David Silvas Wechsel zur Real Sociedad San Sebas­tian stand unter keinem guten Stern. So schien es zumin­dest. Da war zum einen sein beträcht­li­ches Alter: 34. In seiner letzten Saison bei Man­chester City war Silva eigent­lich nur noch bei Spielen gegen die Kel­ler­kinder in der Startelf auf­ge­taucht. Außerdem stellte sich die Cha­rak­ter­frage: Ist einer, der im Sommer angeb­lich schon bei Lazio im Wort gestanden hatte, nur ein schnöder Söldner? Und dann zog er sich auch noch Corona zu: Gleich nach seiner Ankunft Ende August war David Silva positiv getestet worden. Bis Mitte Sep­tember blieb der 1,70-Meter-Mann in Qua­ran­täne. Das Auf­takt­match, ein 1:1 in Val­la­dolid, ver­passte er. Am 2. Spieltag (0:0 gegen Real) reichte es gerade mal zu einem halb­stün­digen Auf­tritt als Joker.

Heute, knapp zwei Monate später, sieht die Welt ganz anders aus in San Sebas­tian: David Silvas Magie hat aus Real Sociedad einen ernst­haften Her­aus­for­derer in La Liga gemacht“, titelte die bri­ti­sche Daily Mail“, und die Wehmut zwi­schen den Zeilen lässt ver­muten, dass der Autor ein trau­ernder City-Fan ist. Dabei hatte Silva im Bas­ken­land nach einer kom­plett ver­passten Vor­be­rei­tung erheb­liche Anlauf­schwie­rig­keiten zu meis­tern: Ich musste mein Spiel erst einmal adap­tieren und mich zurecht­finden“, gestand der auf Gran Canaria gebo­rene Sohn eines Cana­rios“ und einer Japa­nerin. Fast schon dro­hend fügte Silva noch hinzu: Das Zusam­men­spiel bei uns wird künftig immer besser funk­tio­nieren.“

Silva? Die Fans for­derten Öde­gaard!

Dabei hätten nicht wenige San-Sebas­tian-Fans im Sommer lieber den hoch ver­an­lagten Real-Leih­spieler Martin Öde­gaard (21) behalten. Silvas große Zeit sei doch längst vor­über, arg­wöhnten viele. Er sei schlicht zu langsam, zu ver­schlissen. Was folgte, war eine mehr­wö­chige Lek­tion aus dem Buch Du musst nicht der Aller­schnellste sein, um das Spiel schnell zu machen“, Autor: David Silva. Fast schon beängs­ti­gend ist die Ent­schlos­sen­heit, mit der San Sebas­tians Stra­tege immer wieder den Weg in die Tiefe sucht. Bei­nahe ebenso beein­dru­ckend ist seine in Eng­land erwor­bene Härte: Bis­lang drei Gelbe Karten und ins­ge­samt 15 Fouls in sieben Ein­sätzen muten gera­dezu brutal an für einen Spiel­ma­cher in der Pri­mera Divi­sión. Doch der Erfolg gibt ihm Recht: Ohne Silva in der Startelf holte San Sebas­tian diese Saison 1,0 Punkte pro Partie, mit ihm: 2,5.

Am ver­gan­genen Wochen­ende brauchte dieser David Silva weder Tor, noch Assist, um beim 2:0‑Heimsieg gegen den FC Gra­nada zum Mann des Spiels“ gekürt zu werden. Die von einem korea­ni­schen Auto­her­steller gestif­tete Kitsch-Tro­phäe nahm er freund­lich, aber rou­ti­niert ent­gegen. Der eins­tige Welt- und Europa- sowie vier­ma­lige eng­li­sche Meister denkt in weitaus grö­ßeren Kate­go­rien und sein offen­sicht­li­ches Selbst­ver­trauen beein­druckt alle: Mit­spieler, Gegner, neu­trale Beob­achter.