Seite 2: Gold in London

Es dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass ihr Fami­li­en­name da schon einen legen­dären Klang hatte. Gunnar war 1947 zu Schwe­dens Fuß­baller des Jahres gewählt worden, Bertil wurde diese Ehre 1948 zuteil, und Kurt schafft es dann 1949. Zusammen hatten die drei die schwe­di­sche Natio­nalelf zu ihrem bis heute ein­zigen Titel geführt, der Gold­me­daille bei den Olym­pi­schen Spielen 1948 in London. So stark war der Auf­tritt der schwe­di­schen Ama­teure, dass gleich sieben von ihnen in den nächsten Jahren Pro­fi­ver­träge in Ita­lien bekamen, dar­unter Gunnar (Milan), Bertil (Ata­lanta Ber­gamo) und Knut (AS Rom). Im Gegen­satz zu seinen Brü­dern, die als Profis aus der Natio­nalelf ver­bannt wurden, war­tete Knut mit seinem Wechsel nach Ita­lien aller­dings bis nach der WM 1950, wes­halb er als ein­ziger der ersten Nordahl-Genera­tion an einer Welt­meis­ter­schaft teil­nahm – und immerhin Dritter wurde.

Gösta und Göran, die zwei Nach­zügler, konnten es nicht so ganz mit ihren großen Brü­dern auf­nehmen, obwohl sie auch Erfolg auf dem Fuß­ball­platz hatten. Göran spielte ein Jahr für Norr­kö­ping in der ersten Liga. Nach allem, was man hört, war er nicht weniger talen­tiert als sein Zwil­lings­bruder, mochte aber den Trubel des Wett­kampf­sports nicht und ver­misste seine Heimat. Mit 23 Jahren kehrte er nach Hörne­fors zurück, wurde Hand­werker in der­selben Fabrik, in der schon sein Vater gear­beitet hatte, und war nebenbei für die Feu­er­wehr aktiv.

Noch ein Nordahl bei der WM

Fast wäre auch Gösta diesem Bei­spiel gefolgt. Er holte 1952 mit Norr­kö­ping die Meis­ter­schaft und wech­selte dann plötz­lich zum Zweit­li­gisten Holm­sund, damit er wieder in Hör­ner­fors leben konnte. Im Herbst 1957, als Schweden dabei war, eine Mann­schaft für die WM im eigenen Land auf­zu­bauen, wurde er über­ra­schend zu einem Län­der­spiel berufen. Es blieb zwar sein ein­ziges, aber im Gegen­satz zu seinem Zwil­lings­bruder hängte er die Schuhe nicht vor­zeitig an den Nagel. Im Gegen­teil: Kurz vor seinem 38. Geburtstag stieg er mit Holm­sund in die erste Liga auf und spielte dort noch eine Saison. Als er im Oktober 1967 seine Kar­riere been­dete, war sein Neffe gerade Natio­nal­spieler geworden.

Jener nächste Nordahl hieß Thomas und war der Sohn von Gunnar. Er lief 15-mal für Schweden auf, einmal sogar bei der WM 1970 in Mexiko. Um ein Haar hätte Thomas auch die Fami­li­en­tra­di­tion fort­ge­setzt, in der Serie A zu spielen, denn 1968 unter­schrieb er einen Ver­trag bei Juventus. Doch dann führte die Serie A eine Aus­län­der­sperre ein, und Juve musste Thomas an den RSC Ander­lecht aus­leihen. Als die Sperre auch nach drei Jahren noch nicht auf­ge­hoben worden war, ging der Spieler zurück nach Schweden, schloss sich Örebro an und spielte noch bis 1980. Als 1995 ein Tra­di­ti­ons­verein in Abstiegs­ge­fahr geriet, sprang Thomas dort als Chef­trainer ein und hielt in der Rele­ga­tion der Klasse. Wel­cher Verein das war? Natür­lich Norr­kö­ping, wo eine Statue seines Vaters steht und wo die Fan­tri­büne nach einer unglaub­li­chen Familie benannt ist: Curva Nordahl.