In der Nacht, in der You­s­ouffa Mou­koko debü­tierte, fand der 16-jäh­rige Stürmer keinen Schlaf. Im Ber­liner Olym­pia­sta­dion hatte es einen Tag nach seinem 16. Geburtstag nur für ein paar Minuten gelangt. Die Welt hatte für ihn ein­ge­schaltet und dann einen Vie­rer­pack von Erling Haa­land bekommen.

Auf seiner Inter­viewrunde später erzählte Haa­land vom größten Stür­mer­ta­lent der Welt, von You­s­ouffa Mou­koko eben. Er, sagte der Nor­weger, sei 20 und jetzt offi­ziell alt. Dann ver­schwand er, halb über Lucien Favre schimp­fend. So gerne hätte er fünf Tore erzielt.

Im Sta­dion schwieg Mou­koko, aber bis weit nach Mit­ter­nacht schrie er dann im Internet seine Freude in die Welt. Am nächsten Morgen dau­erte es sechs, sieben Minuten, um sich durch seine Insta­gram-Story zu kli­cken. Er wirkte unglaub­lich glück­lich.

Bei seinen Groß­el­tern in Yaounde, Kamerun auf­ge­wachsen, kam Mou­koko als 10-Jäh­riger im Jahre 2014 zu seinem Vater nach Ham­burg. Den Fuß­ball hatte er bereits in Kamerun lieben gelernt. Dort hatte er 2009 Messi und Eto’o in der Cham­pions League gesehen. Da wollte er hin. Er träumte sich in die euro­päi­schen Sta­dien. In Deutsch­land ange­kommen, ging es dann schnell.

Mou­koko ist 16 Jahre alt – und schon ein Vor­bild

Von der ersten Trai­nings­ein­heit mit Turn­schuhen zum Hoff­nungs­träger eines ganzen Landes hatte es gerade einmal fünf Jahre gedauert, die letzten drei davon gepflas­tert mit 141 Toren in 88 Spielen für die Jugend­mann­schaften des BVB. Manchmal erzielte er so viele Tore, dass die geg­ne­ri­schen Fans den Ver­stand ver­loren.

Wäh­rend immer neue Wun­der­dinge über diesen Jugend­li­chen erzählt wurden, fand Mou­koko, der nun von Messi Geburts­tags­ge­schenke erhielt, den Weg in die Träume anderer Jugend­li­cher, die eben­falls aus Afrika nach Deutsch­land gekommen waren. Deren Leben war nicht so grad­linig ver­laufen. Sie hatten ihre Heimat ver­lassen, um ein neues Leben zu beginnen. Nicht mit dem Flug­zeug, son­dern auf der beschwer­li­chen Flücht­lings­route. Und jetzt waren sie hier in Deutsch­land. Das Leben aber blieb ein steter Kampf.

Fuß­ball ist natür­lich ein großes Thema unter den Geflüch­teten“, sagt Janina Meye­ringh von Xenion, einem Ber­liner Verein für psy­cho­so­ziale Hilfe für poli­tisch Ver­folgte. Und Mou­koko ist da in den letzten Monaten ein Ice­breaker geworden, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Da können sie ando­cken, das ist ganz wichtig für den Bezie­hungs­aufbau.“

Für die, denen Fuß­ball alles bedeutet, wird das Spiel in den ersten Monaten in Deutsch­land ihr sicherer Ort. In ihrer Heimat haben sie die Spiele der deut­schen Teams gesehen, Bas­tian Schwein­s­teiger im WM-Finale 2014 bewun­dert und davon geträumt, auch irgend­wann einmal dort zu stehen.

Mou­koko ist ein Ice­breaker geworden, um ins Gespräch zu kommen“

Janina Meyeringh vom Verein Xenion

Sie fliehen nicht nach Deutsch­land, um hier Fuß­ball­profi zu werden“, sagt Meye­ringh. Aber natür­lich sind Geschichten wie die von Mou­koko ein Pull­faktor, wenn es darum geht zu ent­scheiden, wel­chen Traum sie leben wollen. Der Fuß­ball hier bietet ihnen einen Rie­sen­traum.“

Doch wie es so ist: Die meisten Träume bleiben Träume. Nur wenige schaffen den Sprung in den Pro­fi­fuß­ball, viele der Geflüch­teten sehen sich bald mit der harten Rea­lität kon­fron­tiert. Sie sind talen­tiert, sie trai­nieren hart, doch dann schei­tern sie. An sich und ihren Pro­blemen. Sie schei­tern am All­tags-Ras­sismus auf den Sport­plätzen des Landes, den zu ver­dauen ihnen irgend­wann nicht mehr gelingt.

Der Fuß­ball ist immer der erste Ort“, sagt Meye­ring. Aber es gibt einige, die dann Ras­sis­muser­fah­rungen machen und ein­fach auf­hören. Der Traum ist groß, aber er birgt viele Gefahren. Manchmal bekommen sie über das Spiel eine Sta­bi­lität in ihre Leben, manchmal wird alles erst einmal kom­pli­zierter. Sie fangen mit großen Träumen an, dann platzen sie. Aber trotzdem ist das natür­lich unbe­dingt gut, wenn Spieler wie Mou­koko zeigen, dass Träume wahr werden können.“