Ein knappes Drei­vier­tel­jahr ist Hans-Dieter Flick, genannt Hansi, jetzt Bun­des­trainer der deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft. Dass ihm das Schicksal in dieser Zeit übel mit­ge­spielt hätte, das lässt sich wahr­lich nicht behaupten. Auch am Sams­tag­abend, im Test­spiel gegen Israel, lief es wieder mal per­fekt, selbst wenn Flicks Emp­fin­dung kurz vor Ende des Spiels eine andere gewesen war. Da näm­lich kroch mäch­tiger Ärger in ihm hoch.

Der Ärger über einen unnö­tigen Aus­setzer des jungen Frei­bur­gers Nico Schlot­ter­beck, der in Sins­heim sein Debüt für die Natio­nal­mann­schaft fei­erte. Es war alles in allem ein über­zeu­gendes erstes Mal – zumin­dest bis in die Nach­spiel­zeit. Da näm­lich fiel Schlot­ter­beck in eine Art Sekun­den­schlaf. Als er wieder wach wurde, lag sein Gegen­spieler Yonatan Cohen auf dem Rasen, und es gab Elf­meter für die israe­li­sche Natio­nal­mann­schaft.

Der Lern­ef­fekt

Aus Schaden wird man klug, heißt es, und inso­fern hätte es für Flick, für Schlot­ter­beck und für die gesamte Mann­schaft in Sachen Lern­ef­fekt kaum besser laufen können. Bei einer WM kann so ein Ding in der 90. Minute töd­lich sein“, sagte der Bun­des­trainer über den elf­me­ter­wür­digen Tritt des Frei­burger Ver­tei­di­gers gegen den Fuß seines israe­li­schen Gegen­spie­lers.

Flick hatte schon im Anlauf auf das Spiel berichtet, dass der 22 Jahre alte Schlot­ter­beck bei allen erfreu­li­chen Anlagen zu Bequem­lich­keit neige. Er will immer den Ball haben, agiert sehr selbst­be­wusst. Das gefällt mir“, sagte der Bun­des­trainer. Aber manchmal nimmt er sich wieder einen Tick raus. Daran arbeiten wir.“ Die Not­wen­dig­keit dürfte auch Schlot­ter­beck am Sams­tag­abend noch einmal bewusst geworden sein. Das war ein­fach schlecht in der Situa­tion“, gestand er.

Achter Sieg im achten Spiel

Dass Flick in der Nach­be­trach­tung recht gnädig war, lag daran, dass der gefoulte Cohen mit seinem Straf­stoß an Tor­hüter Kevin Trapp schei­terte; dass es folg­lich beim 2:0‑Erfolg für die deut­sche Mann­schaft blieb und sie im achten Spiel unter Flick nicht nur zum achten Mal als Sieger vom Feld ging, son­dern auch zum sechsten Mal kein Gegentor kas­sierte.

Der Fleck auf Schot­ter­becks Leis­tung ließ sich also recht leicht aus­bürsten und beein­träch­tigte den posi­tiven Gesamt­ein­druck nur bedingt. Er war sehr prä­sent. Er war aktiv“, sagte Hansi Flick. Er kann zufrieden sein mit seinem Debüt.“ Und er kann sich Hoff­nungen machen, über kurz oder lang ein fester Bestand­teil der Natio­nal­mann­schaft zu werden.