Das IFAB, das inter­na­tio­nale Regel­gre­mium, hat die Hand­spiel­regel vor der Saison umfas­send refor­miert. Was leider auch knapp ein Jahr später immer noch und immer wieder zu Irri­ta­tionen bei Spie­lern, Trai­nern, Zuschauern und Schieds­rich­tern führt. So wie zuletzt im Spiel zwi­schen Lever­kusen und Schalke. Dabei ist die Sache eigent­lich sehr simpel. 11FREUNDE-Regel­ex­perte Percy Flâge klärt auf.

Ein Ver­gehen liegt vor, wenn ein Spieler…

1. … den Ball absicht­lich mit der Hand/​dem Arm berührt (ein­schließ­lich Bewe­gungen der Hand/​des Arms zum Ball). Es sei denn, er beteuert danach, das Pro­blem ver­standen zu haben, in Zukunft demü­tiger auf­treten zu wollen und über­haupt die aus­ufernde Kom­mer­zia­li­sie­rung im Fuß­ball für total pro­ble­ma­tisch zu erachten. Sagt er dies und setzt dar­über hinaus noch einen scha­blo­nen­haften und auf keinen Fall kon­tro­versen Insta­gram-Post mit aus­ge­höhlten Hashtag-Phrasen ab, wird ihm vom Schieds­richter unver­züg­lich Abso­lu­tion erteilt. Der Spieler gilt als reha­bi­li­tiert, das Hand­spiel wird nicht geahndet. Im Gegen­teil: Er hat für den Rest des lau­fenden Spiels ein wei­teres Hand­spiel frei.

2. … in Ball­be­sitz gelangt, nachdem ihm der Ball an die Hand/​den Arm springt, und danach ins geg­ne­ri­sche Tor trifft oder zu einer Tor­chance kommt. Außer natür­lich, im Sta­dion befinden sich mehr als acht Per­sonen mit dem Vor­namen Markus. In diesem Fall bekommt der Schieds­richter ein unauf­fäl­liges Signal von einem seiner Assis­tenten und lässt die Aktion ein­fach und ohne nähere Angabe von Gründen wei­ter­laufen. Reagiert ein Spieler der benach­tei­ligten Mann­schaft empört, so ist dieser mit einer maximal kramp­figen, enorm über­zeich­neten und auf keinen Fall coolen Geste vom Schieds­richter zu ermahnen (siehe Bei­spiel 1). Im Ide­al­fall über­schreitet der Hosen­bund des Schieds­rich­ters den Bauch­nabel im Moment der Ermah­nung um meh­rere Zen­ti­meter. Alter­nativ dazu kann die Frisur des Schieds­rich­ters auch zum letzten Mal Mitte der Neun­ziger in Mode gewesen sein.

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Bei­spiel 1: Peter Gagel­mann macht Marko Pan­telic unmiss­ver­ständ­lich klar, wer hier ver­krampfter ist.

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3. … direkt mit der Hand/​dem Arm (ob absicht­lich oder nicht) ins geg­ne­ri­sche Tor trifft (gilt auch für den Tor­hüter). Aus­nahme: Der Spieler ist eigent­lich nicht son­der­lich tor­ge­fähr­lich (Richt­wert ist hier ein Dennis-Diek­meier-Quo­tient von maximal 0,0073 Toren/​Spiel), und der VAR hat eine (nicht gering­fü­gige) Summe darauf gesetzt, dass eben jener Spieler über­ra­schend trifft. Ist dies der Fall, kann der VAR sein Veto­recht gel­tend machen. Das Tor zählt. Nach Spie­lende wird diese zum Himmel schrei­ende Unge­rech­tig­keit vom dienst­ha­benden Schieds­richter-Experten im Live-TV sou­verän und unsach­lich weg­ge­lä­chelt (siehe Bei­spiel 2).

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Bei­spiel 2: Markus Merk lächelt sou­verän über einen Schieds­richter-Patzer.

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