Herr Kunz, in der nächsten Saison wird es die neue 3. Liga geben. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon hörten?

Ich habe mich gewun­dert, dass die großen Ver­eine es so wider­spruchslos hin­ge­nommen haben, was da pas­siert ist. Es wissen doch alle, dass das nicht finan­zierbar ist – oder nur sehr schwer.



Sie sind also kein Für­spre­cher dieser neuen Spiel­klasse?

Die eigent­liche Idee der neuen 3. Liga ist gewesen, diese Liga näher an die zweite Liga her­an­zu­führen und es den Ver­einen, die dort hin­wollen, wirt­schaft­lich zu erleich­tern. Nun ist es eine maß­lose Ent­täu­schung, wie die 3. Liga tat­säch­lich aus­ge­stattet werden soll. Trotz der Hal­bie­rung der Staffel gibt es nicht einmal eine Ver­dopp­lung der Fern­seh­gelder! Was der DFB da als Ziel­set­zung ange­kün­digt hat, ist so nicht zu errei­chen. Auch die Ver­mark­tung: Dass das Ding jetzt nicht einmal 3. Bun­des­liga son­dern nur schlicht 3. Liga heißt, ist im Sinne der ursprüng­li­chen Inten­tion falsch.

Welche Erwar­tungen haben Sie an die ein­glei­sige 3. Liga?


Wenn man sich die Abzeich­nung der Zusam­men­set­zung anschaut, wird die Dritte Liga auch nicht inter­es­santer sein als die momen­tane Regio­nal­liga.

Der DFB will die 3. Liga als neues Pre­mi­um­pro­dukt im deut­schen Fuß­ball eta­blieren. Ist die Marke »3. Liga« wich­tiger als die Ver­eine, die in dieser Liga spielen werden?

Jeder Verein ist natür­lich für sich selbst ver­ant­wort­lich. Der Fuß­ball müsste sich doch eigent­lich aus sich selbst heraus finan­zieren, das heißt im wesent­li­chen aus Zuschau­er­ein­nahmen und Fern­seh­gel­dern. Das müsste die Kosten decken – kriegt aber kein Verein hin.

Der DFB sorgt immerhin für ein erhöhtes Fern­seh­geld.

Die Finan­zie­rung der Ver­eine wird genauso schwierig sein wie jetzt in der Regio­nal­liga. Die Ver­eine pfeifen aus dem letzten Loch, weil sie natür­lich inves­tieren müssen, um nach oben zu kommen. Und wenn das nicht klappt… das ist ja immer ein Ver­ban­que­spiel.

Wie geht Kickers Emden mit den Auf­lagen für eine Teil­nahme an der 3. Liga um?

Wir müssen irr­sin­nige Auf­lagen erfüllen – Sta­di­on­si­cher­heit, Medi­en­ar­beits­plätze und und und. Wir haben relativ pri­mi­tive Bedin­gungen, was sani­täre Räume und Krims­krams angeht – zu uns kann man Frau und Kind nicht mit­nehmen. Da muss viel Geld bewegt werden, spe­ziell bei uns, weil wir ein altes Sta­dion haben – ohne eine rea­lis­ti­sche Chance, das wir uns das wie­der­holen.

Ein neues Sta­dion würde sicher­lich auch neue Fans bringen.

Wir haben gesehen: Überall, wo den Leuten mehr Kom­fort geboten wird, steigen die Zuschau­er­zahlen über­pro­por­tional an. Darauf setzen wir auch. Wenn wir hier ein schmu­ckes Sta­dion stehen haben, ist Fuß­ball in Emden ein Event für ganz Ost­fries­land – aller­dings nur in der 3. Liga.

Es kommen also teure Sanie­rungs­ar­beiten auf den Verein zu?

Wir planen einen Neubau, der dann auch zweit­li­ga­taug­lich sein soll. Die Finan­zie­rung steht noch nicht, aber das Land Nie­der­sachsen hat uns eine Bürg­schaft zuge­sagt.

Eine ein­glei­sige 3. Liga bedeutet weite Anfahrts­wege. Wie viele Emdener fahren mit zu einem Aus­wärts­spiel nach Stutt­gart?


Die können wir wahr­schein­lich an einer Hand abzählen. (lacht) Die neuen Ent­fer­nungen für die mit­rei­senden Fans sind ein­fach zu riesig.