Seite 2: „Der Fußball soll nur das Fenster sein"

Woher kommen die Kameras? Und wie finan­ziert sich das Pro­jekt?
Wir kaufen sie bei einer Reihe von Groß­händ­lern ein und ver­wenden dabei jede Art von Ein­weg­ka­mera. Goal Click besteht aus zwei Teilen: zum einen aus den global lau­fenden Pro­jekten, die ich schon ange­spro­chen habe. Wir suchen Men­schen und Orga­ni­sa­tionen aus, mit denen wir zusammen arbeiten wollen und senden ihnen dann Kameras zu. Zum anderen erstellen wir aber auch grö­ßere Bil­der­se­rien, in denen meh­rere Autoren ihre Geschichten zu einem gemein­samen Thema erzählen. Die Serien können über eine Stadt wie London, ein Land wie Katar, oder aber auch ein Tur­nier wie die Women’s Cham­pions League sein. Wir gehen dafür Part­ner­schaften mit Orga­ni­sa­tionen ein, egal ob es Marken, Klubs oder Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen sind. Diese Koope­ra­tionen werden finan­ziert und somit nährt eine Seite die andere.

Auf was für Schwie­rig­keiten trifft man wäh­rend so eines Pro­zesses?
Wir mussten schon mit allen nur erdenk­li­chen Pro­blemen kämpfen. Die Logistik ist nur eines davon. Kameras um die gesamte Welt zu ver­schi­cken, kann manchmal sehr schwierig sein. Manche Länder sind ver­läss­li­cher als andere. Wir haben zwar eine solide Zustell­quote, trotzdem gehen immer mal wieder Kameras ver­loren. Mal auf dem Postweg, mal durch die Per­sonen selber. Uns darf die Geduld nie ver­loren gehen, denn oft brau­chen unsere Autoren sechs, neun oder sogar zwölf Monate, um uns die Bilder wieder zurück­zu­schi­cken. Eine Geschichte aus Nord­korea hat sogar vier Jahre gedauert. Diese lang­same Pro­duk­ti­ons­zeit macht Goal Click zwar aus, aber wenn ich einen Zau­ber­stab hätte, mit dem ich eine Kamera auf magi­sche Art und Weise in die Anden oder in ein Flücht­lings­lager trans­por­tieren könnte, dann würde ich das auf jeden Fall machen. Man darf bei dem Ganzen auch nicht ver­gessen, dass wir mit Men­schen zusam­men­ar­beiten und Men­schen manchmal eben unvor­her­sehbar sind. Aber auch das wollen wir. Echte Geschichten von echten Men­schen.

Wie kann man selber Teil dieses Pro­jektes werden?
Jeder kann uns über unsere Web­site oder unsere Social-Media Kanäle anschreiben. Erzähl uns ein­fach von Deiner Geschichte und warum Du eine beson­dere Sicht auf die Welt hast. Dann gucken wir, ob es für uns passt. Meis­tens tut es das, weil jeder Mensch eine span­nende Geschichte zu erzählen hat. Wir haben bereits einige Bewer­bungen aus Deutsch­land erhalten, aber viel­leicht noch nicht genug.

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Vier Jahre War­te­zeit für Bilder aus Nord­korea.

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Wie würden Sie das Ziel von Goal Click beschreiben?
Es geht uns im End­ef­fekt darum, neue Per­spek­tiven über andere Länder, Kul­turen und Gesell­schaften auf­zu­zeigen. Das steht ein biss­chen im Kon­trast zum oft beschrie­benen Nar­rativ: Fuß­ball ver­bindet die ganze Welt.“ Lokal betrachtet kann Fuß­ball ver­schie­dene Men­schen zusam­men­bringen. Aber es ist für mich eine sehr pro­ble­ma­ti­sche Sicht­weise, wenn man denkt, dass der Fuß­ball alleine alle großen Pro­bleme lösen könne. Es ist diese große Sepp-Blatter-Vision: Gib den Men­schen einen Fuß­ball und alles wird gut. Aber so ist es nicht.

Wie dann?
Es geht darum, kleine Ver­än­de­rungen auf lokaler Ebene vor­an­zu­bringen. Das kann dann Stück für Stück zu grö­ßeren Aktionen führen. Erst in den letzten zehn Jahren hat man rea­li­siert, dass der Fuß­ball wirk­lich Ver­än­de­rungen schaffen kann. Aber es geht dann nicht um abs­trakte Dinge, son­dern darum, wie man im Kleinen den Fuß­ball wirk­lich ver­än­dern könnte. Da zähle ich auch unser Pro­jekt dazu, denn es zeigt Unter­schiede in ver­schie­denen Län­dern und Regionen auf und bringt uns somit Kul­turen näher, an denen wir sonst gar nicht so sehr inter­es­siert wären. Mit unseren Bilder decken wir dabei die gesamte Band­breite an Themen ab: Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlechter, Flücht­lings­the­ma­tiken, Bil­dung und Ent­wick­lungen in unter­schied­li­chen Län­dern. Ich denke nicht, dass diese Themen den Men­schen egal sind – sie haben bei ihnen ein­fach keine Prio­rität. Wenn man ihnen dann aber diese Themen durch den Fuß­ball ver­mit­telt, inter­es­sieren sie sich unter­be­wusst auch für die hin­ter­grün­dige Pro­ble­matik. Im End­ef­fekt geht es darum, das Bewusst­sein der Men­schen für Dinge zu schärfen, die um sie herum in der Welt pas­sieren. Der Fuß­ball soll nur das Fenster dafür sein.

Die Geschichten zu den Bil­dern findet ihr auf: www​.goal​-click​.com.
Eine Aus­wahl der Bilder von Goal Click ist auch in unserem Kunst­schuss in 11FREUNDE #238 zu sehen. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhält­lich.