico“ Poli­cic­chio traf Pro­mi­nenz aus Sport, Kultur und Politik auf die pul­sie­rende Fan­szene des SC Frei­burg. Erin­ne­rungen an einen, der Brü­cken zwi­schen Men­schen baute.

Wie muss man sich den Aus­tausch zwi­schen Ihnen und ihm vor­stellen?
Vor allem bei län­geren nicht so erfolg­rei­chen Zeiten, war Chico immer eine gedul­dige Stütze, ein Befür­worter des ruhigen, kon­zep­tio­nellen nicht aktio­nis­ti­schen Han­delns, das beim SC ja immer eines der Erfolgs­ge­heim­nisse war. Bei Nie­der­lagen konnte er sich ärgern – so wie sich das gehört – beru­higte sich aber immer und im Nach­hinein wan­delte es sich in Zuver­sicht und posi­tive Hoff­nung. Seine Liebe zum Detail machte sich auch bei der besten Sta­di­on­wurst bemerkbar, die er von einem Metzger aus seiner Heimat, dem Kinzig-Tal, bezog.

Woran liegt es, dass so viele unter­schied­liche Men­schen bei ihm zusam­men­kamen?
Er war ein außer­ge­wöhn­li­cher, authen­ti­scher und lie­bens­werter Mensch, der jedem die Wahr­heit sagte – egal ob der oder die Betref­fende das wollte oder nicht – und der sich neben Fuß­ball auch für andere Themen inter­es­sierte und ein­setzte. Bei­spiels­weise auch die Kuli­narik – er führte eine Zeit lang erfolg­reich auch ein ita­lie­ni­sches Restau­rant.

Da spricht der Winzer.
Neben der abso­luten Hopfen-Bier-Hoheit im Swamp, fand man auch immer einen guten Tropfen eines guten Win­zer­kol­le­gens hinter der Theke sowie ein paar erle­sene Destil­late von kleinen Bren­ne­reien aus seiner Hei­mat­re­gion.

Was wird dem SC fehlen, jetzt da er nicht mehr ist?
Er war immer eine Stimme der Ver­nunft und des Aus­gleichs. Bei ihm sam­melten sich unter­schied­lichste Inter­es­sen­gruppen. Er war nicht nur für mich per­sön­lich ein guter Rat­geber son­dern für den ganzen Sport­club – seine Worte werden uns fehlen.