Noch einmal segelt eine Flanke in den Dort­munder Straf­raum. Direkt in die Arme von Marwin Hitz. Ein Roar der Erleich­te­rung geht durch das West­fa­len­sta­dion. Jetzt muss es vorbei sein. Zum ersten Mal an diesem Abend wird die Süd­tri­büne laut. Nur der BVB! Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz.“ Noch bevor das Sta­dion ein­stimmen kann, beendet Schieds­richter Sascha Ste­ge­mann die Partie. Die Spieler fallen sich vor Erleich­te­rung in die Arme, vom Spiel­feld­rand tapert Mas­kott­chen Emma in Rich­tung Mit­tel­kreis. Der Bie­nendar­steller weiß nicht, wohin mit seiner Freude. So hüpft er und tapert. Lange nicht gesehen im West­fa­len­sta­dion.

Wenig später sagt Axel Witsel: Wir atmen. Immer. Wir leben. Wir haben dreimal unent­schieden gespielt. Aber das heißt doch nicht, dass wir nicht atmen!“ Damit hat der bel­gi­sche Natio­nal­spieler natür­lich recht. Mehr und ange­strengter geatmet wurde in den letzten Wochen an keinem anderen Bun­des­li­ga­standort.

Nach nur einem Sieg aus fünf Pflicht­spielen, nach drei auf­ein­an­der­fol­genden, späten 2:2‑Unentschieden in der Liga war der BVB auf Platz 8 abge­stürzt. Zwar nur vier Punkte hinter Tabel­len­führer Borussia Mön­chen­glad­bach, aber eben auf Platz 8. Und das als selbst­er­nannter Meis­ter­schafts­kan­didat.

Deutsch­lands neues Vize­kusen?

In die ohnehin vor­han­dene Auf­re­gung ver­öf­fent­lichte BVB-Geschäfts­führer Hans-Joa­chim Watzke seine Lie­bes­er­klä­rung an Ex-Trainer Jürgen Klopp, dessen sieben Jahre in Dort­mund immer mehr zu einer alt­tes­ta­men­ta­ri­schen Last für den Verein werden. In der fünften Spiel­zeit nach Jürgen sehnt sich ganz Dort­mund wei­terhin nach ihm.

Aber es sind Nuancen zu erkennen. Dort­mund lernt. Das BVB-Fan­zine kri­ti­sierte Watzke und Sport­di­rektor Michael Zorc, warf ihnen eine gewisse Hilf- und Plan­lo­sig­keit in der Trainer- und Phi­lo­so­phie­fin­dung vor. 2019, wie bereits in den meisten Vor­jahren, bleibt der BVB im oberen euro­päi­schen Mit­telmaß ste­cken. Es gibt kein vor und kein zurück. Für immer gefangen in der Cham­pions-League-Grup­pen­phase, für immer Deutsch­lands neues Vize­kusen. Das zerrt an den Nerven.

Nur Trainer Lucien Favre hat davon nichts mit­be­kommen. Sagt er. Denkt von Trai­ning zu Trai­ning, von Spiel zu Spiel, von Tag zu Tag. Nicht in über­ge­ord­neten Kate­go­rien. Nicht daran, dass Watzke noch 2018 ver­sucht haben will, Klopp von einer Rück­kehr nach Dort­mund zu über­zeugen.

Am Morgen des Spiel­tags zir­ku­lieren nach einem Bericht der Süd­deut­schen bereits drei mög­liche Favre-Nach­folger: Mas­simo Allegri, Ralf Rang­nick und Jose Mour­inho. Aber jeder hat einen Makel. Der eine könne kein Deutsch, der andere sei bei den Ultras nicht ver­mit­telbar und Mour­inho warte lieber auf einen Anruf aus Madrid.