Der Abriss von West Hams Boleyn Ground“, besser bekannt als Upton Park, Heimat der Ham­mers seit 1904 schreitet voran, nachdem der Klub das umge­baute Olym­pia­sta­dion im fünf Kilo­meter ent­fernten Strat­ford ange­mietet hat.

Schnell geht es dabei aller­dings nicht. Es ist ein lang­samer, schmerz­voller Abriss den die Anwohner ertragen müssen. Die Fuß­ball-Geräusch­ku­lisse ersetzt mitt­ler­weile der laute Lärm der Bau­stelle.

An der Stelle des Boleyn Ground“ ent­steht Upton Gar­dens“, ein tren­diger Wohn­block mit 842 Appart­ments, von denen 211 für finan­ziell schwä­cher gestellte Men­schen vor­ge­sehen sind. Die bri­ti­sche Daily Mail berich­tete diese Woche jedoch, dass die güns­tigste Ein-Zimmer-Woh­nung in der neuen Anlage 350.000 Pfund kosten wird, wodurch der Streit um tat­säch­lich bezahl­baren Wohn­raum auf ehe­ma­ligen Sport­an­lagen neu ange­facht wird. Die Bau­firma Bar­ratt Homes, die Upton Gar­dens“ in einem Kasino ankün­digte, hat beteuert, sie werde sicher­gehen, dass der Geist des Ortes fort­lebt.“

Das sehen viele anders. Zum Bei­spiel die Demons­tranten, die für 100 Pro­zent sozialen Woh­nungsbau in den Gar­dens“ pro­tes­tierten, statt der vor­ge­schrie­benen min­des­tens 25 Pro­zent. Stoppt die Ver­drän­gung von Newhams Woh­nungs­losen, baut ihnen Häuser!“ stand auf ihren Pla­katen draußen vor dem Pla­nungs­treffen im März 2016. Die Gegend hat seit län­gerer Zeit große Pro­bleme mit sozialer Ent­beh­rung und Woh­nungs­lo­sig­keit.

Long Live The Boleyn“

Wäh­rend der Boleyn Ground“ Block um Block zer­stört wird, ent­wi­ckelt sich in der Gemein­schaft um das ehe­ma­lige Sta­dion ein spür­bares Gefühl von im Stich gelassen werden. Die Ost-Tri­büne, gebaut im Jahr 1969 und früher Heimat des berühmten Steh­blocks Chi­cken Run“, ist schon platt, die Nord- und Süd­kurve, benannt nach West Hams Sirs Bobby Moore und Trevor Broo­king, haben rie­sige Bagger in Stücke gerissen.

Das Schlimmste steht aber noch bevor, wenn die West-Tri­büne, die größte Lon­dons, abge­rissen wird. Die Tri­büne mit ihren zwei großen, bur­g­ähn­li­chen Türmen wurde erst im Jahr 2001 gebaut. Ihr Abriss steht sym­bo­lisch für die Ver­schwen­dung eines funk­tio­nie­renden Sta­dions, von dem die Fans vieler anderer Klubs nur träumen können.

Das Gefühl der Ver­schwen­dung setzt sich fort in den kleinen Gassen rund um das ehe­ma­lige Sta­dion. Long Live The Boleyn“ steht in Graf­fiti auf den Wänden gegen­über der kleinen Geschäfte, die trotz des Ver­lusts des zen­tralen Ortes ihrer Nach­bar­schaft wei­ter­ma­chen wollen.