Ralf Minge, wie sehen Sie als ehe­ma­liger Sport­di­rektor die Ent­wick­lung bei Dynamo?

Ralf Minge: Im Zusam­men­hang mit der Sta­di­on­nut­zung wurde nach meinem Rück­tritt ein Ver­trag unter­schrieben, deren Para­meter die Exis­tenz des Ver­eins gefährden. Daran hat sich nichts geän­dert. Der Verein braucht eine län­ger­fris­tige Pla­nungs­si­cher­heit, als nur eine Unter­stüt­zung durch die Stadt für ein oder zwei Jahre. Außerdem fehlt dem Klub durch die Belas­tungen aus den Ver­trägen etwa mit der Kino­welt die Hand­lungs­frei­heit. Fakt ist aber, das man mit dem neuen Sta­dion und der Umstruk­tu­rie­rung einen Schritt nach vorne gemacht hat.

Die Geschäfts­füh­rung strebt an, die Sta­di­on­miete von aktuell 2,4 Mil­lionen Euro durch Zuschüsse der Stadt auf 500.000 Euro zu senken.

Ralf Minge: Das Ziel von der jet­zigen Geschäfts­füh­rung geht ganz klar in die Rich­tung dessen, was ver­tretbar ist. Aber das haben wir vor ein paar Jahren auch ver­sucht, aber es hat nicht geklappt.

Sie haben damals vor­ge­schlagen, statt der von der Stadt vor­ge­legten Sta­di­on­nut­zungs­ver­träge, die den Verein exis­ten­ziell belas­teten, lieber in ein Sta­dion nach Leipzig umzu­ziehen.

Ralf Minge: Ein hilf­loser Ver­such, um ein biss­chen Druck zu machen. Ich habe doch nicht ernst­haft erwogen, nach Leipzig umzu­ziehen. Als ehe­ma­liger Spieler und Funk­tionär hat doch kaum jemand eine engere Bin­dung zum Klub und zum Standort als ich. Ich habe damals bloß eine Alter­na­tive auf­ge­zeigt, um diesen lang­fris­tigen Ver­trag zur Sta­di­on­nut­zung nicht zu unter­schreiben und auf die enormen Kosten hin­zu­weisen. Aber es hat nichts genutzt. Ein Umdenken hat bei der Stadt nicht statt­ge­funden.

Die große Repor­tage Letzte Aus­fahrt Dresden“ im aktu­ellen 11FREUNDE-Heft »

Reiner Cal­mund kennt von Ihnen die schwie­rige Gemenge­lage, den­noch steht er dem Klub bera­tend zu Seite. Warum tut er sich das an?

Ralf Minge: Er hat eine enge emo­tio­nale Bin­dung zum Klub, kennt Dynamo schon seit der Wende sehr gut. Er war mit mir viele Male in Dresden und hat auch mit der Ober­bür­ger­meis­terin und dem Finanz­bür­ger­meister zusammen gesessen. Wenn er das jetzt nicht hin­kriegt oder der aktu­elle Auf­sichtsrat, dann weiß ich auch nicht, wer für den Klub noch eine Wende erwirken soll.

Wenn Sie eine aktu­elle Pro­gnose abgeben müssten, wie groß ist die Chance, dass die Stadt dem Klub ent­ge­gen­kommt?

Ralf Minge: Die Frage ist nicht, ob sie dem Verein ent­ge­gen­kommt, denn sie zahlt aktuell eine Mil­lion Euro pro Jahr als Zuschuss. Ent­schei­dend ist, für wel­chen Zeit­raum? Zweimal ein Jahr Unter­stüt­zung bedeutet für einen Pro­fi­verein keine Pla­nungs­si­cher­heit, wenn er lang­fristig Spieler binden will. Nur wenn eine län­ger­fris­tige Zusage von der Stadt erreicht werden könnte, wäre das ein Quan­ten­sprung für den Klub.