Seite 2: Die Offensive

Außen­bahn offensiv

Hansi Flick könnte sich die Sache ein­fach machen: Rechts lässt er Serge Gnabry spielen, links Leroy Sané – und fertig ist die Bayern-Flü­gel­zange. Ver­mut­lich wird es früher oder später auch so kommen. Doch Sané fällt mit Knie­pro­blemen im ersten Grup­pen­spiel aus.

An Gnabry führt schon jetzt kein Weg vorbei. Im deut­schen Kader ist er der Spieler mit der aktuell besten Form. In den jüngsten elf Pflicht­spielen für die Münchner schoss er sieben Tore und berei­tete sechs vor. Mit ent­spre­chend großem Selbst­ver­trauen blickt Gnabry seiner ersten WM ent­gegen.

Der Bun­des­trainer schätzt aber auch Jonas Hof­mann sehr, der über ein gutes Gespür für den Raum ver­fügt. Bekäme er den Platz auf der rechten Außen­bahn zuge­wiesen, könnte Gnabry erst einmal nach links aus­wei­chen. Thomas Müller (der explizit für die Zen­trale vor­ge­sehen ist) und Karim Adeyemi (der nicht die nötige Tur­nier­form mit­bringt) sind nur in der Theorie wei­tere Optionen für Flick.

Zehn

Serge Gnabry sagt, dass er am liebsten hinter der Spitze spielt. Dieser Wunsch aber dürfte für ihn bei der WM in Katar uner­füllt bleiben. Zum einen, weil Gnabry woan­ders drin­gender benö­tigt wird; zum anderen, weil für die Zeh­ner­po­si­tion genü­gend andere Kan­di­daten bereit stehen. Nir­gends ist die Qua­lität so hoch wie im offen­siven zen­tralen Mit­tel­feld.

Thomas Müller hat sich nach seiner Ver­let­zung recht­zeitig wieder fit gemeldet. Er ist voller Ehr­geiz, voller Anspan­nung“, sagt Gnabry. Aller­dings hat der Münchner Ende Sep­tember zuletzt über 90 Minuten gespielt, so dass ihm andere Kan­di­daten aktuell ein Stück voraus zu sein scheinen.

Mario Götze gehört wieder dazu, außerdem Kai Havertz. Auch Ilkay Gün­dogan kann die Zeh­ner­po­si­tion besetzen – für den Fall, dass Flick in der Defen­sive auf Leon Goretzka setzt.

Jamal hat das gewisse Etwas.“

Hansi Flick

Es gibt viele Spieler, die als Zehner spielen können“, sagt auch Jamal Musiala. Aber es wäre schon eine ziem­liche Über­ra­schung, wenn Flick sich für jemand anderen ent­scheiden sollte als: Jamal Musiala.

Der Münchner, 19 Jahre alt, hat das Publikum in dieser Saison Woche für Woche aufs Neue ver­zückt. Auch den Bun­des­trainer. Jamal hat das gewisse Etwas“, sagt Flick. Er weiß sich in engen Räumen zu behaupten, ist drib­bel­stark, kann Situa­tionen lösen, die uns in einen Vor­teil bringen, hat einen guten Abschluss. Und er ist auch in der Defen­sive sehr geschickt.“

Sturm

Die Nation atmet auf. Niclas Füll­krug, dank seines Sieg­tores gegen die Fuß­ball­welt­macht Oman neuer Lieb­ling des Fuß­ball­volkes, hat seinen grip­palen Infekt über­standen und ist ein­satz­be­reit für den WM-Auf­takt gegen Japan. Viel­leicht sogar für die Startelf?

In den Pla­nungen des Bun­des­trai­ners war (und ist) Füll­krug nicht die erste Option. Aber im ein­zigen WM-Test gegen Oman hat der Bremer immerhin gezeigt, welche Fähig­keiten es sind, die er den meisten seiner Kol­legen in der Natio­nal­mann­schaft voraus hat und die ihm im fort­ge­schrit­tenen Alter von 29 Jahren die erste WM-Teil­nahme ermög­licht haben.

Füll­krug ist der klarste Mit­tel­stürmer in Flicks Kader. Aber das heißt nicht, dass ihm die Mit­tel­stür­mer­rolle auto­ma­tisch ange­tragen werden wird. Viel­leicht benö­tigt der Bun­des­trainer den Platz auch für Thomas Müller, falls er den Münchner unter allen Umständen in seiner Mann­schaft unter­bringen will.

Der aus­sichts­reichste Kan­didat aber heißt aktuell Kai Havertz. Beim FC Chelsea ist er erfolg­reich vom offen­siven Mit­tel­feld­spieler zum Mit­tel­stürmer umge­schult worden. Auch Serge Gnabry käme für die Rolle noch in Frage. Das wäre für mich auch eine Option“, sagt er selbst. Bevor ich auf der Bank sitze.“ Davon ist nicht aus­zu­gehen.