In Ihrer Lauf­bahn gab es einige Glanz­lichter. Unter anderem den Sieg im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister 1983 mit dem HSV, Vize-Welt­meister 1986 und den UEFA-Pokal­sieg 1988 mit Lever­kusen. Wel­ches war Ihre schönste Profi-Sta­tion?

Das Double mit dem HSV war phan­tas­tisch. So etwas mit­zu­er­leben ist natür­lich toll. Aber nahezu alle Sta­tionen waren erfolg­reich. Ganz gleich ob Bre­mer­haven, For­tuna Köln, Straß­burg, HSV, Lever­kusen oder Karls­ruhe. Wenn es nicht gut lief, lag es zumeist an Ver­let­zungen – zum einen in Uer­dingen unter Horst Woh­lers, zum anderen beim 1. FC Köln unter Morten Olsen.

Ver­let­zungen, von denen Sie aber wei­test­ge­hend ver­schont geblieben sind.

Ja, zum Glück hatte ich nie etwas mit den Knien. Sonst das Übliche: Schul­ter­ver­let­zungen, ein­ge­klemmte Nerven, Sprung­ge­lenks- und Ober­schenkel-Ver­let­zungen, ein ange­bro­chenes Waden­bein.



Es ist auf­fällig, dass Sie in vielen legen­dären Teams gespielt haben. So auch von 1991 bis 1994 beim KSC.

Das war eine Riesen-Zeit. Damals haben wir sicher­lich ein Stück weit Geschichte geschrieben, vor allem beim 7:0 gegen Valencia.

Wir haben neu­lich mit Euro-Eddy und Jörg Dah­l­mann über das legen­däre Spiel gegen die Spa­nier gespro­chen. Und immer wieder ist der Name Wolf­gang Rolff gefallen.

Zum Zeit­punkt des Spiels befand sich der KSC per­so­nell im Umbruch. Es wurden Spieler geholt, die bei ihren vorigen Ver­einen nicht so erfolg­reich waren – Manni Bender, Ser­geij Kir­jakov oder Valeri Schmarov zum Bei­spiel. Und bei vielen jungen Spie­lern, die mit dem KSC noch in die Bun­des­liga auf­ge­stiegen sind, war ledig­lich der Klas­sen­er­halt das Ziel. Ich hin­gegen habe behauptet, wir würden oben mit­spielen. Anfangs wurde ich daher für ver­rückt erklärt. Am Ende waren wir spie­le­risch richtig gut, was man vor allem bei dem Spiel gegen Valencia gesehen hat.

Waren Sie es, der dem Team den nötigen Willen ein­ge­impft hat?

Ja, aber es hat ein halbes bis drei­viertel Jahr gedauert, bis die Mann­schaft daran geglaubt hat – letzt­lich hat es funk­tio­niert. Und was unter dem Strich dabei her­auskam, ist bekannt: Wir haben eine phä­no­me­nale UEFA-Cup-Runde hin­ge­legt, rund zwei­ein­halb Jahre im oberen Drittel der Bun­des­liga mit­ge­mischt und hatten nichts mit dem Abstieg zu tun. Bei­spiels­weise hat Bayern Mün­chen zu meiner Zeit kein mal in Karls­ruhe gewonnen.

Und Sie waren damals Kapitän. So wie in nahezu all Ihren Sta­tionen.

Ich war überall Kapitän, wenn ich das mal so sagen darf (lacht) …

Überall?

Fast überall. Bei For­tuna Köln als 19-jäh­riger Junioren-Natio­nal­spieler, dann beim HSV Ersatz-Kapitän für Felix Magath und Dietmar Jacobs. In Uer­dingen und Straß­bourg habe ich dann wie­derum die Binde getragen. In Karls­ruhe dann nur noch mit Abstri­chen, weil ich zu Winnie Schäfer sagte, dass ich nicht unbe­dingt Kapitän sein muss, um mich in die Mann­schaft ein­zu­bringen – ich werde ohnehin sagen, was ich zu sagen habe. Genauso war es beim FC Köln, da war ich Ersatz-Kapitän.

Sie gelten als ruhiger Mensch. Wie kommt es, dass ein sol­cher Spie­lertyp sofort zum Leit­wolf wird?

Meis­tens geht es über Leis­tung und die damit ver­bun­dene Aner­ken­nung. Wenn die über einen langen Zeit­raum abge­rufen werden kann, ist man prä­de­sti­niert für eine Füh­rungs­rolle. So habe ich das in meiner gesamten Lauf­bahn erfahren.

Aber als 19-jäh­riger?

Ich war Junioren-Natio­nal­spieler und die For­tuna in der Zweiten Bun­des­liga. Man hat es mir halt zuge­traut.

Wer hat Ihnen die Leader-Men­ta­lität mit­ge­geben oder trägt man diese Eigen­schaft in sich?

So etwas ent­wi­ckelt sich im Laufe der Zeit. Das A und O ist der Hunger nach Erfolg. Und ich wollte schon als 19-jäh­riger nach oben. Diese Men­ta­lität hat mir geholfen, mich durch­zu­setzen. Wenn man dann als Natio­nal­spieler und Vize-Welt­meister nach Karls­ruhe, Lever­kusen oder Straß­burg wech­selt, hat man einen gewissen Back­ground, der für jün­gere Spieler, aber auch den Trainer für wichtig ist.



Am Anfang Ihrer Lauf­bahn galten Sie euro­pa­weit als Super¬-Talent im defen­siven Mit­tel­feld. Trotz Ihrer bewegten Lauf­bahn hat es aber für keine inter­na­tio­nale Lauf­bahn gereicht.

Immerhin habe ich 36 mal für Deutsch­land gespielt, an zwei Euro­pa­meis­ter­schaften und einer Welt­meis­ter­schaft teil­ge­nommen.

War nicht noch mehr drin?

Man muss natür­lich dazu sagen, dass ich auf meiner Posi­tion Lothar Mat­thäus vor mir hatte. Und Lothar war damals in den Medien sehr prä­sent und von seiner Art ganz anders als ich. Für mich war es wich­tiger, mich in den Dienst der Mann­schaft zu stellen, anstatt mich selber in ein gutes Licht zu rücken. Lothar hat mit seiner Fresse ganz anders jon­gliert, als ich das getan habe. Aber er war auch ein anderer Spie­lertyp – offen­siver und dyna­mi­scher. Ich habe eher für die Mann­schaft in der Defen­sive gear­beitet.

Sie haben sich stets in den Dienst der Mann­schaft gestellt. Waren Sie daher auch so häufig die rechte Hand der Trainer?

Ver­mut­lich. Mit den meisten hatte ich halt ein wirk­lich gutes Ver­hältnis. Da bleibt es nicht aus, dass man, auch wegen dem Kapi­tänsamt, als ver­län­gerter Arm des Trai­ners gilt. Die ein­zige Aus­nahme war der 1. FC Köln. Zwi­schen mir und Morten Olsen hat die Chemie nicht gestimmt. Und letzt­lich habe ich den Ver­trag auf­lösen lassen.

Und zu wel­chem Trainer pflegten Sie ein beson­ders inniges Ver­hältnis?

Zu Ernst Happel und Erich Rib­beck. Aber vor allem auch zu Egon Coordes in Bre­mer­haven. Er hat mich in punkto Durch­set­zungs­ver­mögen sehr stark geprägt. Man musste ja damals den inneren Schwei­ne­hund stärker bekämpfen, als heut­zu­tage – im Trai­ning ging es da noch ganz anders zur Sache.

Sie haben mit Trai­nern wie Happel, Rib­beck, Olsen, Schäfer oder Vogts zusam­men­ge­ar­beitet. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Natür­lich habe ich von jedem etwas über­nommen. Wer eine Mann­schaft führen will, braucht jedoch seinen eigenen Stil. Auf­fällig ist, dass ich als Aktiver in Mann­schaften war, für die das Spie­le­ri­sche im Vor­der­grund stand. Das hat mich in meinem Fuß­ball-Ver­ständnis geprägt.

Wann keimte der Wunsch auf, Trainer zu werden?

Sehr früh. Denn schon als Spieler war mir klar, dass ich Trainer werde.

Sie sind nun 47 Jahre alt. Wann arbeiten Sie wieder als Chef­trainer?

Das ist immer ein Thema. Aber es hängt davon ab, in wel­chem Club man beschäf­tigt ist und was dort für Mög­lich­keiten bestehen. Wenn man in Lever­kusen Vierter wurde, sich für die Cham­pions-League qua­li­fi­ziert, dann ist es schwer nach­voll­ziehbar, warum der Ver­trag auf­ge­löst wird. Ähn­lich war es in Stutt­gart, meiner zweiten Sta­tion als Chef­trainer. Außerdem habe ich mein Schicksal zumeist mit dem des jewei­ligen Chef­trai­ners ver­knüpft und bin eben­falls gegangen, wenn er ent­lassen wurde. Es war immer meine Art, zum Chef­trainer zu stehen. Immerhin habe ich die gesamte Arbeit mit­ge­tragen.

Wären Sie nicht prä­de­sti­niert gewesen, in die Fuß­stapfen Ihrer geschassten Chef-Trai­ners zu treten?

Nein, für mich ist es wichtig, dass der Chef­trainer die Rücken­de­ckung des Co-Trai­ners spürt. Genau das würde ich im umge­kehrten Falle auch ver­langen. Und für mich war es immer eine klare Sache, dann eben­falls zu gehen. Das ist eine Frage des Respekts.

Schreckt Sie das Bei­spiel Michael Henkes ab, der jah­re­lang als treuer und erfolg­rei­cher Co-Trainer von Ottmar Hitz­feld galt, als Chef­trainer jedoch bis­lang keinen Erfolg hatte?

Abge­schreckt bin ich nicht, schließ­lich weiß ich nichts über die Umstände. Weder über das dama­lige Umfeld in Kai­sers­lau­tern, noch zuletzt in Saar­brü­cken. Viel­leicht konnte er nicht umsetzen, was er im Kopf hatte. Seinen Fall kann ich nicht gut beur­teilen.



Beschreiben Sie bitte Ihren Alltag als Co-Trainer.

Haupt­auf­gabe ist die all­täg­liche Arbeit auf dem Trai­nings­platz. Dann kommen noch Aspekte wie Spiel­be­ob­ach­tung und Video-Aus­wer­tung hinzu.

Klingt über­schaubar. Aber Sie als Leit­wolf müssten doch prä­de­sti­niert sein, für mann­schaft­liche Geschlos­sen­heit zu sorgen. Wie erschafft man Zusam­men­halt in der Truppe?

Es ist wichtig, den Spie­lern das Gefühl zu geben, dass sie gebraucht werden. Und zwar von der Nummer 1 bis zur Nummer 22. Nur so wächst eine homo­gene Truppe heran. Als Trainer weist man dann den einen oder anderen Spieler darauf hin, mal einen gewissen Kol­legen in den Arm zu nehmen oder mit ihm essen zu gehen. Letzt­lich ist eine fami­liäre Anbin­dung an den Verein sehr wichtig.

Werder, eine Familie mit dem knor­rigen Vater Thomas Schaaf?

Wer ihn kennt, weiß, dass er nicht knorrig ist. Als Spaß­vogel will ich ihn nicht bezeichnen, aber er ist absolut offen – es ist ein ange­nehmes Zusam­men­ar­beiten. Knorrig stellt er sich mit­unter nur nach außen dar.

In der Familie herrscht ein Kommen und Gehen: Gegen­über der Meis­ter­mann­schaft von 2004 sind außer Klasnic, Bau­mann, Borowski, Schulz und Reinke keine Spieler mehr im Kader. Wie geht das, binnen so kurzer Zeit eine der­maßen homo­gene Truppe auf die Beine zu stellen?

Einige Spieler, die wir halten wollten, haben Werder ver­lassen. Anderen haben wir ans Herz gelegt, sich eine neue Per­spek­tive zu suchen. Daher war es erfor­der­lich, Neu­ein­käufe zu tätigen. Dabei sind für uns sind die Cha­rak­ter­züge genauso ent­schei­dend wie die Fle­xi­bi­lität auf meh­reren Posi­tionen. Darauf legen wir sehr großen Wert. Natür­lich wollen wir nette und auf­ge­schlos­sene Men­schen in der Mann­schaft haben. Aber jedes Team braucht Sau­hunde, die für Rei­bungs­punkte sorgen. Daher muss man ab und an einen holen, der unbe­quem ist. Man sieht es ja der­zeit am HSV, wie sehr ihnen ein Sergej Bar­barez fehlt.

Und wer ist der Sau­hund bei Werder?

Im Augen­blick haben wir keinen pro­vo­kanten Spieler im Kader. Johan Micoud war einer, der Reiz­punkte gesetzt hat. Und der­zeit ist Torsten Frings jemand, der sich ein­deutig zu Wort meldet.

Pflegen Sie eigent­lich auch ein pri­vates Ver­hältnis zu dem einen oder anderen Spieler?

Eher nicht. Natür­lich kommt es mal vor, dass man sich im Restau­rant über den Weg läuft. Und das ist dann auch ange­nehm. Aber wir ver­ab­reden uns nicht außer­halb des Platzes. Ich kann jedoch behaupten, mit allen ein gutes Ver­hältnis zu pflegen.

Diego spricht nur einige Bro­cken Deutsch. Den­noch hat er sich sofort inte­griert.

Das ist ein Rei­fe­pro­zess, der bereits in der Vor­be­rei­tung beginnt. Er spricht Eng­lisch. Das ist sicher­lich ein Vor­teil, denn bei uns spricht fast jeder Eng­lisch.

Werder ver­liert 2:0 in Bar­ce­lona, der CL-Traum ist geplatzt. Den­noch fer­tigt man Frank­furt im Tages­ge­schäft leicht und locker mit 6:2 ab. Nur drei Tage danach. Wie geht das?

Im ersten Moment waren die Köpfe unten. Aber wir haben die nötige Qua­lität, um im Tages­ge­schäft zu bestehen. Ent­schei­dende Fak­toren sind Kon­zen­tra­tion, Lauf­be­reit­schaft und das Zwei­kampf­ver­halten. Das spie­le­ri­sche Poten­zial ist ja vor­handen. Das wissen auch die Spieler.

Wer tritt eher auf die Eupho­rie­bremse, Thomas Schaaf oder Wolf­gang Rolff?

In diesem Punkt sind wir beide sehr ähn­liche Typen.

Weder Thomas Schaaf noch Sie stehen gerne im Ram­pen­licht.

Die Medi­en­land­schaft hat sich grund­le­gend geän­dert. Zu meiner aktiven Zeit waren nur ein oder zwei Jour­na­listen vor Ort, ab und an ein Kame­ra­team – nun sind es unzäh­lige. In der heu­tigen Zeit ist Fuß­ball ein Pro­dukt, das einen Markt bedienen muss. Und als Trainer muss man mit­spielen, das ist uns beiden klar.


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