Als ich Kinky das erste Mal spielen sah, dachte ich nur: Jesus, das ist ent­weder das Furcht­ein­flö­ßen­dste was ich je gesehen habe oder aber das Beste. Ich konnte mich ein­fach nicht ent­scheiden. So was kriegst du eben nur bei City.“
(Noel Gal­lagher, Fan von Man­chester City)

Eine recht ver­brauchte Fuß­ball-Phrase kennt Fuß­baller, die den Unter­schied machen“. Das können schwer arbei­tende Was­ser­träger sein, tap­fere Krieger oder gebo­rene Tor­jäger.

Oder Typen wie Giorgi Kin­k­ladse.

Der tauchte im November 1994 erst­mals auf der inter­na­tio­nalen Bühne auf und hin­ter­ließ einen so blei­benden Ein­druck, dass sich manche der Betei­ligten bis heute nicht davon erholt haben. Kin­k­ladse, ein 1,73 Meter großer Mit­tel­feld­spieler mit einem eher unauf­fäl­ligen Baby­face, war zu diesem Zeit­punkt 21 Jahre alt und in seiner Heimat Geor­gien längst ein Star. Mit 16 hatte er für Mre­tebi Tiflis in der ersten Liga sein Debüt gefeiert, beim Vor­zei­ge­klub Dinamo Tiflis schoss er in jedem zweiten Spiel ein Tor. Im post-sowje­ti­schen Fuß­ball Ost­eu­ropas galt der Linksfuß als einer der spek­ta­ku­lärsten Kicker über­haupt, im Westen war er nahezu unbe­kannt. Bis zu jenem EM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel am 16. November 1995. Geor­gien gegen Wales.

Sie machten uns alle!“

Nach 90 Minuten war der Fuß­ball-Zwerg von der Insel zer­rupft wie ein Mast-Hühn­chen vor den Fei­er­tagen. Geor­gien gewann 5:0, zeigte zum Teil atem­be­rau­benden Fuß­ball und wurde ange­führt von einem jungen Mann mit zu großem Trikot, über den die wali­si­sche Tor­wart-Legende Neville Sout­hall anschlie­ßend urteilte: Sie machten uns alle – und dieser Kerl war sogar noch um Längen besser als jeder andere Spieler auf dem Rasen.“ Gestatten, Giorgi Kin­k­ladse.

Der setzte im Rück­spiel sogar noch einen drauf und über­wand Sout­hall – der zu diesem Zeit­punkt schon fast 500 Pro­fi­par­tien allein für den FC Everton bestritten hatte – mit einem der frechsten Lupfer der Quali-Geschichte. Kein Zweifel: der junge Mann ver­fügte über ein unglaub­li­ches Talent und eine unbän­dige Spiel­freude, der man sich als Lieb­haber des Spiels ein­fach nicht ent­ziehen konnte. Auch nicht die Ver­ant­wort­li­chen von Man­chester City, die zwei Mil­lionen Pfund Rich­tung Tiflis über­wiesen und den Drib­bel­könig in den Norden Eng­lands lockten. Viel Geld für einen Mann, der es auf Leih­basis für wenige Monate bereits beim 1. FC Saar­brü­cken in der 2. Bun­des­liga (elf Spiele) und den Boca Juniors (drei Spiele) ver­sucht hatte, dort jedoch nicht nach­haltig über­zeugen konnte.

City war das egal. Und von hier an befinden wir uns in einer Lie­bes­ge­schichte mit allen Höhen und Tiefen, die so eine Liebe nun mal zu bieten hat.