Seite 2: Auf Schlagzeile

Pick, der für die Ana­lysen zuständig sein soll, macht dabei den Anfang. Und rat­tert kur­zer­hand die Bun­des­li­ga­ta­belle von Platz 1 bis 5 hin­unter. Eine Ana­lyse, die einen erfahren lässt, dass die Bayern aktuell 55 Punkte auf dem Konto haben, Borussia Dort­mund 51 Punkte, Leipzig hat 50 Punkte, und so weiter. Nur: Was soll das?

Legat & Pick – Die Spiel­tags-Stamm­ti­scher” Der Pod­cast heißt so, weil Cedric Pick, der Mode­rator, Model steht für das Label Stamm­ti­scher”. Die bringen bedruckte Shirts und Pull­over auf den Markt, auf denen so Sprüche wie Schiri, der hat schon Gelb” oder Ohne Fuß­ball. Ohne Mich.” gedruckt sind. Auf den Wer­be­fotos zum Pod­cast tragen Pick und Legat des­halb auch Shirts mit dem Mar­ken­namen und man ahnt, wohin die Reise also geht. Es soll wohl nebenher ein biss­chen Wer­bung gemacht werden. Und des­halb sind die beiden auf Schlag­zeile aus.

Ker­nige Aus­sagen

Wie das funk­tio­niert, wird schon klar, als Pick die Hörer begrüßt und seinen Co-Kom­men­tator vor­stellt: Mit Legat ist natür­lich der wun­der­bare, oft kopierte, nie erreichte, aber eben auch oft zitierte Thorsten Legat gemeint”, sagt Cedric Pick. 

Thorsten Legat soll in den nächsten Wochen aller­hand Stel­lung beziehen, um zitier­fä­hige Aus­sagen zu lie­fern. Was die Bayern gerade falsch machen, was Borussia Mön­chen­glad­bach richtig macht, warum dieser oder jene Transfer ganz super ist – oder auch nicht. Das System arbeitet auf diese Weise seit Jahren. Ein Ex-Spieler äußert sich, andere Medien greifen das Zitat auf. Am Ende die not­wen­dige und rich­tige Quel­len­an­gaben: Für ihn sei es wichtig, dass der Rasen genauso werde wie der Thorsten Legat auch, sagte Legat im Stamm­ti­scher-Pod­cast.”

Was bestimmt funk­tio­nieren wird, aber auch schade ist. Denn Thorsten Legat war 15 Jahre Bun­des­li­ga­spieler, gewann die Deut­sche Meis­ter­schaft, den DFB-Pokal und einen Euro­pa­pokal. Thorsten Legat hat, wenn man ihn lässt, eine ganze Menge zu erzählen. 

Rüh­rende Anek­doten aus Lis­sabon

Rüh­rend ist die Geschichte, die Legat zum Thema Geis­ter­spiele” erzählt. Denn im Finale des Euro­pa­po­kals der Pokal­sieger mit Werder Bremen kamen nur 15.000 Men­schen ins Sta­dion. Jetzt muss man wissen”, sagt Pick, das Finale fand statt im Sta­dion von Ben­fica Lis­sabon im Estadio da Luz. Und das ist rie­sen­groß, es passen nor­ma­ler­weise 65.000 Men­schen rein.” Was nicht ganz richtig ist, denn 1992 wurde noch im alten Estadio gespielt, das damals noch viel größer war, und 120.000 Zuschauer fasste. Der Geis­ter­spiel-Atmo­sphäre dürfte das aber nicht abträg­lich gewesen sein.

Und Legat also erzählt davon, wie sie im leeren Sta­dien ankamen und wie Otto Reh­hagel ihm und Stefan Kohn, den armen Teu­feln, doch am Vortag ver­si­chert hatte, dass sie ganz sicher spielen würden. Nur um kurz vor dem Anpfiff auf exakt zwei Posi­tionen zu tau­schen – und Legat und Kohn auf der Bank Platz nahmen. Legat erzählt das rüh­rend, die Ungläu­big­keit liegt noch immer in seiner Stimme: Ich dachte damals, ganz ehr­lich, will der mich ver­äp­peln?” Und gleich­zeitig ist da aber diese Zunei­gung zu Reh­hagel und Legats Glaube, dass nur so, durch den Ver­zicht auf Legat und Krohn, das Finale gewonnen werden konnte. In diesen Momenten ent­wi­ckelt der Pod­cast eine uner­war­tete, echte Anzie­hungs­kraft.