Seite 2: Die große Liebe Jay Jay

Bestimmt gab es zwi­schen 1992 und 1996 Fuß­baller, die wich­tiger für den Erfolg von Ein­tracht Frank­furt waren, als Jay Jay Okocha. Aber Fuß­ball­fans denken nicht immer mit dem Kopf. Häufig mit dem Bauch, meis­tens mit dem Herzen. Und Jay Jay Okocha war wie geschaffen, um die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. Er war jung und als er alt wurde, merkte man das nicht, weil er immer noch so spielte wie ein kleiner Junge. Ein­fach drauflos. Er konnte Dinge mit dem Ball, die kein anderer Fuß­baller konnte. Jeden­falls nicht im Bun­des­liga-Fuß­ball der neun­ziger Jahre. Er kam aus Nigeria, das war exo­tisch. Er hieß nicht Hans-Peter, Ralf oder Frank, er hieß Jay Jay. Okocha musste man nicht respek­tieren, fürchten oder aner­kennen. Jay Jay musste man lieben.

Okocha kos­tete der Ein­tracht 25.000 DM

Er war erst 17, als ihm seine Eltern zum bestan­denen Abitur eine Reise nach Deutsch­land schenkten. Er besuchte seinen Bruder Ema­nuel, der damals sein Glück im deut­schen Fuß­ball suchte (und es im Ver­gleich zu seinem kleinen Bruder nicht fand). Der Legende nach beglei­tete er einen Kumpel seines Bru­ders zum Trai­ning der Ober­liga-Mann­schaft von Borussia Neun­kir­chen. Die wollten ihn gleich dabe­halten und Jay Jay blieb. Zwei Jahre spielte er in der Ober­liga Süd­west. Dann tauchte eines Tages ein beleibter Mann mit Schnauz­bart und Son­nen­brille am Spiel­feld­rand auf. Wie heißt du?“, fragte der Mann den Drib­bel­könig von Neun­kir­chen. Jay Jay“, ant­wor­tete der. Was machst den Rest des Tages, wenn du hier nicht Fuß­ball spielst?“ Schlafen.“ Dann“, sagte der Schnauz­bart mit der Son­nen­brille, kannst du auch zu uns zum Trai­ning kommen.“ Ein­tracht-Frank­furt-Trainer Dra­goslav Ste­pa­novic hatte den seiner Mei­nung nach ori­gi­nellsten Spieler seit Pelé“ ent­deckt. Jay Jay Okocha kos­tete 25.000 DM.

Okocha hat auch eine beein­dru­ckende Kar­riere außer­halb von Frank­furt vor­zu­weisen. 1994, 1998 und 2002 führte er seine Natio­nal­mann­schaft zur Welt­meis­ter­schaft, 1996 wurde er mit dem legen­dären Super Eagles“ Olym­pia­sieger. Er spielte in Istanbul und bekam den tür­ki­schen Pass. Seitdem heißt er Muhammed Yavuz. 1998 wech­selte er zu Paris St. Ger­main, von 2001 bis 2002 zau­berte er dort gemeinsam mit Ronald­inho. Bis heute hält sich in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt das Gerücht, Okocha habe dem Bra­si­lianer dessen schönste Tricks erst bei­gebracht. Vier Jahre ver­zückte er die Fans der Bolton Wan­de­rers, auf den Tri­bünen trugen sie Shirts mit der Auf­schrift Jay Jay – so good, they named him twice“. So gut, dass er gleich zwei Namen bekam. Noch ein Jahr Katar, noch ein Jahr Hull City, das lang­same Austru­deln einer Kar­riere. 2008 been­dete Okocha seine Lauf­bahn.