Seite 4: „Immer von diesem Moment geträumt“

Hubert Wind­sperger: Das gefähr­liche Mit­tag­essen“

20 RZ

1:1 hieß es am 34. Spieltag der Saison 1965/66 zwi­schen Werder Bremen und Bayern München. Und Hubert Wind­sperger hatte sein ein­ziges Bun­des­li­ga­spiel absol­viert.

Ich spielte mit Franz Becken­bauer in der A‑Jugend und war zwi­schen 1964 und 1966 Ver­trags­spieler beim FC Bayern. In dieser Zeit stand ich eigent­lich immer im Kader der Profis, lief aber zumeist in der Reser­ve­liga Süd auf. Am 28. Mai 1966, es war schon der 34. Spieltag, durfte ich auswärts gegen Werder Bremen ran, wir spielten Unent­schieden. Beson­ders in Erin­ne­rung geblieben ist mir etwas anderes. Nach dem Trai­ning ging die ganze Mann­schaft in der Regel zusammen Mit­tag­essen. Unser jugo­sla­wi­scher Trainer Zlatko Caj­kovski, den wir hinter vor­ge­hal­tener Hand den kleinen Dicken“ nannten, hat sehr darauf geachtet, dass wir aus­rei­chend und gut essen. Er ist dann immer durch die Reihen gegangen und hat mit dem Finger unser Essen pro­biert. Dem schon etwas älteren Tor­wart Fritz Kosar hat das irgend­wann gar nicht mehr gefallen. Er meinte, Caj­kovski solle die Finger aus seinem Essen nehmen. Caj­kovski machte aber weiter. Dar­aufhin haute ihm Kosar mit dem Messerrücken auf die Finger und brach dem Trainer dabei zwei Finger. Danach hat er nie wieder gespielt, ab dem Zeit­punkt war Sepp Maier unan­tastbar. Der Rest ist Geschichte.

David Jarolim: Immer von diesem Moment geträumt“

100 pro imago sport 1 77394 High Res RZ

David Jarolím verlor mit den Bayern in der Saison 1998/1999 1:2 in Kai­sers­lau­tern. 10 Minuten stand er für die Münchner auf dem Platz.

Imago Images

Als mich Ottmar Hitz­feld her­an­rief und sagte, dass ich gleich für Ali Daei ins Spiel kommen werde, fing es in meinem Körper an zu krib­beln. Diens­tag­abend, Flut­licht­spiel, aus­ver­kaufter Bet­zen­berg, ohren­be­täu­bender Lärm. Das war gigan­tisch. Ich streifte mir das Trikot mit der 31 über und sprin­tete hoch­mo­ti­viert aufs Feld. Seitdem ich als kleines, 16-jäh­riges Kerl­chen von Prag nach Mün­chen gewech­selt war, hatte ich immer von diesem Moment geträumt. Dass wir den 1:2‑Rückstand gegen Lau­tern nicht mehr drehen konnten, war ärger­lich. Noch viel ärger­li­cher aber war, dass ich danach nie wieder die Chance bekam, mich unter Hitz­feld in der Bun­des­liga zu beweisen. Als Klaus Augen­thaler dann im März 2000 Trainer in Nürn­berg wurde, erkun­digte er sich direkt nach mir. Schließ­lich kannte er mich noch aus seiner Zeit als Co-Trainer von Gio­vanni Tra­pat­toni. Der Verein war ein­ver­standen, ich auch. Zusammen mit meinen Kum­pels Nisse Johannson und Frank Wiblis­hauser wech­selte ich von den Bayern zum Club in die 2.Liga. Obwohl meine Pro­fi­kar­riere erst in Nürn­berg und später beim HSV so richtig in Fahrt kam, werde ich das Spiel auf dem Betze nie ver­gessen. Das Trikot von meinem ersten Bun­des­li­ga­spiel mit dem Opel-Zafira-Schriftzug hängt noch immer bei mir zuhause im Schrank.