Seite 2: Ohne langfristige Aufenthaltsgenehmigung kein Spielerpass

Vor zwei Jahren grün­deten Carolin Gaf­fron und Arne Sprengel das Pro­jekt mit­hilfe der FSV Hansa 07, um Flücht­lingen das regel­mä­ßige Fuß­ball­spielen zu ermög­li­chen. Man möchte für das schwere und mit Vor­ur­teilen über­frach­tete Thema sen­si­bi­li­sieren, aber auch ein Unter­stüt­zungs­netz­werk für die Flücht­linge schaffen. Hansa 07 ist ein Kreuz­berger Urge­stein und liegt mitten im Brenn­punkt der Flücht­lings­pro­ble­matik, unweit der Ger­hard-Haupt­mann-Schule und dem Ora­ni­en­platz. Die beiden Initia­toren leiten das Trai­ning selbst. Wir hatten schon vorher mit dem Verein zu tun, und dann dachten wir uns, wenn wir schon an der Quelle sind, dann lassen wir doch Leute spielen, die sonst in dieser Form nicht die Mög­lich­keit haben.“

Es dauert, bis alle da sind und Carolin Gaf­fron mit dem Trai­ning beginnen kann. Die Jungen und Männer spre­chen wild durch­ein­ander: ara­bisch, fran­zö­sisch und deutsch. Es wird gelacht und rum­ge­al­bert, wie bei einer Schul­klasse, die end­lich mal ein biss­chen Ablen­kung von ihrem Alltag bekommt. Nur dass der Alltag nicht durch die Lan­ge­weile im Unter­richt bestimmt wird, son­dern durch die Angst, dass man morgen sein vor­über­ge­hendes Zuhause wieder ver­lassen muss.

Abdullah zeigt nur grin­send in Rich­tung des geg­ne­ri­schen Tores

Obwohl sich die Jungs auch eine gewisse Struktur im Trai­ning wün­schen, geht die Trai­nerin heute direkt zum internen Abschlusspiel über. Beschwerden kommen nicht auf. Wenn nur ein Übungs­leiter da ist, mache es am meisten Sinn, die Jungs ein­fach spielen zu lassen. An der Sei­ten­linie stehen noch ver­letzte Spieler und Begleit­per­sonen der Flücht­linge, um die sich Carolin Gaf­fron küm­mern muss. Sie wirft den Ball auf den durch­nässten Kunst­rasen und das Spiel geht los. Auf die Frage der Trai­nerin nach seiner Posi­tion zeigt Abdullah nur grin­send mit dem Finger in Rich­tung des geg­ne­ri­schen Tores. So genau nehmen es die 23 Jungen und Männer bei ihrem Trai­nings­spiel mit der Posi­ti­ons­treue nicht. 

Einige Spieler schafften durch Cham­pions ohne Grenzen“ den Sprung zu einem Verein, der auch im Liga­be­trieb aktiv ist, wie zum Bei­spiel Hansa 07. Anderen wurde dieser Schritt ver­wehrt, weil ihr Status dies nicht zulässt. Die Struk­turen der Fuß­ball­ver­bände machen eine Par­ti­zi­pa­tion der Flücht­linge am regu­lären Ver­eins­be­trieb so gut wie unmög­lich. Das ist auch der Grund, warum die Über­le­gungen, die wöchent­liche Trai­nings­gruppe der Cham­pions ohne Grenzen“ als Mann­schaft für den Liga­be­trieb anzu­melden, vor­erst auf Eis gelegt wurden. Der Auf­wand des damit ver­bun­denen Papier­krieges stünde in keinem Ver­hältnis zu dem Ertrag, sagt Carolin Gaf­fron. Inte­gra­tion ist beim DFB ein wich­tiges Thema – die Rea­lität sieht häufig anders aus. Dadurch müssen sich die meisten der Flücht­linge mit den Trai­nings- und Freund­schafts­spielen zufrieden geben.