Seite 2: Der Klub der verschmähten Talente

Denn bis­lang waren Öde­gaards Leih­sta­tionen Ver­eine, von denen man nur wenig mit­be­kommt. Ver­eine, die man belä­chelt. Vitesse Arn­heim, SC Hee­ren­veen. Dass er mit 19 Jahren in der ver­gan­genen Saison elf Tore schoss und zwölf vor­be­rei­tete – geschenkt. Ist ja nur Hol­land. Doch nun ist er in San Sebas­tián und das scheint der per­fekte Ort für Öde­gaard zu sein. Nicht nur, weil er end­lich das Ram­pen­licht bekommt, nein, Real Sociedad spielt offen­siven Fuß­ball, möchte den Ball halten und ihn in ent­schei­denden Momenten mög­lichst schnell und prä­zise zu den sehr talen­tierten Stür­mern bringen. Ein Spiel­stil, der sehr gut zum jungen Nor­weger passt. Doch ebenso wichtig wie die spie­le­ri­sche Aus­rich­tung ist, dass hier auch seine Team­kol­legen zu ihm passen. Denn er ist einer von ihnen. Sie ver­stehen, was er durch­ge­macht hat, wie es sich anfühlt, der talen­tierte Neu­ein­steiger zu sein. Das Wun­der­kind, das den Durch­bruch bei einem großen Verein sucht, das den Neid der gestan­denen Bank­drü­cker zum Kochen bringt. 

Neben ihm spielt Adnan Januzaj, ehe­ma­liger Pos­terboy von Man­chester United, der weder bei seiner Leihe in Dort­mund, noch in Sun­der­land beweisen konnte, dass er gut genug für den einst größten Verein der Insel war, bis dieser schließ­lich die Geduld verlor und den damals 22-Jäh­rigen für 8,5 Mil­lionen Euro an Real Sociedad ver­kaufte. Vor ihm spielt regel­mäßig Alex­ander Isak, der 20-Jäh­rige, der nicht in Dort­mund, eher noch bei seiner Leihe in die nie­der­län­di­sche Mit­tel­klasse bei Willem II, dau­er­haft zeigen konnte, dass er für Grö­ßeres berufen ist. Sein Ersatz ist Wil­lian José, der mit 27 Jahren schon bei neun Ver­einen spielte, unter anderem bei Real Madrid. Hinter Öde­gaard sichern Mikel Merino, 23, eben­falls bei Dort­mund aus­sor­tiert, und Real-Expe­ri­ment Asier Illar­ra­mendi seine Offensiv-Aktionen ab. 

In spä­tes­tens zehn Jahren bei Real Madrid

Mit dieser Truppe, einer Mischung aus hoch­ta­len­tierten Aus­sor­tierten, gestan­denen Profis wie Tor­hüter Miguel Moyà und Eigen­ge­wächsen wie Oyarzabal, schafft es Öde­gaard her­aus­zu­ste­chen und unver­zichtbar zu werden. Er stand bis­lang jede Minute auf dem Platz, hat über 28 Chancen kre­iert. Nur Toni Kroos, José Cam­paña, Denis Suarez und Santi Cazorla haben mehr. Mit seinen 511angekommenen Pässen ist er der fünf­zehnt-beste Pass­geber der Liga. Öde­gaard wirkt wahn­sinnig abge­klärt im Zen­trum von Real Sociedad. Ein moderner Spiel­ma­cher, der töd­liche Bälle spielen und gefähr­liche Konter stoppen kann. 

Doch egal wie gut Öde­gaard spielt, solange er bei Real Madrid nicht in der Start­for­ma­tion steht, wird der junge Mann als geschei­tert gelten. Mein Traum ist es, bei Real Madrid zu spielen“, sagte der 20-Jäh­rige Anfang Oktober. Doch zunächst einmal wird er sich bei Real Sociedad um die Offen­sive küm­mern. Min­des­tens noch dieses Jahr, danach haben Spieler und Ver­eine die Opiton, die Leihe zu ver­län­gern. Ich werde nicht vor­zeitig abbre­chen“, sagte Ode­gaard. Ich spiele mitt­ler­weile mehr wie ein Erwach­sener. Ich glaube, Real Sociedad ist der rich­tige Ort, wenn man das Ziel hat, bei Real Madrid zu landen. Und ich hoffe, dass das inner­halb der nächsten zehn Jahre pas­sieren wird.“ Öde­gaard wäre dann höchs­tens 30.