Im heutigen Stadtderby läuft Hertha BSC mit dem Logo der im Frühjahr ins Leben gerufenen „Aktion Herthakneipe“ auf. Was steckt dahinter? Wir sprachen mit Steven Redetzki, einem der Organisatoren.
Wie würde in normalen Zeiten so ein Derby-Tag bei euch ablaufen, wo würdet ihr das Spiel schauen und wieviele Biere würdet ihr trinken?
Es gibt natürlich Leute bei uns, die sind dabei, obwohl die eigentlich gar kein Bier trinken. Die sind natürlich in der Minderheit, die müssen dann fahren (lacht). Auch wenn wir die „Aktion Herthakneipe“ sind wären wir unter normalen Umständen natürlich im Stadion. Aber klar, vorher wären wir wahrscheinlich beim Klaus im „Kugelblitz“ im Wedding und würden zwei bis drei Bier trinken und dann auf zum Stadion. Am „Olympia-Eck“ würden wir vielleicht vor oder nach dem Spiel nochmal stehen bleiben und wo es nach dem Spiel hingeht, hängt natürlich vom Ergebnis ab.
Und wie schaut ihr das Derby heute?
Das ist echt ein großer Wermutstropfen heute: Die Aktion mit vollem Stadion, das wäre von der Emotionalität her noch einmal etwas ganz anderes für uns. Heute ist es so, dass die meisten privat gucken. Ich schaue mit drei weiteren Leuten aus der Aktion mit Beamer; wir sind tatsächlich nur zwei Haushalte, da ist das erlaubt. Natürlich hat auch unsere virtuelle Kneipe geöffnet, da sehen wir uns dann immerhin online vor und nach dem Spiel.
Wieviele Kneipen konnte eure Aktion bisher unterstützen?
Wir haben zehn Kneipen unterstützt. Natürlich gibt es noch deutlich mehr und es ist immer schwierig, daraus eine konkrete Auswahl zu treffen. Auf der anderen Seite bringt es auch nichts, wenn wir dreißig oder vierzig Kneipen mit reinnehmen und am Ende jeder 300 Euro bekommt. Das ist kein Betrag, mit dem ein Wirt die Miete bezahlen kann.
Wie lief das konkret ab?
Wir haben das damals so gemacht, dass wir zu jedem Spieltag gesammelt haben. Der Rekord an einem Bundesligawochenende lag bei 3000 Euro, die wir dann an eine Kneipe geben konnten. Dadurch, dass wir T‑Shirts und Merchandise von Hertha verkaufen konnten, konnten wir aufstocken, sodass jede Kneipe mindestens 1892 Euro bekommen hat. Bisland haben alle zehn Kneipen überlebt. Es ist natürlich die Frage, wie lange das noch gut geht. Das wäre natürlich der Worst Case, wenn sie damals den Lockdown überstanden hätten, aber jetzt trotzdem schließen müssten. Wir sind gerade dabei wieder zu helfen: In unserem Moneypool haben wir aktuell circa 5500 Euro gesammelt, dann kommen noch die Kalender mit dazu, die wir aktuell verkaufen. Vielleicht können wir auch die Trikots versteigern, die heute getragen werden. Da würde sicherlich noch einmal einiges für die Kneipen zusammenkommen.
Wird es das Trikot auch im Fanshop geben? Und bekommt ihr auch ein paar Exemplare davon?
Jetzt könnte ich mal ein bisschen Druck auf Hertha ausüben (lacht). Wir haben jedenfalls gemerkt, dass sich viele Leute diese Trikots wünschen. Ich kann nicht versprechen, dass die in die Fanshops kommen. Klar versuchen wir, an ein paar Exemplare heranzukommen. Ich glaube, dass sich das Trikot in der ein oder anderen Kneipe sehr schön machen würde. Wir reden da noch mit Hertha drüber.
Wenn die Kneipen irgendwann wieder aufmachen: Wieviele Biere werdet ihr dann trinken?
Sicher mehr als zwei oder drei.