Seite 2: Eine Liebesgeschichte aus Manchester

Los geht die Geschichte damit, dass Man­chester City in den ersten drei Monaten mit dem neuen Mann im Mit­tel­feld nicht ein Spiel gewann. Der Klub wie wir ihn heute kennen – reich und erfolg­reich – exis­tierte damals noch nicht. Weder Scheichs noch andere sol­vente Geld­geber inter­es­sierten sich für City, dem erst in der Vor­saison der Auf­stieg in die Pre­mier League geglückt war.

Mama und die Wal­nüsse

Und Kin­k­ladse? Den quälte schon nach wenigen Wochen so schlimmes Heimweh, dass die Klub­bosse eilig Mama Kin­k­ladse ein­fliegen ließen. Die brachte ihrem Soh­ne­mann erstmal ein anstän­diges Fress­paket mit: seine Lieb­lings­wal­nüsse und Gewürze aus der Heimat. Ob es die Wal­nüsse waren, die dem Geor­gier wieder das nötige Selbst­ver­trauen gaben? Jeden­falls spielte sich der Neu­ling bald mit ris­kanten Dribb­lings und schönen Toren in die Herzen seiner Fans, die ihn lie­be­voll Kinky“ riefen (was Mama Kin­k­ladse angeb­lich nicht so toll gefunden haben soll – kinky bedeutet über­setzt per­vers).

Was die Liebe der City-Fans zu Kin­k­ladze so innig machte, dass sie ihn bis heute ver­ehren, war aller­dings auch dem Umstand geschuldet, dass die Citi­zens ansonsten furcht­baren Fuß­ball spielten und prompt wieder abstiegen. Für die wenigen Höhe­punkt sorgte Kin­k­ladse – wie jenes Tor zum 2:1‑Sieg gegen Sout­hampton am 16. März 1996. Gleich fünf Spieler ließen sich von dem wen­digen Trickser narren, ehe Sout­hampton-Tor­wart Dave Bea­sant mit einem gera­dezu unver­schämten Lupfer über­wunden wurde. Viel­leicht hat seitdem kein Absteiger in Eng­land mehr ein so schönes Tor geschossen. Wie paradox: Man­chester City bot in diesen Jahren häss­li­chen Fuß­ball und hatte gleich­zeitig einen der spek­ta­ku­lärsten Schön­spieler in den Reihen. Als wenn der unat­trak­tive Kol­lege mit dem Mund­ge­ruch bei der Weih­nachts­feier plötz­lich mit einer ras­sigen spa­ni­schen DJane auf­läuft.

In den langen dunklen Tagen in der Maine Road war er ein Leucht­feuer, dass die Dun­kel­heit mit seinen Genie­strei­chen erhellte“, beschrieb das Jahre später der eng­li­sche Trainer Joe Royle in seiner Auto­bio­grafie. Aus­ge­rechnet jener Royle, der die lodernde Affäre zwi­schen City und Kin­k­ladse im Sommer 1998 beenden sollte. Der hatte Man­chester im Februar 1998 über­nommen – als vierter Trainer der lau­fenden Saison – und galt als harter Hund mit einer Vor­liebe für ker­nige Mit­tel­feld­ar­beiter. Nicht ohne Grund hatte man den FC Everton unter der Royles Ägide (1994−97) die Dogs of War“ getauft. Harte Hunde mögen keine Spieler wie Giorgi Kin­k­ladse. Auch nicht Joe Royle.