Seite 3: Kopf-auf-Schwitz-Spiele

Es ist, als würde der selt­same Onkel, von dem nie­mand genau weiß, was er mitt­ler­weile beruf­lich macht, bei einem Fami­li­en­treffen, jetzt da er end­lich mal gefragt wird und Zeit hat, über alles zu berichten, von seinen unbe­kannten Aus­lands­mis­sionen erzählen. Don­ner­wetter! Und alle hängen erstaunt an seinen Lippen. Nur nicht Cedric Pick, der will jetzt näm­lich über Borussia Dort­mund spre­chen. Und Legat, der zwi­schen­durch den Namen von Erling Haa­land ver­gessen hat, muss wieder einmal, und leider, Zitate lie­fern. 

Die Ana­lysen der beiden geraten dann so wie im Fall von RB Leipzig und deren Meis­ter­schafts­chancen. Eine Kost­probe:
Legat:
Leipzig kann Meister werden, Leipzig kann aber auch Zehnter werden. Sie sind ein­fach in einer Ent­wick­lungs­phase unter Nagels­mann, wo man sagen muss: Was pas­siert? Und das ist für mich so die Frage: Was pas­siert mit Leipzig?”
Pick: Also wohin geht der Weg…”
Legat:
Absolut.”
Pick:
Lang­fristig.”
Legat:
Absolut.”
Pick:
In dieser Saison…”
Legat:
In dieser Saison, ja, sind sie, glaube ich, noch in der Fin­dungs­phase mit Nagels­mann. Ja, hört sich blöd an, aber: Sie können natür­lich das Ulti­ma­tive schaffen. Sie sind nahe­lie­gend dran auch auf den 2. Platz zu agieren. Da darf man die Leip­ziger nicht unter­schätzen. Also, das ist wirk­lich ein Pro­ze­dere schlechthin, wo ich sagen muss: Ist auch ein Drei­kampf.”

Legat sorgt für die Show

Und wäh­rend man sich also noch fragt, was das Ulti­ma­tive” nun sei und wie man auf den zweiten Platz agiert, und vor allem, wen diese Sätze nun wei­ter­ge­bracht haben, fragt Pick bereits, ob Glad­bach sich im Sommer gezielt ver­stärken sollte.

Da will man ärger­lich rufen: Ja, was denn sonst?! Sollen die sich etwa unge­zielt ver­stärken?! Sollen die die Füße still­halten und ein­fach mal schauen, was die anderen Klubs so machen?!” Nur Legat bleibt locker und warnt in einem Halb­satz vor den wirt­schaft­li­chen Folgen der Coro­na­krise. Und über­rascht mal wieder.

Um klar zu machen, was seit dem ersten Absatz klar sein sollte: Diesen Pod­cast hört man allein, um Legat reden zu hören. Cedric Pick, das scheint er selbst zu wissen, ist Fra­ge­steller und Stich­wort­geber. Er ist ein unauf­ge­regter Mode­rator, der Legats Erzäh­lungen schnell zusam­men­fasst, ohne sich selbst auf­zu­drängen. Thorsten Legat sorgt für die Show, wenn er darf.

Keine wei­teren Fragen

Weniger, weil er sport­liche Ein­schät­zungen lie­fert, für die er zu weit vom Geschehen ent­fernt ist. Und weil er sowieso keinem Akteur arg auf die Füße treten will (Fazit der Ana­lyse zum Titel­rennen: Fünf­kampf. Alle können es theo­re­tisch noch schaffen. Bayern ist aber der leichte Favorit). Eher aber, weil er dem Hörer von Kopf-auf-Schwitz-Spielen” erzählt oder wie er sich früher Gut aus der Szene setzte”.

Denn das ist die eigent­liche Stärke des Pod­casts: Dass Legat eine Geschichte aus seiner prall gefüllten Asser­va­ten­kammer der Anek­doten zieht und drauf­los­redet. Da ist man­ches viel­leicht über­trieben. Zum Bei­spiel, wenn Legat erzählt, wie Calli ihn ver­pflichten wollte, nachdem Bochum Lever­kusen aus dem Sta­dion schoss. 5:0 oder 5:1, ich weiß es nicht mehr genau.” Wahr­schein­lich des­halb, weil Bochum mit ihm gegen Lever­kusen nur ein ein­ziges Mal gewann – und das 3:1. Aber das ist auch egal, denn es folgen Tele­fo­nate mit Calli, Her­mann Ger­land auf der anderen Lei­tung, neue Ver­träge, gebro­chene Ver­spre­chen. Kurzum: Es ist beste Unter­hal­tung.

Oder wie Pick sagt: Stark!” Und auf Nach­fragen mal wieder ver­zichtet.