Jemand Lust auf Hof­fen­heim gegen Augs­burg? Nein? Oder Wolfs­burg gegen Ingol­stadt? Auch nicht? Zu blöd. Schließ­lich will die DFL dem­nächst eine Mil­li­arde Euro für die TV-Rechte ein­nehmen. Die der­zei­tige Zusam­men­set­zung ihres Edel­pro­dukts Bun­des­liga ist für sie aller­dings nicht weniger als ein Desaster.

Zur Zeit ist die Ver­tei­lung der Fern­seh­gelder eine ein­fache Rech­nung: 65 Pro­zent gehen als ein­heit­li­cher Sockel­be­trag an die Klubs, 35 Pro­zent richten sich nach dem sport­li­chen Abschneiden in den letzten fünf Jahren. Wei­tere Kri­te­rien gibt es nicht, und da wird die Rech­nung ein wenig zu ein­fach. Denn bei allem Respekt vor genannten Ver­einen: Ihre Reich­weite hält sich doch in engen Grenzen, wes­halb das Pro­dukt, um mal im Jargon zu bleiben, die ange­spro­chene Mil­li­arde ein­fach nicht wert ist. Wenn die Hälfte der teil­neh­menden Ver­eine regel­mäßig unter der Wahr­neh­mungs­grenze bei den TV-Quoten bleibt, warum genau sollte Sky“ dafür dann so viel Geld aus­geben? Und warum sollten die Klubs, die die Zuschauer locken und das Pro­dukt Bun­des­liga inter­es­sant machen, sich damit zufrie­den­geben, dass sie dafür nicht ver­gütet werden?

Je reich­wei­ten­stärker der Klub, desto größer das Stück­chen vom Kuchen.

Nun hat sich ein Bündnis von sechs Tra­di­ti­ons­klubs – Hertha BSC, Werder Bremen, Ein­tracht Frank­furt, Ham­burger SV, 1. FC Köln und VfB Stutt­gart – zusam­men­ge­schlossen, das eine Neu­ver­tei­lung der TV-Mil­lionen unter der Berück­sich­ti­gung des tat­säch­li­chen Markt­wertes“ for­dert. Nach wel­chen Kri­te­rien genau dieser eher abs­trakte Begriff mit Leben gefüllt werden soll, steht noch aus. Das Team Markt­wert führt objek­tive Kenn­zahlen wie Fan­basis, Beliebt­heit, Bekannt­heit, TV-Reich­weite und Inter­ak­ti­ons­raten in Social Media“ ins Feld. Noch gibt es zahl­reiche Fra­ge­zei­chen im Vor­schlag, doch die Stoß­rich­tung ist klar: Je reich­wei­ten­stärker, je attrak­tiver der Klub, desto größer das Stück­chen vom Kuchen.

Und das macht Sinn. Es sind näm­lich genau die Klubs aus der Kate­gorie des Team Markt­wert“, die die Attrak­ti­vität der Liga sicher­stellen. Der HSV, aller sport­li­cher Ver­feh­lungen der Ver­gan­gen­heit zum Trotz, liegt bei den Ein­schalt­quoten auf dem fünften Platz, bekommt aber über zehn Mil­lionen weniger als Wolfs­burg oder Lever­kusen, deren Ein­schalt­quoten oft­mals nicht einmal gemessen werden können. Ähn­li­ches gilt für Bremen, Frank­furt, Stutt­gart und Köln. Zumal genau diese Ver­eine sich im Wett­be­werb befinden mit Teams, die durch Kon­zerne oder Mäzene quasi gar nicht anders können als erfolg­reich zu sein. Und nach dem aktu­ellen Schlüssel dafür belohnt werden.

Die Bun­des­liga ist unter den großen euro­päi­schen Ligen die ein­zige, in der es keine dritte Ver­tei­lungs­säule auf Mar­ke­ting­basis gibt. Würde man die ange­peilte Mil­li­arde ähn­lich ver­teilen wie im Aus­land – also mit 20 bis 25 Pro­zent für den tat­säch­li­chen Markt­wert“ – ginge es um 200 Mil­lionen Euro, je nach Reich­weite also um einen netten zwei­stel­ligen Mil­lio­nen­be­trag pro Klub. Natur­gemäß bekämen dann jene Klubs mehr Geld, die dafür sorgen, dass sams­tags die Sta­dien voll sind und der Fern­seher ein­ge­schaltet wird, und so das Geld über­haupt erst gene­rieren. Auch das ist eine ein­fache Rech­nung.