Seite 2: Die Stimmung bleibt selten in Erinnerung

Beson­ders heim­stark sei der FC seit Jahren nicht mehr, in der zurück­lie­genden Saison siegten unter anderem Sand­hausen und der FSV Frank­furt auf St. Pauli. Nur bei bestimmten Par­tien steige der Lärm­pegel richtig an; meist seien das nicht die Spit­zen­spiele. Das Welt­po­kal­sie­ger­be­sie­ger­spiel gegen die Bayern oder der Pokalt­ri­umph über Werder Bremen 2006 blieben wegen ihrer sport­li­chen Bedeu­tung in Erin­ne­rung, nicht wegen der Stim­mung.“ Statt­dessen ver­wan­dele sich das Mil­l­erntor man­ches Mal zum Toll­haus, wenn es nie­mand erwarte. Das 3:2 gegen Greu­ther Fürth am dritten Spieltag 2015/16 war so eine Partie, eine der inten­sivsten und emo­tio­nalsten Begeg­nungen der letzten Jahre“, sagt Wulff. 

Das Mil­l­erntor prägt das Stadt­bild

Über die Laut­stärke auf den Rängen ließe sich lange streiten – zwei­fellos hat das Mil­l­erntor trotz Rekon­struk­tion nichts an Charme ein­ge­büßt. Mitten im Stadt­zen­trum steht der Bau mit der Back­stein­fas­sade, zwi­schen Fern­seh­turm und der Park­an­lage Planten un Blomen“, wenige Meter von Ree­per­bahn und Lan­dungs­brü­cken ent­fernt. Wäh­rend in anderen deut­schen Groß­städten Fuß­ball­fans per Shuttle-Bus in die Peri­pherie kut­schiert werden, kommen die Anhänger auf dem Kiez zu Fuß, per Rad und U‑Bahn zum Spiel – und schlen­dern nicht selten vor Anpfiff über den Ham­burger Dom, der drei Mal im Jahr statt­findet. Das Mil­l­erntor ist ein Ham­burger Ori­ginal, es prägt das Stadt­bild wie der Kirch­turm von St. Michaelis oder die Sil­hou­etten der Kran­an­lagen von Blohm+Voss. 

Typisch Ham­burg, darin sind sich schließ­lich auch Schwolow und Wulff einig, die beiden Ur-Han­seaten und lang­jäh­rigen Weg­ge­fährten des Kiez­klubs: Dieses Sta­dion ist ein Stück­chen Heimat“, beschreibt Wulff, der Sta­di­on­spre­cher, seinen Arbeits­platz. Heimat. Ja, das trifft es per­fekt“, sagt Schwolow und lächelt unter seiner schwarzen Toten­kopf­mütze. 

Heimat ist da, wo einer stirbt, nicht da, wo einer lebt“, sang einst Hans Albers, die Kiez­le­gende. Der Mythos mag tot sein – zu Hause ist er weiter am Mil­l­erntor.