Michael Bella, wie geht es Ihnen?
Wenn Sie wegen dem MSV fragen: Es ging mir schon besser. Momentan befinden wir uns alle in einem selt­samen Schwe­be­zu­stand. Am Mitt­woch, wenn wir uns wieder mal mit den alten Spie­lern beim MSV-Stamm­tisch treffen, werden wir hof­fent­lich wissen, wie es wei­ter­geht.
 
Wie haben Sie von dem Lizenz­entzug erfahren?
Kurz nach Bekannt­werden rief Günter Preuß (ehe­mals Mit­spieler von Michael Bella, d. Red.) mich an. Der hatte es vom Michael Wild­berg (Autor des Buches So Lonely: Ein Leben mit dem MSV, d. Red.). Der hatte es ver­mut­lich aus der Presse. Ich saß am Früh­stücks­tisch, und Günter sagte: Pass auf, Micha, der MSV bekommt keine Lizenz!“
 
Und Ihre Reak­tion?
Ich war baff, wie Sie sich denken können. Der MSV nahm ja an, alle Auf­lagen erfüllt zu haben. Noch am Mitt­woch­abend, wäh­rend in Duis­burg das Län­der­spiel zwi­schen der Türkei und Lett­land statt­fand, sagte Roland Kentsch (MSV-Geschäfts­führer, d. Red.) im Fern­sehen, dass es mit der Lizenz kein Pro­blem geben würde.
 
Wer hat denn Schuld am Lizenz­entzug?
Momentan sieht es für mich nicht so aus, als fehle Geld. Schließ­lich wurde der Antrag zweimal geprüft – von zwei Lizenz­prü­fern. Ist es also ein Form­fehler? Ist es ein Fehler von­seiten der DFL? Momentan kann man nur spe­ku­lieren.
 
Von MSV-Seite heißt es, dass alle Bedin­gungen zur Erlan­gung der Lizenz für die kom­mende Spiel­zeit frist­ge­recht und von einer Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft tes­tiert erfüllt“ wurden.
Daher kann ich mir einen Rechen­fehler nicht vor­stellen. Und wenn Geld gefehlt hätte, wäre Walter Hell­mich (Ex-MSV-Prä­si­dent und Gründer der Bau­ge­sell­schaft Hell­mich“, d. Red.) ja ein­ge­sprungen. Das hat er jeden­falls gesagt.
 
Dass es Duis­burg finan­ziell schon mal besser ging, ist hin­gegen kein Geheimnis. Wie sehen Sie die Ent­wick­lung der ver­gan­genen zehn Jahre?
Ich denke, dass der MSV zuletzt ganz gut auf­ge­stellt war. Zumal man sol­vente Spon­soren ans Land ziehen konnte. Außerdem war ja auch Walter Hell­mich immer mit hel­fender Hand zur Stelle.
 
Viele Fans bela­gern seit Tagen die MSV-Arena. Können Sie den Frust nach­voll­ziehen?
Solange es sich um einen nor­malen Pro­test han­delt, finde ich das okay. Was ich aller­dings nicht gut finde, sind die Ran­dale, die Farb­beu­tel­würfe und die stän­digen Atta­cken gegen Walter Hell­mich und seine Firma.
 
Die Fans monieren, dass Hell­michs Sta­di­onbau den Klub rui­niert habe.
Das ist ein Schmuck­käst­chen. Ich fand es richtig und wichtig, dass dieses Sta­dion gebaut wird. Nur leider ist es zu selten voll. Man hätte sich viel­leicht vorher auch inten­siver zusam­men­setzen sollen, um die Finan­zie­rung der Miete zu klären.

Was würde ein Lizenz­entzug für den Klub bedeuten?
Die Spieler wären alle weg. Der Trainer mit Sicher­heit auch. Inso­fern wäre der Lizenz­entzug das Ende des Ver­eins.
 
Das Ende? Was heißt das kon­kret?
Wo soll der Verein in der Vierten Liga hin? Ins Sta­dion Mei­de­rich, Westender Straße? Natür­lich kann man dort Spiele aus­ge­tragen, doch wie viel Zuschauer passen in dieses Sta­dion? 2000? 3000?
 
In der Arena würde man nicht mehr spielen können?
Natür­lich würden die hart­ge­sot­tenen Fans dem Verein die Stange halten. Gleich­zeitig würden sich aber auch einige Leute abkehren. Und wie soll der Klub die Miete für die Arena auf­bringen, wenn nur 5000 Zuschauer kämen?
 
Der MSV würde in die Regio­nal­liga absteigen – und dort auf ein Meer an Tra­di­ti­ons­klubs treffen. KFC Uer­dingen, Wup­per­taler SV…
...Ale­mannia Aachen, Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Ober­hausen und Vik­toria Köln. Fast wie die alte Ober­liga-West. Das klingt nicht schlecht. Aber was würde das bringen? Es führt nur zu einer Crux: Bei Spielen gegen Essen würden zum Bei­spiel 3000 Gäs­te­fans kommen, was dazu führt, dass man auf keinen Fall im Sta­dion Mei­de­rich spielen könnte. Man müsste also wieder in die Arena aus­wei­chen – die dann aber wie­derum zu groß wäre.
 
Herr Bella, Sie sind mit 405 Bun­des­li­ga­par­tien Rekord­spieler des MSV Duis­burg. Haben Sie eigent­lich nie den Drang gehabt, selbst mal in Ver­eins­be­lange ein­zu­greifen?
Über­haupt nicht. Das sollen andere machen. Ich bin kein Fuß­ball­funk­tionär.