Seite 3: Eiertänze unter Don Jupp

Was wirk­lich blieb und bleiben wird sind die Jahre bei Ein­tracht Frank­furt. Unglaub­liche Tricks, wie der Hackentrick gegen den Dres­dener Sven Kmetsch am 20. Februar 1993. Wun­der­schöne Tore. Das auf­re­gende Gefühl, jeder­zeit ein Spek­takel zu erleben, wenn er den Ball bekam. Viel­leicht war das mehr Zirkus, als Pro­fi­fuß­ball. Draht­seil­akte ohne dop­pelten Boden. Aber das machte Jay Jay Okocha doch erst so span­nend. Liebe macht eben blind.

Nicht alle seine Trainer trugen die rosa-rote Brille wie der Lebbens“-Künstler Ste­pa­novic. Dessen Nach­folger Horst Heese konnte den Kunst­stück­chen nur wenig abge­winnen, nahm den Offen­siv­mann wenige Wochen nach seinem Start in Frank­furt zur Seite und sagte: Okocha, das ist dein vor­letztes Trai­ning. Dann wirst du wieder bei den Ama­teuren spielen.“ Jupp Heynckes, auch er kein Freund selbst­ver­liebten Ein­zel­kön­nern, nannte Okochas Dribb­lings Eier­tänze“ und als der sich später von seinem Kumpel Tony Yeboah zu einem Spiel­boy­kott über­reden ließ, schmiss Heynckes neben den Rädels­füh­rern Mau­rizio Gau­dino und eben Yeboah auch Okocha aus der Mann­schaft. Später begna­digte er ihn zwar wieder, aber die Fans in Frank­furt haben Heynckes diesen Akt der Macht­de­mons­tra­tion bis heute nicht ver­ziehen.

.…und genießen sie…

Heute wird Jay Jay Okocha 44. Vier Jahre zuvor auf den Geburtstag ange­spro­chen ange­spro­chen, reagiert sein ehe­ma­liger Mit­spieler Axel Kruse ent­setzt: Der wird schon 40? Kann ich nicht glauben.“ Wahr­schein­lich wird Okocha auch für Axel Kruse immer ein kleiner Junge bleiben. Oder zumin­dest ein Fuß­baller, der nie erwachsen wird. Dessen Wirken fest­ge­froren ist in elf Sekunden im Straf­raum von Oliver Kahn. Kommen Sie nah an den Monitor heran und genießen Sie.