Herr Köchy, bei der Klein­feld-WM in Lis­sabon hat Deutsch­land den Titel geholt. Herz­li­chen Glück­wunsch dazu! Was hat Bun­des­trainer Malte Fro­eh­lich besser gemacht als Jogi Löw?

Einer der größten Unter­schiede liegt darin, dass wir beim Klein­feld­fuß­ball mit reinen Ama­teuren antreten, wo die Gier und der Hunger mit­unter noch größer sind als bei den Profis. Unseren Jungs ist natür­lich klar, dass Jogi Löw nicht mehr anrufen wird, und des­halb hat sich mit dem Tur­nier in Por­tugal der Traum eines jeden Kickers, sein Land bei einer Welt­meis­ter­schaft zu reprä­sen­tieren, doch noch erfüllt. Da haut man dann natür­lich alles rein. Dazu kommt, dass Löw als Titel­ver­tei­diger nach Russ­land gefahren ist, wäh­rend Malte Fro­eh­lich und das Team dahin­ge­hend völlig unbe­lastet waren.

In Watu­tinki sollen sich einige Spieler an der Play­sta­tion die Nächte um die Ohren gehauen haben, bis der DFB das Netz­werk kappte. Wie oft musste im Lis­sa­boner Hotel das WLAN-Netz­werk abge­schaltet werden?

(lacht.) Das war so langsam, dass da keine Gefahr bestand. Wir hatten zwar eine Play­sta­tion, aber die stand die meiste Zeit nur beim Funk­ti­ons­team rum, weil die Gepäck­be­stim­mungen so streng waren, dass die keiner aus der Mann­schaft noch in den Koffer bekommen hat. Aber Spaß bei­seite, der Spiel­plan war so eng getaktet, dass wir sowieso kaum Frei­zeit hatten. Die Klein­feld-WM wird zwar auch mit 32 Mann­schaften aus­ge­tragen, aller­dings dauert das Tur­nier nur eine Woche. Die Spiel­zeit beträgt zwar nur 2×20 Minuten. Aber das ist natür­lich wahn­sinnig intensiv, weil jeder Fehler sofort bestraft wird.

Sie spielen im Klein­feld­be­reich mit je fünf Feld­spie­lern und einem Tor­wart. Inwie­weit spielen tak­ti­sche Aspekte und Spiel­sys­teme in diesem Bereich eine Rolle?

Im klas­si­schen Fünf-gegen-Fünf im Hob­by­bereich ist es ja so, dass jeder Spieler quasi auf jeder Posi­tion spielt. Bei uns ist das ein biss­chen anders, das heißt, dass wir schon unter­schied­liche Tak­tiken haben. In der Regel spielen wir ein Dreier Aufbau“, mit drei Auf­bau­spie­lern, einem Spieler im Mit­tel­feld und einem klas­si­schen Neuner. Es gibt aber auch große Unter­schiede zwi­schen den Län­dern. Unser Gegner im Vier­tel­fi­nale, die USA, hat zum Bei­spiel gespielt wie Leeds United 1978. Aus­schließ­lich Kick and Rush, das habe ich vorher noch nie gesehen. Aller­dings gibt es auch sehr Futsal-geprägte Länder wie Spa­nien oder Kasach­stan, die viel mit fla­chen Pässen agieren, und auch den Tor­hüter in das Angriffs­spiel mit ein­be­ziehen.

Sie haben jetzt schon das Vier­tel­fi­nale gegen die USA ange­spro­chen, aber lassen Sie uns noch kurz über die Grup­pen­phase zu spre­chen. Die deut­sche Mann­schaft stand nach einem Sieg und einer Nie­der­lage aus den ersten beiden Par­tien vor dem letzten Grup­pen­spiel gegen Angola stark unter Druck. Wie lief die Vor­be­rei­tung auf diese vor­ent­schei­dende Partie ab?

Bei allem Spaß, den man bei so einem Tur­nier natür­lich hat, haben wir nach dem zweiten Grup­pen­spiel gegen Kroa­tien (0:2) gemerkt, dass unsere Mann­schaft vom Kopf her nicht frei war. Das ist natür­lich auch ver­ständ­lich, wenn man als Ama­teur zu einer WM fährt und auf einmal sein Land reprä­sen­tiert, in einem extra für das Tur­nier gebauten Sta­dion auf­läuft und alle Freunde zu Hause im Live­stream zugu­cken. Zum Glück hatten wir zwi­schen dem Spiel gegen Kroa­tien und dem dritten Grup­pen­spiel einen Tag frei, den wir dazu genutzt haben, nur ganz leicht zu trai­nieren und ansonsten den Spie­lern frei zu geben. Ich glaube, dass das am Ende die ent­schei­dende Maß­nahme war, denn gegen Angola war die Leich­tig­keit wieder da, und wir haben letzt­lich sou­verän gewonnen.