Seite 2: „Der Liga sterben die Fans weg“

Bedarf es in Eng­land also einer Geset­zes­än­de­rung für die Wie­der­ein­füh­rung der Steh­plätze?
Nein. Lassen Sie es mich so erklären: Ver­eine in der dritten oder vierten Liga ver­fügen über Steh­plätze. Wenn sie aber dann auf­steigen, müssen sie trotzdem ihr kom­plettes Sta­dion umrüsten. Es bedürfte nur einer Ände­rung von John Whit­ting­dale, des Minis­ters für Kultur, Medien und Sport, um diese Anfor­de­rungen zu modi­fi­zieren.

Ist das rea­lis­tisch?
Ich bin optmis­tisch, was das betrifft. Seit den Wahlen haben wir eine fuß­ball­be­geis­terte Frau als Sport­mi­nis­terin, Tracey Crouch. Sie könnte eine ent­schei­dende Für­spre­cherin sein, wäh­rend ihr Vor­gänger sich keinen Deut für Fuß­ball inter­es­sierte.

Blieben noch die Ver­eine als mög­liche Hürde.
Nicht so sehr die Ver­eins­funk­tio­näre als eher die Besitzer, die Inves­toren. Sie behan­deln Fuß­ball unter der Kosten-Nutzen-Rech­nung. In ihren Augen kostet der Umbau von Steh­plätzen zu Sitz­plätzen bei euro­päi­schen Spielen natür­lich Geld, das sie nicht aus­geben wollen. Aber gerade des­wegen wollen wir die rail seats“ ein­führen, also die aus­klapp­baren Sitze. Und von dieser Idee sind sehr viele Klubs angetan. Und schließ­lich würde sich bei der Ein­füh­rung von Steh­plätzen auch die Sta­di­on­ka­pa­zität erhöhen.

Stehen manche Ver­eins­of­fi­zi­ellen der Ein­füh­rung von Steh­plätzen kri­tisch gegen­über, weil sie dann die Preise senken müssten?
Das muss nicht zwin­gend so sein. Einige werden die Preise wohl behalten, wie diese zur Zeit für Sitz­plätze aus­ge­richtet sind. Aber selbst wenn es so wäre, wäre das auch kurz­sichtig gedacht. Bei vielen Funk­tio­nären des Ver­bandes hat sich immerhin die Ein­sicht durch­ge­setzt, dass ein Unter­schied bei den Preisen nicht unbe­dingt schäd­lich ist.

Warum?
Ers­tens: Momentan kostet ein Sitz­platz hinter dem Tor fast genauso viel wie einer auf Höhe der Mit­tel­linie. Die Leute auf der Haupt­tri­büne for­dern beim jet­zigen Stand eine Preis­re­du­zie­rung, bei der Ein­füh­rung von Steh­plätzen würden sie sich aber nicht mehr beschweren, weil sie ja für ein bes­seres Pro­dukt“ zahlen. Cle­vere Ver­eine sehen also den Vor­teil bei den rail seats“ auch darin, dass der Druck schwindet, die Ticket­preise im rest­li­chen Sta­dion zu senken.

Und zwei­tens?
Zwei­tens däm­mert ihnen, dass sie die Jugend­li­chen ver­grault haben. Die Zuschauer der Pre­mier League sind zu alt, sie sterben der Liga buch­stäb­lich weg. Die 16- bis 30-Jäh­rigen können sich einen Sta­di­on­be­such nicht mehr leisten. Und eins ist klar: Wenn der Fuß­ball diese Jungs und Mädels in diesem Alter ver­liert, dann ver­liert er sie für immer. Die Ver­eine ver­lieren damit ihre zukünf­tigen Anhänger. Auch das ist etwas, was die Steh­plätze ver­hin­dern können.