Seite 3: Nicht sicher, ob er überhaupt in Deutschland bleiben kann

So auch Asaad. Am liebsten würde ich noch öfter spielen als einmal in der Woche. In einer rich­tigen Liga. Aber ich bin trotzdem froh dar­über. In meinem Bezirk in Gaza-Stadt gab es über­haupt keinen Fuß­ball­platz“, sagt er. Cham­pions ohne Grenzen“ habe er eine Menge zu ver­danken. Assad lernte die meisten Freunde, die er in Deutsch­land hat, durch das Trai­ning kennen. Die Gespräche mit den Trai­nern sind die beste Gele­gen­heit, um sein Deutsch zu ver­bes­sern. Der­zeit plagen ihn Sorgen, ob er in seinem Wohn­heim in Berlin-Mari­en­felde bleiben darf. Die Woh­nungen sollen für nach­kom­mende Flücht­linge geräumt werden. Ich liebe mein Wohn­heim, ich will da auf keinen Fall weg“, sagt er. Auf län­gere Sicht ist auch nicht sicher, ob er über­haupt in Deutsch­land bleiben darf. Er ist 27 Jahre alt, sein Gesicht ist faltig.

Die Nach­frage wird immer größer“

Die Freund­schafts­spiele der Cham­pions ohne Grenzen“ an den Wochen­enden treffen auf so viel Anklang, dass zur Halb­zeit das Team häufig kom­plett aus­ge­wech­selt wird, damit alle Spieler zum Ein­satz kommen. Ins­ge­samt sind es über 50 Jungen und Männer, die mehr oder weniger regel­mäßig zum Trai­ning kommen. Wir ver­su­chen noch wei­tere Trai­nings­mög­lich­keiten zu schaffen. Die Nach­frage wird immer größer“, berichtet Carolin. Auch eine Frau­en­mann­schaft wurde gegründet. Die Cham­pions ohne Grenzen“ sind Vor­reiter mit ihrem Pro­jekt. Doch in den letzten Monaten spürt Carolin Gaf­fron ein wach­sendes Inter­esse an der The­matik, zumin­dest im Ama­teur­be­reich. Der SV Babels­berg 03 grün­dete bereits ein ähn­li­ches Pro­jekt, auch die ersten Bun­des­li­gisten nähern sich bedächtig der The­matik, indem sie Frei­karten oder, wie zuletzt der FC Bayern, Klei­dung und Fuß­bälle ver­schenken.

Beim Trai­nings­spiel sieht es für das Team um Asaad und Abdullah nicht gut aus, obwohl sie in der Über­zahl sind. Ein Spiel­system sucht man an diesem Mitt­woch­nach­mittag ver­ge­bens, den­noch ent­wi­ckelt sich ein lei­den­schaft­lich geführte Partie, bei dem jeder Treffer fre­ne­tisch gefeiert wird. Das Spiel muss kurz unter­bro­chen werden, als einer der Männer den Ball aus kür­zester Ent­fer­nung in einem unglaub­li­chen Winkel über das leere Tor und den dahinter lie­genden Zaun jagt. Kol­lek­tives Gelächter schallt durch die Wran­gel­ritze.

Wenn der Tor­wart aus Asaads Team nicht so sen­sa­tio­nell gehalten hätte, wäre das Ergebnis wohl zwei­stellig aus­ge­fallen. Am Ende ver­liert das Team von Asaad mit 1:7. Das ist doch ganz egal. Die Haupt­sache ist, wir hatten Spaß“, sagt er auf dem Weg zur Umklei­de­ka­bine. Das Trai­ning ist zu Ende, für die Männer geht es wieder zurück nach Hause, in die Unge­wiss­heit.